Schenker und Arriva: Sollte die DB veräußern

08.02.2019

Konzerntöchter schütten überraschend wenig Dividende aus

Immer wieder wird behauptet, die Deutsche Bahn und letztlich auch die Bahn in Deutschland profitiere von den Konzerntöchtern Arriva und Schenker. Jüngst veröffentlichte Zahlen belegen: Das ist ein Märchen.

Ich hatte die Bundesregierung gefragt, wie hoch in den letzten Jahren die Gewinnausschüttungen von DB Schenker und Arriva an die Deutsche Bahn AG waren. Die Antwort überraschte nicht nur mich: DB Schenker schüttete in den Jahren 2013 bis 2017 durchschnittlich gerade einmal 38,3 Millionen Euro aus. Die höchste Ausschüttung lag bei knapp 102 Millionen Euro, im Jahr 2017 gab es überhaupt keine. Noch krasser sah es bei Arriva aus: Es wurde überhaupt keine Dividende geleistet. Ein Experte, der sich regelmäßig mit den Bilanzen der DB befasst, war überrascht, dass die Bundesregierung mir meine Frage überhaupt beantwortete. Es bleibt festzuhalten: Die Gewinne der beiden Konzerntöchter kommen „der Schiene in Deutschland“ wenig bis überhaupt nicht zugute, weil davon im Konzern so gut wie nichts ankommt.

Bereits der Bundesrechnungshof hatte in seinem Bericht “Zur strukturellen Weiterentwicklung und Ausrichtung der DB AG am Bundesinteresse” sehr klare Einschätzungen getroffen:

“… die Schenker AG, bietet weltweit Güterverkehrs- und Logistikdienstleistungen
zu Lande, zu Wasser und in der Luft an. Letztlich trägt der Bund das wirtschaftliche Risiko dieser Geschäfte. Im Ergebnis ihrer Internationalisierungsstrategie ist die DB AG – und damit der Bund – heute unternehmerisch in mehr als 140 Ländern tätig.”

“Nicht benötigte Unternehmensteile sollten vollständig verkauft werden. Dies betrifft insbesondere die Arriva plc. und die Schenker AG. Die DB AG kann hierdurch mehrere Milliarden Euro erlösen, ihre eigene Finanzierungskraft für neue Züge u. ä. Investitionen stärken und ihr Geschäft im Sinne des Gewährleistungsauftrages auf die Eisenbahn in Deutschland konzentrieren.”

“Der Bundesrechnungshof sieht es kritisch, dass die Eisenbahn in Deutschland einerseits von Gewinnen im Ausland nicht profitiert, andererseits Risiken des internationalen unternehmerischen Handelns sich aber zulasten der Eisenbahn in Deutschland oder des Bundes auswirken.”

“Mit der Schenker AG ist die DB AG führend im europäischen Straßengüterverkehr. Die Schenker AG steht damit potenziell in Konkurrenz zum bahneigenen Schienengüterverkehr (DB Cargo AG).”

Die Einschätzungen des Bundesrechnungshofes teile ich. Die DB sollte mittelfristig die vollständige Veräußerung beider Tochterunternehmen in die Wege leiten. Die Erlöse werden vom hochverschuldeten Bahnkonzern dringend benötigt, um die zusätzlichen Fahrzeuge finanzieren zu können und einer weiteren Verschuldung Einhalt zu gebieten.

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Kommentare zu “Schenker und Arriva: Sollte die DB veräußern

  1. Albrecht Gaffga Reply

    Vielleicht kommt die Veräußerung eines Tages, aber nicht um die Bahn vorwärts zu bringen, sondern um Löcher wie bei S21 zu stopfen.

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Die DB hat kurzfristig drängendere Probleme, so die Finanzierung ihrer bestellten Züge. S 21 schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Bahnkonzern und muss, nachdem es nicht rechtzeitig gestoppt wurde, nun natürlich auch finanziert werden. Das wird aber nicht ohne den Bund funktionieren, so meine Einschätzung.

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