Mühsam kommt der viergleisige Ausbau der Rheintalbahn voran. Ende des vergangenen Jahres wurden sechs Kilometer bei Müllheim, südlich von Freiburg, in Betrieb genommen. Der nächste Meilenstein ist ein großer: Im Dezember wird der Rastatter Tunnel in Betrieb gehen.
Traurige Berühmtheit hat dieser Tunnel erlangt, als es vor achteinhalb Jahren zu Verschiebungen in einer Tunnelröhre gekommen war und einige Meter der darüber verlaufenden Strecke abgesackt waren. Die Strecke war sieben Wochen lang mit massiven Auswirkungen vor allem auf den Güterverkehr gesperrt und die Tunnelbohrmaschine musste einbetoniert werden, um den Untergrund zu stabilisieren. Inzwischen wurde die Maschine in Einzelteilen herausgeholt und die Arbeiten in den beiden Tunnelröhren laufen auf ihr Ende zu. Davon habe ich mich bei einem Baustellenbesuch gemeinsam mit Thomas Hentschel (MdL) überzeugt. Im Dezember sollen Tunnel und Zulaufgleise, zusammen immerhin 24 Kilometer zwischen Durmersheim und Rastatt, in Betrieb gehen. Knapp fünf Kilometer entfallen auf den Tunnel mit seinen beiden Röhren, der das Stadtgebiet von Rastatt unterquert. Der Tunnel ist mit 250 Stundenkilometer befahrbar und für Fernzüge sowie einen Teil des Güterverkehrs vorgesehen. Im Tunnel wird ETCS verbaut (nicht „ETCS only“), es können auch Züge ohne bordseitige ETCS-Ausrüstung den Tunnel nutzen. Die Tunnelrampen weisen eine Steigung von 12,5 Promille auf, was für schwere Güterzüge nicht zu bewältigen ist. Neuere Bauprojekte wie die Neubaustrecke Augsburg – Ulm werden mit maximal acht Promille geplant, um für Güterzüge aller Art nutzbar zu sein. Auf weiteren Abschnitten der Rheintalbahn, die sich in Planung befinden, wird die Steigung auf sechs bis acht Promille begrenzt. Wie viele Güterzüge vor allem nachts den Tunnel nutzen und im Außenbereich für eine Lärmreduzierung sorgen wird, bleibt abzuwarten.
Was wir hingegen wissen: Mit Inbetriebnahme der neuen Strecke wird bei den Fernverkehrszügen eine Fahrzeitverkürzung um bis zu 3,5 Minuten erwartet. Da alle Fern- und ein Teil der Güterzüge von der Bestandsstrecke weg und aus dem Bahnhof Rastatt heraus verschwinden, entstehen dort neue Trassenkapazitäten.
Davon profitiert der Nahverkehr mit den beiden Linien RE 7 (Basel – Offenburg – Karlsruhe) und RE 40 (Freudenstadt – Karlsruhe), die dann einen durchgehenden 60 Minuten-Takt erhalten können. So die Aussage der DB auf eine Anfrage von mir.
Die Inbetriebnahme des neuen Abschnitts soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 erfolgen – das ist einige Jahre später, als ursprünglich vorgesehen war. Die Havarie hat Jahre an Bauzeit und Milliarden an Schaden verursacht. Mit der Inbetriebnahme wird in etwa die Hälfte der Gesamtstrecke der Rheintalbahn von Karlsruhe bis Basel viergleisig ausgebaut sein.
Um Ostern 2027 herum soll der oberirdische Abschnitt der Rheintalbahn an der Havariestelle, wo der Streckenverlauf verändert werden musste, wieder auf den ursprünglichen Verlauf zurückverlegt werden. Züge können dann wieder die volle Geschwindigkeit fahren. Diese Zurückverlegung der Gleise erfordert eine Sperrung. Die Züge werden dann übergangsweise alle den Tunnel nutzen. Rastatt wird in dieser Zeit nicht anfahrbar sein.
Der nächste große Bauabschnitt ist die Güterumfahrung Freiburg. Der Spatenstich ist auf den 29. Mai terminiert. Fertigstellung ist Anfang der 2030er-Jahre vorgesehen.
