Rückblick mit und auf 15 Jahre Verkehrsminister Winfried („Winne“) Hermann

Kei­ner vor ihm war so lan­ge im Amt. Sechs Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter hat er erlebt. Unum­strit­ten war er nie. Bewegt hat er eine gan­ze Men­ge: Win­fried, genannt „Win­ne“, Her­mann. In Ech­ter­din­gen war er mein Gesprächs­gast. Gemein­sam und mit dem zahl­rei­chen Publi­kum schau­ten wir zurück auf eine lan­ge Zeit.

Für man­che The­men sind auch 15 Jah­re noch zu kurz, sie­he Stutt­gart 21 und der Aus­bau der Rhein­tal­bahn. Stutt­gart 21 stand zunächst der Regie­rungs­bil­dung aus Grü­nen und SPD im Wege. Der Aus­weg wur­de in der Volks­ab­stim­mung gefun­den. Die bei­den Par­tei­en hat­ten ver­ein­bart: Egal, wie es aus­geht, das Ergeb­nis wird in jedem Fall akzep­tiert. Das Land bezahl­te also sei­nen Anteil und Win­ne Her­mann beglei­te­te das Pro­jekt von da ab kri­tisch, aber kon­struk­tiv. Ver­än­de­run­gen wur­den durch­ge­setzt, so mit der gro­ßen statt der klei­nen Wend­lin­ger Kur­ve und der Digi­ta­li­sie­rung des gesam­ten Bahn­kno­tens. Eine Ergän­zungs­sta­ti­on für den Regio­nal­ver­kehr hin­ge­gen ließ sich nicht umset­zen.

Bald nach der Volks­ab­stim­mung gab es das nächs­te strit­ti­ge The­ma: Man­cher­orts waren die Grenz­wer­te für Stick­oxi­de über­schrit­ten. Es ergin­gen Gerichts­ur­tei­le, die sich mit ver­schie­de­nen Maß­nah­men (Aus­bau Bus­ver­keh­re usw.) man­gels aus­rei­chen­der Erfol­ge nicht ver­mei­den lie­ßen. Fahr­ver­bo­te für älte­re Die­sel­fahr­zeu­ge muss­ten erlas­sen wer­den.

Ein lan­ger Atem war für eini­ge gewünsch­te Bahn­pro­jek­te erfor­der­lich. Das bekann­tes­te davon dürf­te die Reak­ti­vie­rung der Her­mann-Hes­se-Bahn nach Calw sein. Erst gab Bür­ger­initia­ti­ven, die mit wenig rea­lis­ti­schen For­de­run­gen das Pro­jekt ver­zö­gern oder gleich ver­hin­dern woll­ten. Dann muss­ten Arten­schutz­fra­gen rund um die Fle­der­mäu­se gelöst wer­den, die sich in einem der Tun­nel nie­der­ge­las­sen hat­te. Mit einem Tun­nel-im-Tun­nel-Sys­tem konn­ten die Tie­re vom Fahr­be­trieb getrennt wer­den. Die­se Lösung hat Zeit und Geld gekos­tet, scheint aber zu funk­tio­nie­ren. Seit eini­gen Mona­ten rol­len die Züge.

Schnell grö­ße­re Erfol­ge lie­ßen sich beim Aus­bau der Regio­bus­li­ni­en erzie­len. Zustän­dig für die Bus­se sind eigent­lich die Land­krei­se. Doch deren Fokus reicht oft­mals kaum über die Land­kreis­gren­zen hin­aus. Daher hat das Land einen völ­lig neu­en Stan­dard ent­wi­ckelt und gemein­sam mit den Krei­sen inzwi­schen über 50 Lini­en rea­li­siert. Die­se ver­bin­den länd­li­che Räu­me mit Ober­zen­tren und fah­ren dort, wo kei­ne Bahn­ver­bin­dun­gen mög­lich sind.

Vor­an, wenn manch­mal auch müh­sam, ging es beim Rad­ver­kehr. Mit der Kam­pa­gne „Rad­kul­tur“ wur­de fürs Fahr­rad als unter­schätz­tes Ver­kehrs­mit­tel gewor­ben. Nach und nach gelang es, das Rad­we­ge­netz aus­zu­bau­en. Kom­mu­nen, die sich beim Stre­cken­ver­lauf von Rad­schnell­we­gen nicht eini­gen konn­ten oder kön­nen mach­ten das Ziel, den Rad­ver­kehr über eine gute und siche­re Infra­struk­tur zu stär­ken, nicht ein­fa­cher umsetz­bar.

Anders als manch­mal von sei­nen Kri­ti­kern unter­stellt, bau­te „Win­ne“ Her­mann auch Stra­ßen. Den Fokus ver­schob er aber vom Neu­bau zur Sanie­rung. Eine lan­ge Lis­te von Aus- und Neu­bau­vor­ha­ben brach­te er mit einer Prio­ri­sie­rungs­me­tho­dik, die bun­des­weit Auf­merk­sam­keit fand, in eine fach­lich nach­voll­zieh­ba­re Rei­hen­fol­ge.

Win­fried Her­mann hat mit sei­ner Ver­kehrs­po­li­tik vie­le Fach­leu­te nach Baden-Würt­tem­berg gelockt. Die­se haben sich hier ange­schaut, wie still­ge­leg­te Bahn­stre­cken sys­te­ma­tisch auf ihre Poten­tia­le hin unter­sucht und wie­der in Betrieb genom­men wur­den. Sie haben sich infor­miert dar­über, wie der Rad­ver­kehr ver­bes­sert wer­den kann. Sie inter­es­sier­ten sich dafür, wie Kli­ma­schutz mit einer ande­ren Ver­kehrs­po­li­tik umge­setzt wer­den kann.

Nun sind nicht nur wir Grü­nen sehr gespannt, wie die neue Minis­te­rin ihre Auf­ga­be anpackt, Pro­jek­te vor­an­treibt und ihre Schwer­punk­te setzt.