Vernetzte Lkw (Platooning) sind ein Irrweg

Mit Platooning werden die Lkw-Reihen dichter und das Ein- und Ausfädeln auf/von die Autobahnen wird erheblich schwerer. Die erhofften Kraftstoffeinsparungen bleiben hingegen weitgehend aus.

06.06.2019

Politik muss endlich mehr Güter auf Schiene verlagern

Wenn Lastwagen sehr dicht hintereinander herfahren soll Kraftstoff gespart werden. Doch die Idee funktioniert nicht – schon gar nicht in Deutschland.

Die Idee klingt zunächst logisch: Viele Lastwagen fahren auf der Autobahn in dichten Abständen im Windschatten hintereinander her. Mittels Digitaltechnik sind die Fahrzeuge verbunden, so dass sie immer den gleichen Abstand halten. Dies wurde bereits in den USA getestet. Das Ergebnis war ernüchternd. „Die Einsparungen fielen selbst unter optimalen Bedingungen in der Praxis geringer aus als erhofft“, berichtete der Daimler-Konzern, der das Prinzip mehrere Jahre mitgetestet hatte und nun ausgestiegen ist. Das Problem: Viele eng hintereinander herfahrende Lastwagen wirken auf der rechten Spur wie eine geschlossene Mauer. Um Fahrzeugen das Auf- und Abfahren zu ermöglichen, muss die Kolonne immer wieder unterbrochen werden. Anschließend beschleunigen die Lkw unter hohem Kraftstoffverbrauch wieder, um die Reihe zu schließen. Dies gilt in besonderer Weise im dicht besiedelten Deutschland. Hier liegen die Abstände zwischen zwei Anschlussstellen bei durchschnittlich 4,3 Kilometer. Da kann Bundesverkehrsminister Scheuer noch lange über „visionäre Forschungsprojekte“ schwadronieren. Er täte besser daran, endlich die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagert wird: Dazu sind beispielsweise der Ausbau der Infrastruktur (ausreichende Finanzierung der als vordringlich eingestuften Infrastrukturprojekte im Bedarfsplan, insbesondere Ausbau der Bahnknoten, 740-Meter-Netz für längere Güterzüge, Streckenelektrifizierungen etc.) sowie die Ausweitung der Lkw-Maut erforderlich.

Die Schweiz macht es vor: Dort liegt der Anteil der per Bahn transportierten Güter doppelt so hoch wie in Deutschland (37 statt knapp 19 Prozent). Vom Jahr 2000 bis 2018 konnte die Anzahl der alpenquerenden Lkw sogar um 33% verringert werden und auf einen Anteil der Bahn von 70 Prozent erhöht werden. Dazu hat die Schweiz beispielsweiseeine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe und Gewichtsgrenzen eingeführt.

 

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