Studie: Viele Kleinmaßnahmen für mehr Güter auf der Schiene nötig

06.05.2019

Streckenelekrifizierungen zentrales Projekt

Welche Infrastruktur braucht es, um deutlich mehr Güterverkehr auf der Schiene statt auf der Straße zu transportieren? Damit befasst sich eine heute vorgestellte Studie.

Im Auftrag des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE) und des Verband der Güterwagenhalter in Deutschland (VPI) hat das renommierte Beratungsunternehmen kcw den Ausbaubedarf des Schienennetzes ermittelt. Als Ziel wurde die Verdoppelung des Schienengüterverkehrs (von heute 130 Mrd. Tonnenkilometern bzw. einem Verkehrsanteil von 18,6 Prozent) ausgegeben.

Interessant ist zunächst einmal die vernichtende Kritik an bisherigen Milliardeninvestitionen ins Schienennetz: Die letzte für den Schienengüterverkehr großräumig wirkende Maßnahme, die Neubaustrecke von Hannover bis Würzburg, liege inzwischen schon 28 Jahre zurück und sei nur teilweise nutzbar, da es Engpässe an beiden Enden der Strecke (Hannover – Bremen bzw. Würzburg – Nürnberg) gebe.

Die Gutachter analysierten die Engpässe im deutschen Schienennetz, die auch dann verbleiben, wenn die im Bedarfsplan (Schienenwegeausbaugesetz) vorgesehenen Ausbaumaßnahmen abgeschlossen sind. Dann wurde untersucht, welche Engpässe sich durch „Umrouting“, also die Nutzung von Alternativstrecken aufgrund eines entsprechenden Anreizsystems (bspw. niedrigere Trassenpreise) mit freien Kapazitäten, noch verbleiben. Ein Beispiel für eine Umrouting-Strecke ist die (partiell) ausgebaute) Gäubahn für den überlasteten Rheinkorridor, der bei realistischer Betrachtung erst zu einem späten Zeitpunkt ausgebaut sein wird – obwohl er bereits seit 1973 als „vordringlich“ eingestuft ist.

Insgesamt empfehlen die Gutachter 118 Einzelmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 7,25 Milliarden Euro. Ein Teil davon ist bereits im Bundesschienenwegeausbaugesetz vorgesehen. Damit verbleibt ein zusätzlich zu finanzierender Betrag in Höhe von 4,2 Milliarden Euro bis zum Jahr 2035. Die Maßnahmen im Einzelnen: Zwei Neubaustrecken über 15 Kilometer, 24 Ausbaustrecken (2. oder 3. Gleis), 25 Streckenelektrifizierungen, 16 Blockverdichtungen, 9 Verbindungskurven, 8 Kreuzungsbahnhöfe, 4 Überholbahnhöfe, 17 Verfädelungsstrecken („Beschleunigungsgleise“), 6 Überwerfungsbauwerke, 5 niveaufreie Bahnsteigzugänge sowie 2 Strecken mit Tunnelaufweitungen. Als eine besonders wichtige Maßnahme gilt die Schließung der 32 Kilometer langen Elektrifizierungslücke zwischen Öhringen und Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg), einer wichtigen Ost-West-Achse.

Entscheidend ist, dass die notwendigen Maßnahmen zügig und verlässlich finanziert werden. Die Studie ermittelte einen „zusätzlichen“ Finanzierungsbedarf in Höhe von 4,2 Milliarden Euro. Es muss allerdings dazu gesagt werden, dass die im Bedarfsplan als „vordringlich“ eingestufte Projekte noch keineswegs finanziert und deren Kosten überwiegend zu gering angesetzt sind. An der Finanzierung wird sich also zeigen, wie ernst es den Regierenden mit der Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene wirklich ist.

Hier geht es zur Studie: Studie_Bahn_Puenktlichkeit_im_Schienenverkehr

 

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