Managergehälter begrenzen!

16.02.2017

Mit einem Gesetzentwurf wollen die Grünen im Bundestag überzogenen Managergehältern und Abfindungen zu Leibe rücken. An konkreten Beispielen für die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes mangelt es leider nicht.

Nach 13 Monaten einen Konzern verlassen und dafür eine Abfindung in Höhe von zwei Jahresgehältern kassieren? So geschah es bei VW-Vorständin Christine Hohmann-Dennhardt, die zum Abschied 13 Millionen Euro mit auf den Weg bekam. Das Beispiel Winterkorn, der den VW-Konzern ins Chaos stürzte, sich aber über eine Rente von 3.100 Euro am Tag freuen darf, ging ebenfalls breit durch die Medien. Der Daimler-Chef kommt schon mal auf zehn Millionen Euro pro Jahr. Die Chefs deutscher Großunternehmen (mit mindestens 100.000 Beschäftigten) kommen auf ein Durchschnittsgehalt von immerhin noch 1,4 Millionen Euro. Im Einzelfall kann die Vergütung um mehr als den Faktor 100 über dem üblichen Lohn eines Facharbeiters liegen. Man kann sich lange darüber streiten, welche Bezahlungen noch angemessen und welche überzogen sind. Die genannten sind schlicht unanständig. Versuche, überhöhte Managergehälter mit freiwilligen Verpflichtungen wirksam zu begrenzen, sind gescheitert. Alle im Bundestag vertretenen Parteien sind sich daher einig, dass es nun einer gesetzlichen Begrenzung der Exzesse bedarf. Über den Weg dorthin gibt es unterschiedliche Ansätze. Die Bundestagsfraktion der Grünen hat einen Antrag eingebracht. Wir wollen den steuerlich wirksamen Betriebsausgabenabzug auf 500.000 Euro pro Person und Jahr (inklusive aller flexiblen Gehaltsbestandteile) begrenzen. Für Abfindungen soll dieser Betrag auf eine Million Euro festgesetzt werden. Wir sind gespannt, wie sich CDU/CSU und SPD verhalten. Werden sie einen eigenen Antrag vorlegen? Sicher ist nur: Wir brauchen eine Begrenzung von Auswüchsen!

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Kommentare zu “Managergehälter begrenzen!

  1. Matthias Restorff Reply

    Lieber Matthias,

    leider muss ich dir auch mal ein negatives Feedback geben. Der Antrag von K. Andreae greift viel zu kurz. Bei dieser Frage geht es meines Erachtens nicht nur um die steuerliche Absetzbarkeit der Managergehälter. Hier geht es um soziale Gerechtigkeit. Die SPD hat inzwischen, wie du sicher weißt, einen wesentlich fundierteren und weitgehenderen Antrag formuliert. Diese zurückhaltende grüne Politik hat uns in den letzten Monaten zu den schlechten Umfragewerten geführt. Dafür ist dieser Antrag ein Sinnbild. Wir verspielen unsere Glaubwürdigkeit mit einer solchen Politik der Anbiederung an die CDU/CSU. Ich jedenfalls stehe nicht hinter solchen Anträgen! Selbstverständlich würde man ihn als Abgeordneter NICHT ablehnen, aber ebenso wenig schlecht ist die Politik der Bundeskanzlerin. Die SPD bietet in diesem Fall die bessere Alternative … DAS IST SEHR TRAURIG!

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Lieber Matthias,
      danke für den Kommentar.
      Weshalb die SPD hier die bessere Alternative darstellen soll verstehe ich nicht. Die SPD war in der vergangenen Woche die Fraktion, die im Bundestag in dieser Sache am stärksten rumgeeiert hat. Sie hat nicht nur unseren Antrag abgelehnt (einen SPD-Antrag gab es nicht!), sondern es wurde auch deutlich, dass sie ein großes Problem mit dem Thema hat. Das hat auch und vor allem mit der engen Verbindung mit dem Selbstbedienungsladen Volkswagen zu tun (VW-Vorständin Christine Hohmann-Dennhardt, die zum Abschied 13 Millionen Euro erhielt, ist dazu nur eines von mehreren Stichworten). Dadurch, dass über den nun vorgelegten Antrag der SPD so viel in den Medien berichtet wird, kann ein anderer Eindruck entstehen. Aus den Vorberatungen und der Plenardebatte kann ich Dir da aber ganz andere Eindrücke vermitteln.
      Viele Grüße, Matthias

      • Matthias Restorff Reply

        Lieber Matthias,
        herzlichen Dank für die zügige Rückmeldung.
        Mir ist klar, dass die SPD in der Vergangenheit keine sozialere Politik betrieben hat als Bündnis 90/DIE GRÜNEN. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich sehr verärgert über die Art und Weise bin, wie einzelne Grüne (u.a. B. Palmer und K. Andreae) in der jüngeren Vergangenheit das soziale Profil der Partei verkommen lassen und sich der Politik von A. Merkel angebiedert haben. Der oben genannte Antrag sowie B. Palmers Äußerungen zu Abschiebungen nach Afghanistan sind dabei nur die Spitze des Eisberges. So konnte es passieren, dass die SPD ihr soziales Profil wieder entdeckt hat und jetzt mit Themen reüssiert, die eigentlich auch unsere sein sollten.
        Mit nachhaltigem Gruß
        Matthias Restorff

        • Matthias Gastel
          Matthias Gastel Reply

          Lieber Matthias,
          ich kann die Kritik an unserem Antrag und das Teillob für die SPD nicht nachvollziehen. Schau doch mal nach Niedersachsen, dort wird die Heuchelei besonders deutlich: Die SPD hat im Bundestag erst unseren Antrag zur Begrenzung der Managergehälter abgelehnt und dann einen eigenen, sehr ähnlichen Antrag nachgeschoben. In Niedersachsen, wo die SPD faktisch den VW-Konzern beherrscht, möchte sie die Höhe der Managergehälter begrenzen – auf 10 Millionen Euro!!!! Der niedersächsische MP hat gestern Abend im Fernsehen verkündet, man werde die variablen, erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteile kürzen und die Öffentlichkeit habe bestimmt Verständnis dafür, dass dafür die Fixgehälter der Vorstände angehoben werden müssten. Pure Heuchelei! Ich finde es wichtig, dass wir das Thema “Gerechtigkeit” in unserer alltäglichen Arbeit wie auch im Wahlkampf in den Mittelpunkt stellen. Wir sollten aber nicht dieselben Antworten wie SPD oder Linke geben. Dazu habe ich mir bspw. hier einige Gedanken gemacht: http://www.matthias-gastel.de/was-macht-gruene-sozialpolitik-aus/#.WLPAb02QzIU
          Gruß Matthias

          • Matthias Restorff

            Lieber Matthias,

            an dieser Stelle möchte ich die Rede und Gegenrede nicht ausufern lassen, aber einen Hinweis kann ich mir doch nicht verkneifen: obwohl ich sicher kein SPD-Fan bin, sondern Grünen-Mitglied und jahrelanger Grünen-Aktivist, halte ich diesen aktuellen Antrag der Grünen-Bundestagsfraktion für nicht annähernd weitgehend genug. Ja, er zielt in die Richtung, die ich auch favorisiere, aber wird den Auswüchsen der Manager-Gehälter nicht annähernd gerecht, weil er lediglich die steuerliche Absetzbarkeit der Boni-Zahlungen einschränken will. Ich jedoch bin der Überzeugung, ebenso wie du es oben in deiner Kritik hast anklingen lassen, dass die exorbitanten Managergehälter insgesamt staatlicher Deckelung bedürfen. Es darf, meiner Ansicht nach, nicht sein, dass Manager das Zwanzigfache oder gar das Hundertfache von dem verdienen, was andere Angestellte oder Arbeiter des gleichen Unternehmens verdienen. Das steht in keinem Verhältnis zu ihrer Leistung! Hier bedarf es gesetzlicher Regelungen und die SPD ebenso wie Die Linke haben dazu bereits konkrete Vorschläge ausgearbeitet, die von der derzeitigen Grünen-Bundestagsfraktion NICHT vorliegen. Bitte nimm einfach zur Kenntnis, dass das Thema “Soziale Gerechtigkeit” von der derzeitigen Grünen-Spitze vernachlässigt wird. So empfinde ich das und aus grünen Kreisverbänden in Südwestdeutschland und von grünen Mitgliedern in anderen Bundesländern erhalte ich diese Rückmeldungen, die ich dir jetzt in sanfter Form gebe, schriftlich und mit ganz anderen Worten. Im Fokus der Kritik stehen B. Palmer, K. Göring-Eckardt, W. Kretschmann und damit fast die komplette Grünen-Führungsriege! Pass auf dich auf!

            Mit nachhaltigem Gruß
            Matthias

          • Matthias Gastel
            Matthias Gastel

            Lieber Matthias,
            eine schärfere Begrenzung der Höhe von Managerbezügen als über die steuerliche Abzugsfähigkeit ist höchstwahrscheinlich rechtlich nicht zulässig, da sie einen Eingriff in die Vertragsfreiheit darstellen würde. Dies ist die Meinung vieler Juristen. Daher haben wir uns zu einem Antrag entschlossen, der auf jeden Fall rechtlich wasserdicht ist und nach unserer Überzeugung dennoch seine Wirkung zeigen wird.
            Viele Grüße, Matthias

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