Auf nächtlicher Streife

19.11.2018

Begleitung einer Polizeistreife

Wie gestaltet sich Polizeiarbeit konkret und insbesondere in den späten Abendstunden eines Wochenendes? Darüber wollte ich mehr erfahren und begleitete eine Streife des Polizeireviers Filderstadt.

Die Schicht, die ich einige Stunden begleiten durfte, begann mit einer kurzen Dienstbesprechung, bei der die Teams verschiedenen Orten des Reviers zugeteilt und einige Informationen über den planbaren Teil der Einsätze gegeben wurden. Dann durfte auch ich eine Schutzweste überstreifen und mich zu einem erfahrenen Dienstgruppenführer und einem Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr in einen der vier eingesetzten Streifenwagen gesellen. Während der Fahrt nach Leinfelden, wo es um ein zugeparktes Auto ging, liefen ständig Funksprüche aus den unterschiedlichsten Winkeln des Polizeipräsidiums Reutlingen, zu dem auch das Filderstädter Revier zählt, ein. Dem Falschparker, der sich für sein Fahrzeug ein Plätzchen auf schraffierter Fläche ausgesucht hatte, bekam nach der Halterermittlung per Nachricht an der Windschutzscheibe ein Verwarnungsgeld ausgesprochen. Der Zeitbedarf für einen solchen Einsatz ist ziemlich groß und das Bußgeld aus meiner Sicht unverhältnismäßig gering. Weiter ging es für uns an den Busbahnhof auf dem Flughafenareal, wo wir die Ankunft einer vermissten Jugendlichen abwarten sollten. Aber noch bevor der entsprechende Bus ankam, tauchte die junge Frau wieder in ihrem Heim auf. In Musberg und Plattenhardt wurden zwei Fahrzeuge und deren Fahrer/in kontrolliert; in einem Fall war das Fahrzeug wegen defekten Lichts aufgefallen. Ebenfalls in Musberg ging es um häusliche Gewalt. Ein Mann hatte seiner Frau mit Gewalt gedroht und es galt das Annäherungsverbot, das dem Mann gegenüber ausgesprochen worden war, durchzusetzen und zu kontrollieren. Ein kurzer Kontrollgang führte uns durch den Bahnhof Echterdingen. Um eine „Stammkundin“ ging es in Bonlanden. Sie, nicht zum ersten Mal sichtbar unter Alkoholeinfluss, betätigt immer wieder den Notruf ohne klar zu erklären, worum es geht. Die Gründe wurden auch bei der Visite in ihrer Wohnung nicht klar. Schließlich wurden wir in eine Gaststätte gerufen, in der einige Gäste wohl die Rechnung nicht begleichen wollten. Auf dem Weg dorthin purzelte uns jedoch ein betrunkener Radfahrer vor den Streifenwagen. Nach einem Alkomattest und der Feststellung der Personalien wurde er zur Blutentnahme mit aufs Revier genommen, wo bereits ein Arzt auf ihn wartete.

Während der Fahrten, wenn gerade nicht gefunkt oder den Funksprüchen gelauscht werden musste, unterhielten wir uns über die Belastungen durch den Schichtdienst und die Auswirkungen auf das Privatleben und die Gesundheit, die häufiger wiederkehrenden Einsatzorte (Schulhöfe und andere Jugendtreffpunkte, Bahnhöfe und einige der Sammelunterkünfte für Flüchtlinge) sowie um den nachlassenden Respekt gegenüber der Polizei. Interessant war es für mich auch mehr über die Ausbildung bei der Polizei zu erfahren. Im Revier Filderstadt werden derzeit acht Junge Menschen praktisch für den Polizeidienst ausgebildet. Jedem der Auszubildenden ist eine erfahrene Polizeikraft als Anleiter/in zugeordnet.

Die Erlebnisse an den Einsatzorten und die persönlichen Gespräche mit Polizistinnen und Polizisten ermöglichten mir einen guten Einblick in den Alltag der Polizei sowie in die Belastungen durch den Schichtdienst und den Umgang mit einem nicht immer einfachen Klientel.
Auch auf diesem Wege bedanke ich mich bei der Polizei des Reviers Filderstadt herzlich für die ermöglichten Einblicke und für die Arbeit zugunsten unserer Sicherheit!

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