Für Innovationen statt deutlicher Tariferhöhungen im Taxigewerbe

02.05.2017, ergänzt am 14.05.2017

Kein Grund für höhere Taxipreise in Stuttgart

Eine vergleichende Analyse des Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel kommt zum Ergebnis, dass Stuttgart die dritthöchsten Preise unter den deutschen Großstädten hat. Zur angekündigten Tariferhöhung des Taxigewerbes in Stuttgart sowie Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt erklärt Matthias Gastel, MdB aus Filderstadt und Mitglied des Verkehrsausschusses:

„Nur immer weiter an der Preisschraube zu drehen, bringt das Taxigewerbe langfristig nicht auf einen grünen Zweig. Die saftige Preiserhöhung ist nicht gerechtfertigt, denn Stuttgart hat bereits die dritthöchsten Tarife unter den 12 größten Städten Deutschlands. Zudem ist der Service des Stuttgarter Taxigewerbes nicht auf der Höhe der Zeit. So ist im Gegensatz zu vielen anderen Städten die Zahlung mit EC-Karte meist nicht möglich.

Nicht Preissteigerungen, sondern Maßnahmen im Interesse der Kunden sind nötig, damit das Taxigewerbe den Teufelskreis von geringer Auslastung und sinkenden Einnahmen durchbricht. Der Fahrgast bezahlt aktuell nur zu einem geringen Teil für seine eigene Fahrt und zu einem Großteil für Leerfahrten und lange Wartezeiten der Taxifahrer zwischen den Fahrten. Oberstes Ziel müssen daher Effizienzsteigerungen, eine höhere Auslastung und mehr Fahrgäste sein. Um langfristig erfolgreich zu sein, muss sich das Taxigewerbe weiterentwickeln und sich für Veränderungen im Interesse der Fahrgäste öffnen. Hierzu zählen beispielsweise die gebührenfreie Bezahlung mit EC-Karte.

Der Gesetzgeber muss für faire und zeitgemäße Rahmenbedingen sorgen und die Chancen der Digitalisierung zum Zuge kommen lassen. Das Personenbeförderungsgesetz muss an die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen sowie den aktuellen Stand der Technik angepasst werden. Um neuen Beförderungsangeboten den Einstieg zu erleichtern, sollte die Experimentierklausel des Gesetzes ausgeweitet werden. Durch Taxi-Sharing können sich die Fahrtkosten für den einzelnen Fahrgast um bis zu 40 Prozent verringern.

Ich bin überzeugt: Mit neuen Ideen lassen sich neue Fahrgäste für das öffentliche Verkehrsmittel Taxi gewinnen und bessere Einkommensperspektiven für viele Taxifahrer eröffnen.“

Hier geht es zu den Ergebnissen der Analyse der Taxitarife in deutschen Großstädten:

Übersichtstabelle Taxipreise März 2017

Interessant ist übrigens, dass in Hamburg die von den Behörden vorgeschlagene Tariferhöhung ausgerechnet durch die Taxibranche abgelehnt wird: “Die Tarifanhebung ist überzogen und durch wirtschaftliche Notwendigkeit nicht zu begründen. Es ist zudem zu befürchten, dass viele Kunden jetzt auf den öffentlichen Nahverkehr oder auf Anbieter wie zum Beispiel Car2Go umsteigen”, wird ein Branchenvertreter im Hamburger Abendblatt zitiert.

Hintergrundinformation zum Personenbeförderungsgesetz:

Hinsichtlich der Regulierung des Taximarktes wurde das PBefG jahrzehntelang nicht angepasst. Die im PBefG enthaltene Experimentierklausel ermöglicht zwar vier Jahre lange Testphasen, aber im Anschluss ist weder eine Evaluation des Experiments noch eine Möglichkeit der Verlängerung bzw. Daueranwendung von Modellversuchen vorgesehen. Dies sollte dringend geändert werden, um Innovationen zu fördern und die Anreize Neues auszuprobieren zu erhöhen.

 

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