Brief an die DB: Ideen für die Zukunft des Nachtzuges

CNL 1  

04.03.2015

 

In einem offenen Brief an die Deutsche Bahn AG habe ich Ideen für die Zukunft des Nachtzugverkehrs zusammen gefasst.

 

 

 

 

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die DB arbeitet derzeit an einem Konzept für die Zukunft des Nachtzuges. Dieses Konzept kommt spät – aber immerhin, es kommt. Wie Sie wissen, setze ich mich für die Zukunft des Nachtzuges ein. Neue, innovative Ideen sind gefragt. Teilweise muss sich dieses Fernverkehrssegment neu erfinden. Es muss neben dem Flugverkehr und der neuen Konkurrenz durch den Fernbus, der auch immer häufiger nachts unterwegs ist, bestehen können. Ich bin sicher, dass es dafür ein ausreichendes Fahrgastpotential gibt: Einzelreisende Geschäftskunden, Städtetouristen, Familien (häufig mit Fahrrädern oder Ski). Diesen Gruppen ein attraktives Angebot zu machen muss Ziel des Nachtzug-Konzeptes sein.   Nach unzähligen Gesprächen, Fachveranstaltungen und der Auswertung von Studien habe ich in diesem Brief, den ich als offenen Brief verstehe, Ideen für ein Nachtzug-Konzept zusammengetragen, die ich für überlegenswert halte. Ich freue mich, wenn Sie diese Ansätze in Ihre konzeptionelle Arbeit einfließen lassen.

  1. Es ist klar, dass es ohne neues Wagenmaterial oder die grundlegende Sanierung der vorhandenen Züge in spätestens zehn Jahren keine Nachtzüge mehr geben wird.
  2. Synergien mit dem Tageszugverkehr sollten genutzt werden. Verlängerte Zugläufe bis hin zur Freigabe von Platzbuchungen auf Teilstrecken im Berufsverkehr sollten überprüft werden.
  3. Eine Einbindung des Nachtzuges in den Hochgeschwindigkeitsverkehr erlaubt völlig neue innereuropäische Verbindungen und erschließt damit ein Fahrgastpotential, das bisher weitgehend dem Flugzeug vorbehalten ist. Zwischen Peking und Shanghai verkehrt bereits ein solcher Zug, der von Bombardier gebaut wurde.
  4. Das neue Nachtzugkonzept muss mehr sein als ein Mobilitätsangebot. Es muss sich viel stärker als bisher an dem orientieren, was Reisende von Hotelaufenthalten kennen. Dazu zählen ein gastronomisches Angebot, bequeme Betten, mehr Zimmer mit WC und Dusche. Der Nachtzug der Zukunft ist ein rollendes Hotel.
  5. Es müssten in Zukunft mehr ein- und zwei-Personen-Abteile angeboten werden.
  6. Die Öffnungszeiten der DB-Lounges in den Bahnhöfen sind an die Abfahrts- und Ankunftszeiten der Nachtzüge anzupassen. Denn häufig sind vor der Abfahrt oder nach Ankunft der Nachtzüge Wartezeiten zu überbrücken, die komfortabel zu gestalten sind – ähnlich dem Ein- und Auschecken im Hotel.
  7. In den Nachtzügen ist der Internetzugang durch WLAN zu ermöglichen.
  8. Dass ein neues Nachtzugkonzept nur unter der Perspektive der Wirtschaftlichkeit umgesetzt werden kann ist nachvollziehbar. In einer solchen Wirtschaftlichkeitsberechnung muss dann aber auch berücksichtigt werden, dass viele Nachtzugkunden für einen Teil ihrer Reise oder für den Hin- oder Rückweg einen Tageszug nutzen. Dies bedeutet also, dass bei einem Wegfall von Nachtzügen viele Fahrgäste auf das Flugzeug oder den Fernbus umsteigen würden und das Geschäftsfeld des Fernverkehrs der DB insgesamt Verluste erleiden würde. Zumal die DB selber nicht davon ausgeht, dass im Falle eines Wegfalls der Nachtzüge ein großer Teil der bisherigen Nutzer auf den Tageszug umsteigen würde.

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