Brief an Flughafen: Bus und Bahn statt noch mehr Autos

Der Landesflughafen vom Tower in Bernhausen aus fotografiert.

25.07.2018

Geplante Er­wei­te­rung der Flughafenparkierungsflächen

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesem (öffentlichen) Brief wende ich mich in einigen Verkehrsangelegenheiten, die in gewissen Zusammen­hängen stehen, an Sie.

Die Flughafengesellschaft hat ein Konzept für die Erweiterung der öffentlichen Flughafenparkierung um 2.203 Stellplätze vorgelegt (siehe Presseartikel und Sitzungs­vorlage 49/2018 der Stadt Leinfelden-Echter­dingen). Im Bereich des Flughafens, also inklusive des Messegeländes, stehen aktuell über 22.000 Stellplätze zur Verfügung. In Relation zur Anzahl der Fluggäste ist dies deutlich mehr als beispielsweise in Frankfurt, Hamburg und München. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen stellt denn auch eine „großzügige Stellplatzausstattung“ am Flughafen Stuttgart fest und verweist dabei auf eine Bedarfsberechnung von Bender und Stahl, die diese Auffassung stützt.

Die Notwendigkeit einer Ausweitung der Stellplatzangebote muss aus meiner Sicht auch deshalb in Zweifel gezogen werden, weil sich die Anbindung des Flughafens mit öffentlichen Verkehrsmitteln bereits verbessert hat (S-Bahnanschluss, Buslinien 122 und X10) und in den kommenden Jahren weiter deutlich verbessern wird (Taktverdichtung der Buslinie X10, neuer Stadtbahn­anschluss, Bahnhalt an der Neubaustrecke Stuttgart – Ulm mit Einschleifungen auf/in Richtung Tübingen/Reut­lingen/Nürtingen). Eine Taktverdichtung bei der S-Bahnlinie S2 aus/in Richtung Neuhausen/Filderstadt scheint ebenfalls möglich zu sein.

Sollten Flughafen und Landesmesse mit einem Aufwand von rund 100 Millionen Euro neue Stellplätze schaffen, so entspricht dies dem Wert von mehr als 45.000 Jahresnetzkarten des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS). Auch wenn der Vergleich hinken mag: Wenn der Flughafen nicht zusätzliche Anreize für die Anfahrt mit dem Auto setzen möchte, so sollte er sich auf die vorhandenen Stellplätze beschränken und konsequent auf weitere Verbesserungen für die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und für die Beschäftigten auch mit dem Fahrrad setzen. Hierfür sehe ich einige Ansätze, die ich gerne mit Ihnen in einem Gespräch erörtern möchte:

Stuttgart 21

Die geplanten beiden neuen Bahnhöfe machen mir u. a. wegen der komplizierten Baustellenlogistik Sorgen. Meine Befürchtung ist, dass die S-Bahn-Anbindung während der Bauphase massiv leidet und es länger als bisher vorgesehen zu kompletten Einstellungen des Bahnverkehrs kommen wird. Ich wünsche mir eine Flughafengesellschaft, die für mögliche Ideen zur Änderung der Planungen seitens der Deutschen Bahn und von anderen Seiten offen ist, um diese Konflikte bestmöglich zu vermeiden.

Expressbus X10 (Kirchheim – Flughafen)

Die jüngst vorgelegten Fahrgastzahlen belegen leider meinen persönlichen Eindruck als Nutzer dieses Busses, dass die neue Linie nicht gut ausgelastet ist. Wir sollten uns mit den Gründen und möglichen Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität befassen. Ein Ansatzpunkt kann sein, dass die Lage der Haltestelle und die Gestaltung des Fußweges von/zum Terminal überprüft wird. Für unbedingt erforderlich halte ich die Bevorrechtigung der Busse an dem Ampeln auf dem Flughafenareal und der gesamten Strecke zwischen Kirchheim und dem Flughafen (diesbezüglich bin ich bereits mit dem VRS als Aufgabenträger im Gespräch).

Taktverdichtung S-Bahn

Eine Verdichtung bei der S-Bahn von/nach Filderstadt und zukünftig nach Neuhausen auf einen Viertelstundentakt scheint möglich zu sein. Ich freue mich, wenn die FSG dies unterstützt.

Verbesserungen für den Radverkehr

Insbesondere für die am Flughafen Beschäftigten sollte die Radverkehrsanbindung verbessert werden. Dabei denke ich auch daran, nach Möglichkeiten für eine Verbreiterung des Flughafentunnels zu suchen. Diesbezüglich standen wir inkl. des Landes-Verkehrsministeriums ja bereits im brieflichen Austausch.

Zusammenfassend stelle ich fest, dass es verkehrliche Handlungsfelder gibt, die zu diskutieren mir lohnenswerter erscheinen als der Bau weiterer Kfz-Stellplätze. Darüber möchte ich mich gerne in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen austauschen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Gastel

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