Gespräch mit Aleviten über die Lage in der Türkei

18.09.2017

Angst vor Reisen ins Herkunftsland

Die aktuelle Lage in der Türkei war das Hauptthema im Gespräch mit Mitgliedern der alevitischen Gemeinde Nürtingen.

Dabei standen die Lage der Menschenrechte und insbesondere der Minderheiten in der Türkei im Mittelpunkt. Als erstes fragte ich, ob sich meine Gesprächspartner auch in diesem Jahr trotz der schwierigen Lage zum Urlaub in die Türkei getraut haben. Ein Mann antwortete, dass „wenn man den Mund hält“ man reisen könne. Andere haben aus Angst auf Reisen in die Türkei verzichtet – so beispielsweise, weil man sich im Notfall der Hilfe durch die Polizei nicht sicher sein könnte. Von Repressionen bei der Einreise konnten fast alle berichten. So würden Einreisende, deren Geburtsort in der Türkei als alevitische Hochburgen gelten, aufgehalten und müssten häufig stundenlang warten, bis sie einreisen dürften.

Wie steht es um die Religionsausübung in der Türkei? Mir wird berichtet, dass diese teilweise einfacher geworden sei, aber vom Ermessen und der Beliebigkeit des Präsidenten abhänge und man Angst habe, dass die Rechte jederzeit wieder stärker eingeschränkt würden. Anerkannt seien die Aleviten in der Türkei nach wie vor nicht als Religionsgemeinschaft.

Und wie hat sich das Verhältnis zu den Türken in Deutschland entwickelt, die keine Aleviten sind und Erdogans Kurs verteidigen? „Seit den Wahlen ist es schwieriger geworden“ und „Man geht sich aus dem Weg. Am Arbeitsplatz bespricht man das Notwendige, aber nicht mehr“ bekam ich zu hören. Eine ältere Alevitin berichtet, türkische (sie spricht von sunnitischen) Nachbarn hätten ihren Kindern verboten, mit ihren Enkelkindern zu spielen.

Wir diskutieren darüber, ob sich der Teil der islamischen Strömungen, aus dem die Unterdrückung der Frauen und Gewalt bis hin zum Terror hervorgeht, reformieren lässt. Einige sind sicher, dass dies geschehen wird. Andere sind da skeptischer oder rechnen mit sehr langen Zeiträumen.

Die Position der Grünen und auch meine persönliche: Den Druck auf die Türkei erhöhen, keine Bürgschaften mehr für Exporte in die Türkei, Beitrittsverhandlungen aussetzen (aber nicht abbrechen, denn der Dialog bleibt wichtig!) und Rüstungsexporte einstellen.

 

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