Flüchtlinge werden zu begehrten Pflegefachkräften

12.12.2016anhang1

In Kirchheim wurde der erste Ausbildungskurs für Flüchtlinge in der Altenpflege eingerichtet

Als ich das in der Zeitung las war klar: Den will ich besuchen! Gemeint ist der erste Ausbildungskurs für Flüchtlinge in der Altenpflege. Wegen des hohen Anteils an Deutschunterricht beträgt die Ausbildungsdauer vier statt sonst drei Jahre.

Seit sechs Jahren bildet die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA) in der Altenpflege aus. Im September 2016 ging es mit einem ganz besonderen Kurs los. Bevor dieser startete, wurde ein umfangreiches Auswahlverfahren durchgeführt. Aus 100 Berwerber*innen wurden 20 ausgewählt, deren Sprachkenntnisse ausreichend fortgeschritten waren und die von ihrer Persönlichkeit und ihrer Motivation geeignet erschienen. Nach über drei Monaten sind noch alle an Bord – in der Altenpflegeausbildung ist das eher ungewöhnlich. Ungewöhnlich für den Sozialbereich ist auch die Geschlechterverteilung: 14 Männer und 6 Frauen. Die meisten kommen aus schwarzafrikanischen Ländern. Das Ziel des Kurses ist es, in vier Jahren examinierte Pflegefachkräfte auszubilden. Nach zwei Jahren (normalerweise bereits nach einem Jahr) stehen die Helferprüfungen an. Die Hürden bis dahin sind vielfältig: Im Vordergrund steht der Spracherwerb. Die Hälfte der Unterrichtsstunden erfolgt im Fach Deutsch. Die anderen Fächer sind pflegetypisch, vor allem Hygiene- und Pflegelehre sowie Prophylaxe. Der Unterricht erfolgt ausschließlich in deutscher Sprache. Doch die meisten Unterkünfte, in denen die Flüchtlinge leben, bieten aufgrund ihrer räumlichen Enge kaum Platz fürs (ruhige) Lernen. Alle Flüchtlinge sind (noch) nicht anerkannt. Manche haben Angst, trotz laufender Ausbildung in einem Mangelberuf abgeschoben zu werden. Die praktischen Ausbildungsteile erfolgen – wie in der dualen Ausbildung üblich – bei Kooperationspartnern, überwiegend in Alten- und Pflegeheimen. Im Gespräch mit der Schulleiterin sprachen wir auch über die Akzeptanz dunkelhäutiger Pfleger durch die Pflegebedürftigen (nur in Einzelfällen gibt es demnach Ablehnung), die Beschäftigung muslimischer Pflegeschüler in Heimen in kirchlicher Trägerschaft (keine Probleme) und die politischen Pläne für die Generalisierung der Pflegeausbildung (Unterstützung unter der Voraussetzung, dass die Helfer-Ausbildung aufgewertet wird).

Mein Besuch in der Ausbildungsklasse wurde von den Schülerinnen und Schülern für viele Fragen an mich und lebhafte Diskussionen genutzt. „Was bedeutet für Sie Freiheit?“, „Was machen die Grünen für die Gleichberechtigung der Frauen?“, „Wie hat sich das Ansehen Deutschlands in anderen Ländern durch die vielen Flüchtlinge verändert?“ und „Wann wird es genügend Wohnungen geben?“ lauteten nur einige der vielen Fragen.

Verabschiedet wurde ich vom spontan durch die Schüler*innen angestimmten deutschen Volkslied „Froh zu sein bedarf es wenig“. Dass Singen fest im Ausbildungskonzept verankert ist ließ sich deutlich hören …

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