Drei-Tages-Wanderung durch das Aichtal in den Kreis Böblingen – ein Rückblick

“Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.”
(Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter, 1749 – 1832)

21.08.2014

 

Rückblick auf meine Drei-Tages-Wanderung durch den Wahlkreis und meinen Betreuungswahlkreis Böblingen

(18. August bis 20. August 2014)

Rucksack

 

 

 

 

Meine beiden Wahlkreiswanderungen im Spätsommer 2013, die mich durch den Raum Nürtingen und Kirchheim unter Teck sowie hinauf auf die Schwäbische Alb führten, habe ich in allerbester Erinnerung behalten. Da lag es nahe, auf diese Erfahrungen aufzubauen. Diesmal lockte es mich von der Stadt Aichtal durch den Schönbuch nach Waldenbuch und Steinenbronn und über Böblingen und Sindelfingen nach Renningen und Malmsheim ins Heckengäu.

 

 

 

 

Entlang der Strecke, meist in Begleitung von Mitgliedern der Grünen-Ortsverbände, hatte ich für meine politische Arbeit interessante Programmpunkte geplant. Auf dem Baiersbachhof in Aichtal-Aich, einem landwirtschaftlichen Betrieb, der nach Bioland-Richtlinien wirtschaftet, ging es los. Mit dem Ehepaar Alber und deren Sohn tauschte ich mich über die Abgrenzung des biologischen zum konventionellen Landbau aus. Wenn ein konventioneller Landwirt beim Spritzen von Gift nicht aufpasst und ein benachbarter Bio-Acker davon etwas abbekommt droht die Sperrung der betroffenen Fläche. Daher sind die Biobauern an zusammenhängenden Flächen interessiert. Weitere Themen waren die Direktvermarktung (auf dem Baiersbachhof gibt es einen großen Hofladen mit reichhaltigem Sortiment) und die strengeren Tierschutzstandards in der biologischen Landwirtschaft. Tiere gibt es bei Albers zahlreiche: Schweine, Rinder, Puten – und vor allem Hühner für die Eier- und Fleischerzeugung. Sie alle haben Auslauf im Freien und bekommen selbst angebautes Biofutter. Familie Alber machte deutlich, dass die Art der Tierhaltung eine Frage der inneren Haltung des Tierhalters ist.

Gestärkt durchs Vesper auf dem Biohof ging es weiter entlang der Aich. Von einer Brücke sah ich zwei große Krebse im Wasser. Über deren Anblick freute ich mich – allerdings leider zu früh. Doch dazu später. In Waldenbuch kam ich etwas früher an als geplant und schlenderte noch eine Weile durch die Altstadt, in der es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Beispielsweise die prächtigen Karpfen im Brunnen des Schlosshofes. Dann traf ich mich mit Vertretern des örtlichen NABU. Mit Wolfgang und seinem Sohn Leif-Michael Schall sowie weiteren NABU- und Grünen-Mitgliedern tauschte ich mich aus über den Lebensraum an und in der Aich. Deren Gewässerqualität ist mit Güteklasse II bzw. II-III („mäßig bis kritisch belastet“) für die meisten Lebewesen akzeptabel. Auch für Krebse. Leider sind in der Aich keine einheimischen Krebse mehr vorzufinden. Dies liegt aber nicht an der Wasserqualität, sondern an den Kamberkrebsen, die ursprünglich aus Nordamerika stammen und die Krebspest übertragen, gegen die sie selber immun sind. Wo Kamberkrebse auftauchen, führen sie zum Verschwinden heimischer Flusskrebse. Auch als Grüner kann ich in Naturschutzdingen noch dazu lernen – und freue mich beim nächsten Anblick dieser Krebse mit Sicherheit nicht mehr. Weitere Themen waren die Neophyten im Aichtal. Dies sind nicht-einheimische Pflanzen wie das Japanische Springkraut, die sich im Aich- und im Schaichtal stark ausgebreitet hat und – wie die amerikanischen Flusskrebse – einheimische Arten verdrängt. Direkt vor Ort schauten wir uns das Wehr auf Höhe der Firma Ritter Sport an, das sich Fischen und Kleinlebewesen als Wanderungshindernis in den Weg stellt. Aufgrund der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die die ökologische Durchlässigkeit von Gewässern vorschreibt, muss hier eine Lösung gefunden werden. Von den Naturschutzvertretern wurde ein weiteres Thema angesprochen: Die schwindenden Nistmöglichkeiten für Schwalben, deren Bestände zurückgegangen sind. Dies hat damit zu tun, dass es immer weniger alte Gebäude und Ställe gibt. Künstliche Nester können helfen.

In Begleitung setzte ich meine Wanderung fort nach Steinenbronn. Dort besuchten wir den neu gewählten Gemeinderat der Offenen Grünen Liste, Stefan Hauser. Er betreibt mit seiner Familie auf der Dachterrasse seines Hauses eine Imkerei mit vier Völkern. Die Bienen sind gut erzogen und so konnten wir sehr dicht an die Stöcke heran, um das Gewusel aus nächster Nähe zu betrachten. 2,5 Eimer Honig konnten seit dem Aufbau der Völker vor einem Jahr bereits gewonnen werden. Ein schönes und zugleich sinnvolles Hobby, das offenbar auch den beiden Kindern Freude beschert und das Frühstücksbrot mit Honig statt Nutella besonders schmackhaft macht! Die Nacht verbrachte ich dann in einem Hotel in Steinenbronn. Nach etwa 15 Kilometern Fußmarsch und vielen neuen Eindrücken schläft es sich besonders gut.

Am nächsten Morgen ging es entlang des Naturerlebnispfades Klingenbach, der an der katholischen Kirche in Steinenbronn beginnt, hinein in eine wunderbare Landschaft mit autofreien Tälern. Die Tafeln des Lehrpfades informieren über die Tiere und Pflanzen am und im Bach und die Geologie der Umgebung. Durch den Schönbuch mit seinen Buchen- und Eichenwäldern liefen wir nach Böblingen. Bei eZee wurden wir von Gustav Maurer über aktuelle Trends bei Pedelecs, E-Bikes und Lastenräder informiert. Er ist als Händler auf Zweirad-E-Mobilität spezialisiert und einer Einkaufsgemeinschaft angeschlossen. Die Lastenräder werden in Mössingen (Landkreis Tübingen) gefertigt, die anderen E-Bikes werden importiert. Maurer berichtet, dass viele seiner Pedelec-Kunden „Neueinsteiger“ sind, die zuvor nicht Fahrrad gefahren sind. Einige schaffen sich dafür ihren Zweitwagen ab. Die Lastenräder werden vor allem von Familien nachgefragt, beispielsweise, um den Nachwuchs in die Kita zu fahren. Eine weitere Besonderheit ist das spezielle Angebot an Rädern für kleinwüchsige Menschen. Einig waren wir uns, dass politischer Handlungsbedarf besteht. Denn wenn mehr Menschen Dank der Pedelecs schneller unterwegs sind oder mit ihren Lastenrädern mehr Platz als mit einem „normalen“ Fahrrad beanspruchen, kann das auf zweieinhalb Metern breiten, gemischten Geh- und Radwegen nicht gut gehen. Schutzstreifen auf der Fahrbahn können eine gute Alternative darstellen.

Wer rastet rostet. Daher setzen wir die Tour fort – ins evangelische Ferienwaldheim Eichholzer Täler in Sindelfingen. Von einem der Leiter, David Coulon, wurden wir empfangen und übers Gelände geführt. Über vier Wochen, die sich in zwei Abschnitte aufteilen, werden rund 500 Kinder ganztägig betreut. Zwei Haupt- und 115 Ehrenamtliche kümmern sich um die 5- bis 14-jährigen Kinder. Schön ist, dass Kinder unterschiedlichster Religionszugehörigkeiten an der Waldheimfreizeit teilnehmen – und das mit viel Spaß, wie wir feststellen durften. Ausgeklungen ist der Tag, der uns über 20 Kilometer und mit zahlreichen neuen Erlebnissen voran brachte, mit einem geselligen Abendessen im Hotelrestaurant.

Der dritte Tag führte uns nach Renningen-Malmsheim, ein gutes Stück entlang des Naturlehrpfades Rankbach. Der Lehrpfad wurde als Ausgleichmaßnahme angelegt. Was mir gleich auffiel: Es tummelten sich zahlreiche Fische darin. Und zwar mit Forellen diesmal eine einheimische Tierart! Das letzte Ziel meiner Wanderung, das Autohaus Murschel, erreichte ich am frühen Nachmittag. Warum ausgerechnet ein Autohaus? Das ist schnell beantwortet: Dort werden konventionelle Motoren gegen Elektromotoren ausgetauscht. Vor allem Eigentümer von Oldtimern nutzen dieses einmalige Angebot. Viele der Fahrzeuge haben bisher 20 Liter geschluckt. Mit neuem Motor bewegen sie sich effizienter, lokal emissionsfrei und nahezu lautlos über die Straßen. Die Auftragsbücher sind voll. Ganz ohne Sorgen ist der gelernte Karosseriebauer aber leider dennoch nicht: Es fehlt an sachkundigem Nachwuchs und die Werkstatt ist zu klein. Dafür aber ist Murschel voll und ganz von der Zukunft der Elektromobilität überzeugt. Und er erwartet von der Politik dafür die richtigen Weichenstellungen, worin ich ihn gerne unterstütze.

Fazit: Drei Tage war ich zu Fuß nicht nur irgendwo, sondern wirklich unterwegs und wirklich vor Ort gewesen (frei nach Goethe). Nach über 50 Kilometern komme ich mit vielen neuen Eindrücken, neuen Bekanntschaften mit engagierten Menschen, einer besseren Ortskunde und zahlreichen Ideen nach Hause und zurück in den politischen Alltag. Und ich bin mir sicher: Dies wird nicht die letzte mehrtägige Wanderung gewesen sein!

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