„Der deutsche Mini-Tesla“

Probesitzen im Showroom.

30.08.2018

Werksbesuch bei e.GO

Auf dem ehemaligen Philipps-Gelände entstanden die Montage-, Logistik- und Büroflächen des im Jahr 2015 gegründeten Start-Ups. Die „Industrie 4.0-Vorzeigefabrik“ wurde jüngst für 30 Millionen Euro fertiggestellt. Zu Jahresbeginn 2019 werden die ersten der „deutschen Mini-Teslas“ (so die Berliner Morgenpost) ausgeliefert. 250 Beschäftigte hat das Unternehmen momentan.

Hergestellt werden drei Modelle, alle ausgestattet mit Lithium-Ionen-Akkus:

Den e.GO Life gibt es in drei Versionen mit Reichweiten von 104, 124 und 158 Kilometer und Höchstgeschwindigkeiten von 116, 130 und 152 Stundenkilometer. Die Verbräuche liegen bei rund 12 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Alle Versionen sind Viersitzer. Der Preis liegt bei 16.000 bis 20.000 Euro inklusive Akku. Der Elektromotor wird von Bosch zugeliefert. Die Kapazität der Fabrik liegt bei 10.000 e.GO pro Jahr und könnte, so unser Gesprächspartner bei e.GO, mittelfristig auf 20.000 erhöht werden. Die Serienfertigung startet im Januar.

Der Unternehmensgründer benannte gegenüber der Presse ein „halbes Dutzend an Unterscheidungsmerkmalen zur Automobilindustrie“. So wird der Fahrzeugrahmen aus standardisierten Aluminium-Profilen gefertigt und die Außenhaut besteht aus eingefärbtem Kunststoff statt einer Lackierung. Die Entwicklung habe kaum mehr gekostet als die Entwicklung eines Hightech-Scheinwerfers für den neuen Fünfer-BMW.

Der e.GO Mover ist ein Kleinbus eines Gemeinschaftsprojektes mit ZF Friedrichshafen, der mit bis zu 10 Sitz- und 5 Stehplätzen ausgestaltet werden kann und dessen Einsatzdauer mit bis zu 10 Stunden angegeben wird. Die Serienproduktion soll Ende 2019 starten. Eine Version, die sich auch als Handwerkerfahrzeug anbietet, soll noch im Laufe des Jahres 2019 erscheinen (so war es in der Presse zu lesen). Für die Produktion größerer Stückzahlen soll in Aachen ein neues Werk errichtet werden, in dem 15.000 Kleinbusse pro Jahr gebaut werden können.

Das e.GO Kart kombiniert die Form eines vierrädrigen Karts mit der elektrischen Unterstützung eines Pedelecs und gilt als Fahrrad. Dieses Fahrzeug wird für 4.000 Euro verkauft. Der Motor stammt von Bosch, die Batteriezellen werden in Korea eingekauft und auf dem Werksgelände in Aachen zu Akkus verbaut.

Unser Lokaltermin begann nach einer kurzen Begrüßung durch einen Unternehmensvertreter mit einem Rundgang durch die Produktion. Serielle Fertigungen gab es noch keine, wir sahen Arbeit an Unikaten und Versuchsfahrzeugen. Darunter befanden sich verschiedenste Kleinfahrzeuge, vom Lastenrad bis hin zum umgebauten Golfmobil, für die Erprobung durch die Deutsche Post. Auch ein autonom fahrender Werkzeugwagen, der immer dorthin fährt, wo er gerade gebraucht wird, war zu sehen. Ebenso bekamen wir einen 3D-Drucker gezeigt, mit dem Teile für die Vorserie und Formen hergestellt werden. Auf der Werkhalle befindet sich eine große Photovoltaik-Anlage, die den Strombedarf deckt.

Im Gespräch mit dem Unternehmensvertreter ging es dann vor allem um den e.GO Life, der als „Stadtauto“ beworben wird, das beispielsweise als Zweitwagen und für Pflegedienste interessant sein dürfte. Für Langstrecken seien Hybrid- oder Brennstoffzellenfahrzeuge geeigneter, wurde uns erklärt. Interessant fand ich die Aussage, dass über viele Jahre nach und nach immer mehr Knowhow von den großen, etablierten Automobilherstellern zu den Zulieferern abgewandert sei. Dies mache es Neueinsteigern im Automobilbereich deutlich einfacher, da sie weniger eigene Entwicklungsarbeit leisten müssten und mit begrenztem Kapital loslegen könnten. Wir haben auch den Umgang mit ausgedienten Akkus angesprochen. Die (vorläufige und unvollständige) Lösung sieht so aus, dass die Akkus, wenn sie auf 80 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung abgefallen sind, in Haushalten mit PV-Anlagen als Speicher zum Einsatz kommen. Recycling (stoffliche Trennung und Verwertung) funktioniere momentan aufgrund der auf dem Gesamtmarkt geringen Stückzahlen noch nicht. Die Bezahlung der wachsenden Belegschaft erfolge „über dem IG Metall-Tarif“.

Für den e.GO Life liegen inzwischen 3.000 Vorbestellungen vor. Einige der Käuferinnen und Käufer waren bei unserm Unternehmensbesuch dabei. Ich bin gespannt, was sie über ihre neuen Fahrzeuge berichten werden, wenn sie diese in einigen Monaten ausgeliefert bekommen haben werden …

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