E-Bus im Praxistest

13.05.2017

Zu Besuch bei OVA in Aalen

In Aalen ist seit vier Monaten ein E-Bus im städtischen Linienverkehr im Einsatz. Ich habe eine kleine Probefahrt unternommen und mich mit dem Busunternehmen ausgetauscht.

Aalen ist eine Kleinstadt mit knapp 70.000 Einwohner*innen, etwa 70 Kilometer östlich von Stuttgart am Rande der östlichen Alb gelegen. Seit Jahresbeginn ist beim örtlichen Busunternehmen OVA, das mit 30 Fahrzeugen (darunter Doppelstockbusse) den städtischen und Teile des regionalen Busverkehrs fährt, ein E-Bus im Einsatz. Es handelt sich um einen Bus von Sileo, einem deutschen Hersteller aus Salzgitter, der sich auf E-Busse spezialisiert hat. Das Fahrzeug ist 12 Meter lang und bietet 38 Sitz- und 41 Stehplätze. Die beiden Elektromotoren werden von einer 230 kWh-Batterie angetrieben, die sich auf dem Dach des niederflurigen Busses befindet. Der Hersteller garantiert eine Reichweite von 200 Kilometern, die nach den bisherigen Erfahrungen der beiden OVA-Geschäftsführer Ulrich und Peter Rau durchaus realistisch ist. Die längste der bisher ohne eine Zwischenladung gefahrene Strecke war 213 Kilometer lang. Dafür ist die Höchstgeschwindigkeit allerdings auf 75 Stundenkilometer begrenzt – was für den Stadtverkehr ausreicht. Streckenverlängernd wirkt auch die Rekuperation (Stromgewinnung bei Bremsvorgängen). Da der Bus im Stadtverkehr unterwegs ist reicht es aus, die Batterien ausschließlich nachts zu laden. Der Service des Herstellers wird trotz der Entfernung zwischen den beiden Unternehmenssitzen und dem Fehlen regionaler Außendienststrukturen als sehr gut beschrieben. Die Verfügbarkeit des E-Busses war bislang deutlich geringer als vorgesehen. Dazu haben vor allem Probleme mit der Türschließtechnik beigetragen und weniger Aspekte, die mit dem elektrischen Antrieb in Verbindung stehen.

Zu den Anschaffungs- und Betriebskosten: Der Bus hat 480.000 € gekostet. Davon wurden 140.000 Euro vom Land übernommen. In den Stromanschluss und das Ladegerät auf dem Betriebsgelände wurden 21.000 Euro investiert. An Energiekosten sollen gegenüber Dieselkosten etwa 5.000 bis 6.000 Euro jährlich eingespart werden. Hinzu kommen geringere Wartungskosten, die sich noch nicht beziffern lassen. Ein Risiko stellt der unklare Restwert des Busses in einigen Jahren dar. Dies alles führt dazu, dass OVA momentan (noch) keine Anschaffung weiterer E-, sehr wohl aber von Diesel-Bussen plant. OVA wartet gespannt darauf, dass Elektrobusse endlich in Serie und dann hoffentlich zu niedrigeren Anschaffungskosten produziert werden.

Angaben zu OVA: Das Unternehmen hat knapp über 100 Beschäftigte. Die Ausbildungsquote ist mit über 10 Prozent sehr gut. Ausgebildet werden Busfahrer, Mechatroniker, Bürokaufleute und Touristikkaufleute. Besonders bei den Busfahrern und den Mechatronikern (gefordert sind Mathekenntnisse) werden Auszubildende und Fachkräfte gesucht. Bezahlt wird nach dem WBO-Tarifvertrag.

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