DB drückt sich vor Qualitätsstandards an Bahnhöfen

Aufzug Hauptbahnhof 407.08.2015

Überfüllte Mülleimer, kaputte Anzeigetafeln, defekte Aufzüge oder Rolltreppen: Viele Bahnreisende ärgern sich über die Zustände an Bahnhöfen. Dabei ist jeder Bahnhof als Zugang zum öffentlichen Schienenverkehr oftmals auch das Tor zur Stadt und damit Visitenkarte des Verkehrsmittels Bahn und des Ortes.

 

Das Problem hinter dem Problem: Die Aufgabenträger bestellen den Nah- und Regionalverkehr und zahlen letztlich auch für jeden Halt des von ihnen bestellten Zuges eine Stationsgebühr. Die Bahnhöfe befinden sich in der Hand von DB Station & Service. Jedoch schließen die Aufgabenträger (das sind die Bundesländer; in der Region Stuttgart auf den Verband Region Stuttgart übertragen) ihren Vertrag nicht mit Station & Service, sondern mit dem Eisenbahnverkehrsunternehmen (bspw. DB Regio). Der Aufgabenträger zahlt also, kann aber keinen direkten Einfluss auf die dafür zu erwartenden Leistungen nehmen. In den Stationsnutzungsvereinbarungen der DB sind die zu erbringenden Leistungen nicht bzw. unzureichend definiert. Daher hatte es Bemühungen gegeben, DB Station & Service zu Konkretisierungen zu bewegen. Die Bahngesellschaft hat daran zunächst mitgewirkt, ist dann aber ausgestiegen. Ein Skandal! Jetzt ist die Politik gefordert. Sie muss entweder die DB dazu drängen, ihre Vertragsbedingungen zu konkretisieren oder es muss gesetzlich eingegriffen werden.

Mir geht es auch um das optische Erscheinungsbild von Bahnhöfen. Aber nicht nur: Immer wichtiger wird, dass Menschen mit Behinderung barrierefrei mobil sein können. Wochen- und manchmal sogar monatelange Ausfälle von Rolltreppen und Fahrstühlen sind nicht mehr länger hinzunehmen. Die Betreiber von Bahnhöfen müssen von der Politik endlich gezwungen werden, die erwartete Qualität, für die ja schließlich bezahlt wird, auch zu gewährleisten!

Hier geht’s zum ausführlichen Papier, in dem ich die rechtlichen Hintergründe und die möglichen politischen Handlungsoptionen erläutere: Personenbahnhöfe Qualität sichern_4.8.2015

 

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Kommentare zu “DB drückt sich vor Qualitätsstandards an Bahnhöfen

  1. Ralph Gutschmidt Reply

    Und der Witz auf dem Foto ist, die wissen nicht mal, wie man “außer Betrieb” schreibt.

  2. Michael André Reply

    Beispiel Krefeld HBF: Dort werden seit nunmehr anderthalb Jahren die Bahnsteige saniert. Drei Bahnsteige, die neu plattiert werden müssen. Und noch immer ist kein Ende abzusehen. Der Bahnsteig eins, dort wo die Arbeiten ihren Anfang nahmen, ist immer noch ein Torso. Verbarrikadiert mit unzähligen rot-weißen Absperrgittern. Und das nur, weil irgendwelche Abdichtungen zur Bahnhofshalle nicht ausgeführt werden.
    Diese endlose Baustellen-Geschichte wirft ein bezeichnendes Bild auf die schlechten Verträge, die die DB Station & Service mit ihren Subunternehmern schließt. Die Arbeiten ruhen immer wieder wochenlang, weil die Baufirma ihre Arbeiter abzieht und mutmaßlich anderweitig einsetzt. Konventionalstrafen haben diese Firmen offenbar nicht zu fürchten, weil Sanktionen in ihren Verträgen mit der Bahn gar nicht erst vorgesehen sind. Hauptsache, man gewinnt die Ausschreibung. Die Ausführung ist dann zweitrangig. Die dauerhaft Leidtragenden sind die Pendler der Deutschen Bahn und der Nordwestbahn.

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Danke für den Bericht aus der Praxis. Die Bundesnetzagentur hat das Baustellenmanagement der DB in letzter Zeit mehrfach kritisiert und Verschlechterungen angeprangert. Dies ist vor dem Hintergrund, dass mehr Geld in die Infrastruktur fließen muss und fließt besonders problematisch. Die Baustellen müssen besser aufeinander abgestimmt und besser gemanagt werden.

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