Gespräch mit Jugendumweltverbänden

Bereits zum geschätzt vier­ten Mal habe ich namens der Lan­des­grup­pe der baden-würt­tem­ber­gi­schen Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten jun­ge Men­schen aus Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen zum Aus­tausch ein­ge­la­den. Dies­mal tra­fen wir uns in Lud­wigs­burg.

Ver­tre­ten waren Fri­days for Future, Natur­schutz­ju­gend, Green­peace-Jugend sowie ver­band­lich nicht orga­ni­sier­te jun­ge Leu­te. Am Gespräch nahm auch mei­ne Frak­ti­ons­kol­le­gin San­dra Det­zer (Wirt­schafts­po­li­tik) und Staats­se­kre­tär André Bau­mann (MdL, Natur­schutz­ex­per­te) teil.

Sehr viel Posi­ti­ves gab es lei­der nicht zu berich­ten. Ich star­te­te mit einem Impuls und dem Hin­weis dar­auf, dass Umwelt­the­men in immer mehr Län­dern ins Hin­ter­tref­fen gera­ten. Fake News, die Igno­ranz gegen­über oder gar Ver­ach­tung von wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen, der ein­sei­ti­ge Fokus auf erhoff­te (bes­ten­falls kurz­fris­ti­ge!) wirt­schaft­li­che Effek­te und Gleich­gül­tig­keit füh­ren eher zu Rück­schrit­ten als zu Fort­schrit­ten. Immer mehr Ener­gie auch von uns Grü­nen muss auf Abwehr­kämp­fe zur Ver­mei­dung von Rück­schrit­ten kon­zen­triert wer­den. Dabei geht es doch um exis­ten­zi­el­le Fra­gen wie sau­be­res Was­ser, kla­re Luft und gesun­de Lebens­mit­tel, letzt­lich also einen lebens­wer­ten Pla­ne­ten und Gene­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit. Posi­tiv: Die natio­na­len Kli­ma­zie­le für 2024 wur­den ein­ge­hal­ten und es bestehen Aus­sich­ten, dass auch die Zie­le für das Jahr 2030 ein­ge­hal­ten wer­den. Sor­gen machen aber lei­der nach wie vor die Sek­to­ren Ver­kehr und Gebäu­de.

Auf Ebe­ne der Euro­päi­schen Uni­on sind lei­der zahl­rei­che The­men ins Rut­schen gera­ten. Unter dem Stich­wort der „Dere­gu­lie­rung“ könn­ten vie­le Errun­gen­schaf­ten für den Umwelt‑, Natur- und Kli­ma­schutz geschlif­fen wer­den: Der Vogel­schutz, Habi­ta­te, die Was­ser­rah­men­richt­li­nie, die Nitra­t­richt­li­nie, die Bat­te­rie­ver­ord­nung (Kenn­zeich­nung gefähr­li­cher Stof­fe) und die Kenn­zeich­nung gen­ver­än­der­ter Lebens­mit­tel.

Im Ver­kehr hat­te die „Ampel“ eini­ge Erfol­ge erzielt: Das Deutsch­land­ti­cket, mit dem die Nut­zung von Bus und Bahn erheb­lich ein­fa­cher und preis­wer­ter wur­de, die deut­li­chen Erhö­hun­gen der Inves­ti­tio­nen ins Schie­nen­netz und eini­ges mehr. Uni­on und SPD keh­ren davon eini­ges um: Der Preis fürs Deutsch­land­ti­cket stieg und steigt wei­ter, die Ein­nah­men aus der Lkw-Maut sol­len wie­der voll­stän­dig in den Stra­ßen­bau flie­ßen (die Ampel hat­te Tei­le der Ein­nah­men in die Schie­ne inves­tiert) und es sol­len neue Auto­bah­nen gebaut wer­den. Als Grü­ne hal­ten wir dage­gen: So haben wir das Deutsch­land­ti­cket für 49 Euro pro Monat im Jah­res­abo und eine Soli­dar­ab­ga­be für Luxus­flü­ge bean­tragt.

In der Dis­kus­si­on mit den jun­gen Men­schen ging es um Mög­lich­kei­ten, wie die Umwelthe­men wie­der mehr Auf­merk­sam­keit und einen höhe­ren Stel­len­wert erlan­gen kön­nen. Wir spra­chen dar­über, wie in Schu­len mehr über Umwelt­the­men gelernt wer­den kann. Die Dis­kus­si­on dreh­te sich zudem um die Fra­ge, ob ein ver­pflich­ten­des Gesell­schafts­jahr sinn­voll ist oder wie alter­na­tiv dazu die Frei­wil­li­gen­diens­te gestärkt wer­den kön­nen.