Gespräch mit Fahrrad-Hersteller

In der Fahr­rad-Bran­che gab es in den letz­ten Jah­ren eini­ge Höhen und Tie­fen. Wie ist die Situa­ti­on aktu­ell? Dar­über habe ich mich bei einem aus­gie­bi­gen Lokal­ter­min in Weil der Stadt (Land­kreis Böb­lin­gen) infor­miert. Beglei­tet wur­de ich von ört­li­chen Mit­glie­dern der Grü­nen.

Rund zwei Mil­lio­nen Fahr­rä­der wer­den pro Jahr in Deutsch­land pro­du­ziert. Gegen­über dem Jahr 2023 gab es in den Fol­ge­jah­ren einen klei­nen Rück­gang. 1,3 Mil­lio­nen und damit der Groß­teil sind Pedelecs. In den Coro­na-Jah­ren gab es eine deut­lich höhe­re Nach­fra­ge, die sich wie­der auf Nor­mal­ni­veau ein­ge­pen­delt hat. 2,2 Mil­lio­nen Fahr­rä­der wer­den jähr­lich von deut­schen Unter­neh­men im Aus­land pro­du­ziert. Der Umsatz mit Fahr­rä­dern liegt bei etwa sechs Mil­li­ar­den Euro pro Jahr – deut­lich über der Vor-Coro­na-Zeit. Ursa­che dafür ist die deut­li­che Erhö­hung des Pedelec-Anteils unter den Fahr­rä­dern. Durch Rabatt­ak­tio­nen ist der Durch­schnitts­preis aller­dings in den letz­ten bei­den Jah­ren wie­der etwas gesun­ken (bei Pedelecs auf 2.600 und bei „Bio­bikes“ auf 1.600 Euro). 40 Pro­zent aller ver­kauf­ten Räder waren Trek­king­rä­der. Jähr­lich wer­den 220.000 Las­ten­rä­der ver­kauft. Die weit­aus meis­ten Fahr­rä­der (über 90 Pro­zent) wer­den über den Fach­han­del ver­kauft. Quel­le: ZIV/Fahrradindustrie

Die Fahr­rad­wirt­schaft bie­tet 77.000 Arbeits­plät­ze. Die meis­ten davon bestehen im Han­del. Quel­le: Zukunft Fahr­rad

„Velo­traum“ ist seit genau 30 Jah­ren eine fes­te Grö­ße in der Regi­on Stutt­gart. Das Unter­neh­men baut Fahr­rä­der spe­zi­ell nach Kun­den­wün­schen und zuge­schnit­ten auf indi­vi­du­el­le Kör­per­ma­ße. Für fast alle Model­le kann aus über 200 Far­ben aus­ge­wählt wer­den. Die Rah­men sind aus Alu­mi­ni­um, kom­men aus Tai­wan[1] und wer­den in Fell­bach pul­ver­be­schich­tet, um schließ­lich in Weil der Stadt von Hand fer­tig­be­ar­bei­tet und mit Kom­po­nen­ten nach Kun­den­wunsch bestückt zu wer­den. Gebaut wer­den Trek­king­rä­der, Gra­vel­bikes, E‑Bikes und City­bikes. Das Zube­hör stammt in wei­ten Tei­len von in Deutsch­land ansäs­si­gen Her­stel­lern wie Schwal­be, SON oder Busch & Mül­ler. Motor und Akkus für Pedelecs wer­den von Shi­ma­no bezo­gen. Bosch zeigt kein Inter­es­se an rela­tiv klei­nen Stück­zah­len. Aller­dings ist der Pedelec-Anteil bei Velo­traum mit 15 Pro­zent ver­gleichs­wei­se gering. Was sind die Trends? Auf mei­ne Fra­ge kamen eini­ge Punk­te: Tou­ren­rä­der (Gra­vel), Moun­tain-E-Bikes, das Lea­sing-Geschäft und der Anspruch auf Qua­li­tät.

Wir spra­chen auch über die Per­so­nal­si­tua­ti­on. Lan­ge sei es schwie­rig gewe­sen, pas­sen­des Per­so­nal zu fin­den, wur­de uns berich­tet. Aktu­ell gebe es mit etwas Glück kei­ne frei­en Stel­len. Ein Aus­zu­bil­den­der lernt den Zwei­rad­me­cha­tro­ni­ker.

Selbst­ver­ständ­lich ging es im Gespräch auch um die Rah­men­be­din­gun­gen für mehr Rad­ver­kehr. Nicht über­ra­schend wur­de an ers­ter Stel­le die gefühl­te und rea­le Ver­kehrs­si­cher­heit genannt. Wer sich nicht sicher fühlt, nutzt das Fahr­rad weni­ger oder gar nicht. Für eine bes­se­re Sicher­heit ist sowohl die ent­spre­chen­de Infra­struk­tur als auch das Ver­hal­ten der Ver­kehrs­teil­neh­men­den erfor­der­lich. Zu unter­bin­den sei bei­spiels­wei­se zu dich­tes Über­ho­len von Rad­fah­ren­den. S‑Pedelecs, also E‑Bikes mit elek­tri­scher Unter­stüt­zung bis 45 Stun­den­ki­lo­me­ter, sind kein The­ma bei Velo­traum. Ein Grund dafür ist die zu schwie­ri­ge Rechts­la­ge, die stark ein­schrän­kend wirkt. Die aktu­ell wie­der dis­ku­tier­te Helm­pflicht wur­de von unse­rem Gesprächs­kreis als schäd­lich für den Rad­ver­kehr abge­lehnt.

Exkurs: Ände­run­gen des Stra­ßen­ver­kehrs­rechts

Unter der Ampel wur­den das Stra­ßen­ver­kehrs­ge­setz und die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung geän­dert. So wur­de die Aus­wei­sung von „Tem­po 30“ durch die Kom­mu­nen erleich­tert. Das­sel­be gilt fürs Anle­gen von Rad­we­gen und Rad­spu­ren. Nach unse­ren Fest­stel­lun­gen wer­den die neu­en Spiel­räu­me noch zu wenig genutzt.

Hin­weis auf den Bei­trag von einem mei­ner letz­ten Besu­che bei „Velo­traum“:

https://www.matthias-gastel.de/im-gespraech-ueber-den-fahrrad-markt/

Besuch bei einem Groß­händ­ler für Fahr­rad-Zube­hör:  https://www.matthias-gastel.de/fahrrad-besuch-beim-grosshaendler-entwicklungen/

[1] Ver­su­che, die Rah­men in Euro­pa pro­du­zie­ren zu las­sen, sind geschei­tert. Die Qua­li­tät der Rah­men aus Tai­wan sei sehr gut, weil man sich dort die erfor­der­li­che Erfah­rung auf­ge­baut habe.