Mit dem Forschungsschiff auf dem Bodensee

27.05.2018

Von Plastikmüll, Wasserflöhen und eingewanderten Muscheln

An Bord eines Forschungsschiffes war ich zuvor noch nie. Die „Aldebaran“ machte es mir erstmals möglich – und vermittelte spannende Einblicke ins Ökosystem des Bodensees.

Dank der Baden-Württemberg-Stiftung machte das Forschungs- und Medienschiff „Aldebaran“ bereits zum dritten Mal am Bodensee Station. Gemeinsam mit Schülerinnen und einer Lehrerin eines Gymnasiums in Ellwangen, einem Zeitungsredakteur, einem Kamerateam des SWR und zwei Vertreterinnen der Grünen aus der Region durfte ich mit an Bord und mir die Forschungs- und Bildungsarbeit aus direkter Nähe anschauen. Die Aldebaran, 1986 gebaut und seit 1992 für die heutigen Zwecke im Einsatz, ist ein 14 Meter langes Segelschiff, das aufgrund seines geringen Tiefgangs von nur einem Meter besonders für Einsätze in Flach- und Küstengewässern von Flüssen, Seen und auf hoher See geeignet ist. Es kommt weltweit zum Einsatz. So lange es auf dem Bodensee unterwegs ist, führen insgesamt 20 Schülerteams ihr eigenes Projekt auf dem Schiff durch.

Das Schiff gewährt mit Unterstützung durch Unterwasserdrohnen, modernste Unterwasserkameratechnik und ein schiffseigenes Labor Einblicke in die Gewässerforschung. Themen sind beispielsweise die biologische Vielfalt, Wasserqualität, Plastikabfälle und Mikroplastik in Gewässern, Einfluss von Hormonen aus der Pille auf die Fortpflanzungsfähigkeit der Fische sowie Auswirkungen von eingewanderten Fischen wie dem Stichling auf die heimischen Tiere.

Leider konnten wir mangels Wind keine Segel setzen. Dafür konnten wir uns voll auf die Untersuchungen

Die Armleuchteralge kommt im Bodensee wieder vermehrt vor – ein Zeichen guter Wasserqualität.

konzentrieren. Wir fischten Algen aus dem Wasser und der Gewässerökologe Dr. Hannes Imhof von der Technischen Universität München bewertete das Vorkommen der Armleuchteralge als ein positives Zeichen für die Gewässergüte. Mit einem „Mantatrawl“, einer selbst konstruierten Siebkonstruktion, die hinter dem Schiff hergezogen wurde und das Oberflächenwasser bis zu einer Tiefe von etwa 20 Zentimetern filterte, lassen sich kleinste Teilchen aus dem Wasser filtern. Um Mikroplastik zu suchen hätte ein Labor hinzugezogen werden müssen, das es an Bord leider nicht gibt. Unter dem Mikroskop ließen sich aber verschiedene Arten von etwa zwei bis drei Millimeter kleinen Wasserflöhen beobachten. Da die Bilder auf dem großen Monitor sehr gut zu sehen waren, konnten alle die zappenden Minilebenwesen beobachten und erläutert bekommen.

Erstmals zum Einsatz kam die Unterwasserdrohne – und lieferte faszinierende Bilder der Pflanzenwelt und des Seegrundes, die sich live auf dem großen Bildschirm unter Deck des Schiffes verfolgen ließen.

Ein weiteres Thema waren die eingewanderten Arten wie die Stichlinge oder die sich „rasant vermehrende“ Quaggamuschel, die sich auf einheimischen Arten festsetzt und diese an der Filtration des Wassers behindert. Zugleich gibt es aber auch Seebewohner wie Enten, die sich am offenbar guten Geschmack des Eindringlings erfreuen.

Die Mitfahrt auf der „Aldebaran“ ermöglichten mir – und sicher nicht nur mir – interessante Einblicke in die Gewässerökologie und die Forschungsarbeit. Und es ist beruhigend zu wissen, dass die Qualität des Bodenseewassers inzwischen wieder gut ist. Immerhin beziehen einige Millionen Menschen ihr Trinkwasser aus dem See.

 

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