Autos der Vergangenheit oder Mobilitätsangebote der Zukunft

13.11.2016bdk

Rede auf der BDK Münster

(leider nicht gehalten, da ich nicht gelost wurde)

 

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

Wir wollen unbequem sein. So lautet das Motto dieses Parteitages. Und so ist es in großen Lettern hinter mir zu lesen.

Unbequem ist nicht, wer Debatten vermeidet.

Unbequem ist, wer sie führt.

Unbequem ist noch nicht, wer bei Debatten unter sich bleibt.

Unbequem ist, wer Debatten mit denen führt, von denen Veränderungen erwartet werden.

 

Daher bin ich sehr froh, dass wir ein gutes Format gefunden haben, wie Herr Zetsche uns und wir ihm zuhören können und es außerdem eine Podiumsrunde gibt.

Anläse für diese Debatte gibt es mehr als genug:

  • Die Verbrauchertäuschung bei CO2, NO2 und Kraftstoffverbrauch, teilweise sogar Betrug im rechtlichen Sinn
  • Gesundheitsgefährdende Konzentrationen von Stickoxiden in vielen Städten
  • Die unverantwortliche Ressourcenverschwendung durch den motorisierten Individualverkehr
  • Und schließlich steigende statt notwendigerweise sinkende CO2-Emissionen im Verkehrssektor

Nun gibt es Diskussionen darüber, ob wir mit unserem Ziel für einen Ausstieg aus dem fossilen Verbrennungsmotor unsere Industrie und damit auch Arbeitsplätze gefährden.

Die Realität sieht aber aus wie folgt:

  • In vielen Städten wird es zu Fahrverboten kommen, und zwar durch Gerichtsentscheide
  • In Norwegen sind bereits heute 15 Prozent der neu zugelassenen Autos elektrisch betrieben; diskutiert wird dort ein Verbot neuer Verbrenner bereits im Jahr 2025
  • China plant eine Mindestquote für E-Autos ab dem Jahr 2018
  • Paris plant, Dieselfahrzeuge auszusperren
  • Tesla ist – zumindest im Hinblick auf die Anzahl der Vorbestellungen – ein erfolgreicher Shootingstar im Automobilbereich
  • Die Post lässt sich ihre E-Lieferfahrzeuge durch Streetscooter bauen, weil die traditionellen Autobauer keine passenden Angebote haben

Daraus wird deutlich: Die Frage ist nicht, ob wir Grüne an den Realitäten vorbei Beschlüsse fassen. Die Frage lautet vielmehr: Hat ein Großteil der Automobilindustrie in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart an der Realität vorbei Fahrzeuge entwickelt und produziert und gefährdet sie damit zukünftig tausende von Arbeitsplätzen?

Es war schon immer üblich, dass die Politik Vorgaben macht. So gelten die CO2-Grenzwerte sogar als DER Innovationstreiber im Automobilbereich. Derartige Vorgaben sorgen auch dafür, dass die Wettbewerbsbedingungen für die unterschiedlichen Marktteilnehmer nicht zu sehr auseinanderfallen. Was die Politik nun schaffen muss ist vor allem der Ausbau der Infrastruktur für mehr E-Mobilität.

Aber auch Daimler, VW und all die anderen stehen vor weitreichenden Entscheidungen. Sie können weiter in die Autos der Vergangenheit investieren oder in Mobilitätsangebote der Zukunft.

Dabei muss für uns Grüne klar sein, dass dies keine Entscheidung gegen das Auto sein kann. Denn gerade in ländlichen Regionen kann die Mobilität nicht für alle Menschen ohne Automobilität gesichert werden.

Neben umweltverträglicheren Fahrzeugen – elektrisch oder auch mit power-to-gas betrieben – stehen wir Grünen auch für gut vertaktete, verlässliche Angebote von Bahn und Bus sowie eine Radinfrastruktur, auf der sich alle – vom Kind bis zum Senior – sicher fühlen und sie gerne nutzen.

Wir Grüne haben, als wir regiert haben, die Energiewende eingeleitet. Und spätestens im Herbst 2017 wollen wir endlich auch die Verkehrswende einleiten!

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Kommentare zu “Autos der Vergangenheit oder Mobilitätsangebote der Zukunft

  1. Roland Zizelmann Reply

    Lieber Matthias,
    ich glaube dass es mal nötig wäre, über das Thema fachbezogen und nicht ideologisch zu diskutieren. Ja, die Politik muss Eckdaten setzen, aber nicht die Technologie dazu vorschreiben. E-Automobile umweltfreundlich? Solange der Strom zur Hälfte aus Atom und Kohle kommt und für die Batterien Unmengen an seltenen Erden, die zudem noch unter menschenunwürdigen Bedingungen gefördert werden, gebraucht werden und die Entsorgung dieser Batterien nicht gesichert ist, ist die E-Mobilität zutiefst umweltschädlich. Ein moderner Verbrenner hat eine um Welten bessere Umweltbilanz. Es seien hier nur die Komponenten Zylinderabschaltung, 48 Volt Bordnetz und Brennraumkühlung durch Wassereinspritzung in die Brennräume genannt. Wie gesagt, sollten wir GRÜNEN auch mal darüber sprechen.

    Liebe GRÜNE Grüße
    Roland

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Lieber Roland,
      der Strom wird zunehmend erneuerbar erzeugt und wir Grüne streiten für den Kohleausstieg. Also passt das ökologisch betrachtet gut zusammen. Die ersten Windräder haben ökologisch auch keinen Sinn gemacht, der Nutzen entstand erst durch Weiterentwicklungen und Effizienzsteigerungen. So wird das mit dem E-Auto auch sein. Noch ein Hinweis: Die bloße Umstellung von Verbrenner- auf E-Auto wäre zu kurz gesprungen. Das E-Auto ist Teil einer Gesamtstrategie, zu der der Ausbau des ÖV und Radverkehrs gehören. Und es geht technologisch nicht ausschließlich nicht ausschließlich um E-Fahrzeuge, sondern perspektivisch sind auch Power-to-Gas-Fahrzeuge sehr spannend. Aber aus der fossilen Verbrennungstechnologie müssen wir raus, davon bin ich überzeugt. Sonst werden Klimaschutzziele nicht erreicht und wir verschwenden noch mehr an nicht nachwachsenden Ressourcen.
      Viele Grüße
      Matthias

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