So war mein Bahn-Jahr 2025

Im Jahr 2025 hat­te ich 126 Fahr­ten mit dem Fern­ver­kehr der Deut­schen Bahn unter­nom­men, was für mich im Ver­gleich mit den acht Vor­jah­ren einen mitt­le­ren Wert dar­stellt. Der Anteil pünkt­li­cher Züge ist mit 48 Pro­zent mise­ra­bel (Vor­jah­re zwi­schen 47 und 61 Pro­zent). Mein Maß­stab für Pünkt­lich­keit ist dabei mit maxi­mal 4:59 Minu­ten Ver­spä­tung um eine Minu­te stren­ger als der bei der Deut­schen Bahn. Nach der DB-Sta­tis­tik wer­den im Jahr 2025 (bis ein­schließ­lich Novem­ber 2025) 59,7 Pro­zent der Fern­zü­ge pünkt­lich (oder unter sechs Minu­ten ver­spä­tet) gewe­sen sein. Damit ist der Wert bei der DB Fern­ver­kehr gegen­über dem Vor­jahr (62,5 Pro­zent im Gesamt­jahr 2024) wei­ter gesun­ken. Sie­he https://www.deutschebahn.com/de/konzern/konzernprofil/zahlen_fakten/puenktlichkeitswerte-6878476 Mei­ne größ­te Ver­spä­tung lag im Jahr 2025 bei 70 Minu­ten. Damit hat­te ich sogar noch Glück gegen­über den Erleb­nis­sen ande­rer ande­ren Rei­sen­den. Die durch­schnitt­li­che Ver­spä­tung der unpünkt­li­chen Züge lag bei mei­nen Fahr­ten bei einem ver­bes­ser­ten Wert von 18 Minu­ten (Vor­jah­re: 23 bis 29 Minu­ten). Es konn­ten 83 Pro­zent der Anschluss­zü­ge erreicht wer­den – eine Ver­schlech­te­rung gegen­über den Vor­jah­ren. Aller­dings ver­su­che ich stets, mög­lichst durch­ge­hen­de Ver­bin­dun­gen zu wäh­len. Daher floss nur eine rela­tiv gerin­ge Anzahl von Umstei­ge­ver­bin­dun­gen in mei­ne Sta­tis­tik ein. Der immer noch hohe Anteil erreich­ter Anschlüs­se lag auch dar­an, dass die Anschluss­zü­ge ähn­lich häu­fig ver­spä­tet waren wie die ers­ten Züge.

Die Fra­gen der Pünkt­lich­keit und noch mehr die der Anschlüs­se dürf­ten aus Fahr­gast­sicht die mit gro­ßem Abstand gra­vie­rends­ten Pro­ble­me der Bahn sein und beein­träch­ti­gen nach wie vor und lei­der deut­lich zuneh­mend das Image der Bahn. Aller­dings sind Anga­ben zur „fahr­gast­be­zo­ge­nen Pünkt­lich­keit“ (Rei­sen­den­pünkt­lich­keit) aus­sa­ge­kräf­ti­ger als die blo­ße Rela­ti­on zwi­schen pünkt­li­chen und unpünkt­li­chen Zügen. Schließ­lich ist nicht jeder Zug gleich aus­ge­las­tet und auch ver­pass­te Anschlüs­se wir­ken sich unter­schied­lich aus – je nach­dem, wann der nächs­te Zug kommt. Mit der fahr­gast­be­zo­ge­nen Pünkt­lich­keit wird betrach­tet, wie vie­le Fahr­gäs­te inner­halb eines Tole­ranz­kor­ri­dors pünkt­lich oder unpünkt­lich ihr Ziel mit der Bahn errei­chen. Mei­nem Druck ist es zu ver­dan­ken, dass die DB seit eini­ger Zeit auch die fahr­gast­be­zo­ge­nen Pünkt­lich­keits­wer­te ver­öf­fent­licht. Die Sta­tis­tik belegt, dass die Wer­te der Rei­sen­den­pünkt­lich­keit eini­ge Pro­zent­punk­te bes­ser ist als die der Züge. Nun drän­ge ich die Deut­sche Bahn dar­auf, zudem auch monat­lich den Anteil aus­ge­fal­le­ner Züge zu ver­öf­fent­li­chen. Bis­her wer­den die­se Zah­len erst mit erheb­li­chem Zeit­ver­zug im Fol­ge­jahr bekannt gemacht. Ich möch­te voll­stän­di­ge und zeit­na­he Trans­pa­renz über die Ver­läss­lich­keit der Züge.

Eine grund­sätz­li­che Stär­ke der Bahn liegt im Poten­ti­al für Ser­vice. In kei­nem ande­ren Ver­kehrs­mit­tel kann wäh­rend der Fahrt die Zeit so viel­fäl­tig bei­spiels­wei­se fürs Arbei­ten, Essen oder Enter­tain­ment genutzt wer­den wie im Zug. Dies ist ein Haupt­grund dafür, dass ich so ger­ne mit der Bahn fah­re: Ich kann die Rei­se­zeit sinn­voll nut­zen.

In der Rea­li­tät spielt die Bahn ihre Stär­ken lei­der all­zu oft nicht oder nur ein­ge­schränkt aus. Ein Bei­spiel dafür ist die Gas­tro­no­mie, die lei­der bei rund jeder fünf­ten Fahrt nicht oder nur ein­ge­schränkt zur Ver­fü­gung stand. Als Grün­de für die häu­fi­gen Ein­schrän­kun­gen der Aus­fäl­le der Gas­tro­no­mie wer­den Stö­run­gen bei der Küh­lung, wodurch Groß­tei­le der Lebens­mit­tel nicht mehr ver­kauft wer­den dür­fen, aus­ver­kauf­te Ange­bo­te, feh­len­des Frisch­was­ser oder feh­len­des Per­so­nal genannt. Was auch immer die Grün­de sind: Wer stun­den­lang im Zug unter­wegs ist, muss sich auf die Ver­sor­gung mit Spei­sen und Geträn­ken ver­las­sen kön­nen.

WLAN in den ICE-Zügen habe ich über Jah­re hin­weg als so unzu­ver­läs­sig erlebt, dass ich dies jah­re­lang über­haupt nicht mehr genutzt habe. Im Jahr 2025 habe ich nach lan­ger Zeit immer mal wie­der das WLAN aus­ge­tes­tet. Lei­der sind die Erfah­run­gen damit wei­ter­hin nicht gut. Über den Hot­spot mei­nes Smart­phones kann ich hin­ge­gen sehr viel zuver­läs­si­ger am Lap­top online arbei­ten. Lei­der stell­te ich in den letz­ten seit dem ver­gan­ge­nen Jahr und ins­be­son­de­re in den letz­ten Mona­ten fest, dass auch die­se Opti­on unzu­ver­läs­si­ger wur­de.

Ärger­lich bleibt, dass das Reser­vie­rungs­sys­tem nur bei 92 Pro­zent der Fahr­ten funk­tio­nier­te. Dies kann zur Fol­ge haben, dass sich Rei­sen­de ohne Reser­vie­rung immer wie­der umset­zen müs­sen, da sie nicht wis­sen, dass sie auf reser­vier­ten Plät­zen Platz genom­men haben.

War­um das Bahn­ta­ge­buch?

Bei mir kom­men die Bahn als poli­ti­scher Arbeits­schwer­punkt und die inten­si­ve Nut­zung die­ses Ver­kehrs­mit­tels zusam­men. Mit mei­nem Bahn­ta­ge­buch mache ich mei­ne Erleb­nis­se mit dem Fern­ver­kehr der Deut­schen Bahn für ande­re Men­schen erleb­bar und für mich ein etwas objek­ti­ver greif­bar. Ich erle­be sel­ber, was gut ist und eben­so, was ver­bes­se­rungs­be­dürf­tig ist. Ent­spre­chend kann ich Erleb­nis­se in mei­ne poli­ti­sche Arbeit ein­flie­ßen las­sen. So war mir im Jahr 2025 auf­ge­fal­len, dass die Züge häu­fi­ger schmut­zi­ger waren als zuvor. Dies galt ins­be­son­de­re für die Tische und die Tep­pich­bö­den. Gegen­über DB Fern­ver­kehr brach­te ich dies zur Spra­che und mir wur­den Pro­ble­me bei der Sau­ber­keit bestä­tigt. Sei­tens des Unter­neh­mens wur­de Bes­se­rung gelobt. Auch die Kom­mu­ni­ka­ti­on bei Abwei­chun­gen vom Fahr­plan ist ver­bes­se­rungs­be­dürf­tig und immer wie­der ein The­ma gegen­über der Deut­schen Bahn. Mir geht es also nicht dar­um, zu meckern, son­dern die Situa­ti­on für ande­re Rei­sen­de zu ver­bes­sern.

Poli­ti­sche Hand­lungs­be­dar­fe

Die letz­te Regie­rungs­ko­ali­ti­on hat, auch auf Druck der Grü­nen, mit den Kor­ri­dor­sa­nie­run­gen das bis­lang größ­te Sanie­rungs­pro­gramm für die Schie­ne aller Zei­ten gestar­tet. Nach Jahr­zehn­ten der Ver­nach­läs­si­gung war dies drin­gend nötig.

Lei­der müs­sen wir erle­ben, dass die jet­zi­ge Koali­ti­on die Inves­ti­ti­ons­mit­tel trotz des 400 Mil­li­ar­den Euro schwe­ren Son­der­ver­mö­gens für Bun­des­in­ves­ti­tio­nen in die Infra­struk­tur kaum zusätz­li­che Inves­ti­tio­nen plant. Die Kor­ri­dor­sa­nie­run­gen wer­den in ihrem Umfang abge­speckt und nahe­zu alle Aus- und Neu­bau­pro­jek­te sind nicht finan­ziert (Aus­nah­me: Pfaf­fen­steig­tun­nel). Ohne, dass über­las­te­te Schie­nen­we­ge durch zusätz­li­che Glei­se ent­las­tet wer­den, wird die Bahn kaum pünkt­li­cher wer­den kön­nen. Selbst die Klei­nen und Mitt­le­ren Maß­nah­men (KMM), die wäh­rend der Ampel­jah­re gestar­tet wur­den, sind nicht voll­stän­dig finan­ziert. Zu die­sen Maß­nah­men gehö­ren zusätz­li­che Wei­chen und kür­ze­re Block­ab­stän­de, um die betrieb­li­che Fle­xi­bi­li­tät zu ver­bes­sern und Kapa­zi­tä­ten zu erhö­hen.