Altenpflege zwischen Frust und Lust

21.12.2017

Im Gespräch mit Pflegeschüler*innen und Lehrerinnen

Die Spannung zwischen dünner Personaldecke, Bemühen um gute Pflegequalität sowie einer Mischung aus Frust und Lust war im Gespräch mit den Pflegeschülerinnen und -schülern deutlich zu spüren.

32 Auszubildende kann die Katholische Berufsfachschule für Altenpflege in Filderstadt pro Jahr aufnehmen. Auf diese Plätze gibt es 40 bis 50 Bewerbungen. Aufgenommen werden kann, wer einen Praxisplatz in einem Altenpflegeheim oder bei einem ambulanten Alten- und Krankenpflegedienst vorweisen kann. Die Klasse, die ich zu einem Gespräch besucht habe, besteht noch aus 14 Schülerinnen und Schülern. Dass die Ausbildungsklassen in dieser Größenordnung schrumpfen ist nicht ungewöhnlich und hat überwiegend mit sehr individuellen, persönlichen Gründen zu tun. Im Gespräch wurde bei einigen der Schülerinnen der Frust deutlich: Häufig sind nur eine Fachkraft und zwei Helfer für alle Bewohner/innen auf einer Station zuständig. Gute Pflege und die Ansprache der älteren Menschen ist damit nicht möglich. Immer wieder kamen die Wünsche nach einer besseren Bezahlung (manche würden dann lieber in Teil- statt in Vollzeit arbeiten), mehr Fachkräften und einem besseren Image des Pflegeberufs. Auch eine bessere Anleitung während der Ausbildung und bessere Qualifikation der Helferinnen und Helfer wurden angemahnt. Wie können mehr (junge) Menschen für den Pflegeberuf gewonnen werden? Neben verbindlichen Sozialpraktika in den allgemeinbildenden Schulen könnten auch, so ein Vorschlag, mehr Fachkräfte aus der Praxis in die Schulen gehen und den Pflegeberuf vorstellen.

In kleiner Runde mit der Schulleiterin und ihrer Stellvertreterin wurde das Gespräch vertieft. Wie sind die Erfahrungen mit Geflüchteten, können sie die Fachkräftelücke schließen helfen? Wie schon vorhin in der Diskussion mit den Schüler*innen werden die Sprachprobleme als Hürde genannt. Einige der Flüchtlinge starten mit unzureichenden Deutschkenntnissen die Ausbildung. Bei manchen männlichen Flüchtlingen kommt, je nach Kulturkreis, aus dem sie kommen, noch das Problem mit den „körpernahen Tätigkeiten“, also dem Waschen der pflegebedürftigen Menschen, hinzu. Aus den Einrichtungen, die ich in letzter Zeit besucht hatte, kamen positive Beispiele. So beschäftigt ein Altenheim in Nürtingen zehn Auszubildende, vier davon Geflüchtete – und „es läuft“. Weitere Themen, die wir (nochmals) aufgriffen: Die Bezahlung, die in manchen Einrichtungen bei gerade einmal 2.100 Euro für neu ausgebildete Fachkräfte beginnt – völlig inakzeptabel. Und auch den wachsenden Personalbedarf in der Behindertenpflege, die immer häufiger auf Pflegefachkräfte angewiesen ist, haben wir angerissen.

Fazit: Ein schöner, wichtiger und zukunftssicherer Beruf. Er gehört aber aufgewertet.

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