S 21: Nix mit integralem Taktverkehr

28.04.2019

Neuer Hauptbahnhof lässt keinen Deutschlandtakt zu

Anhand des Zielfahrplans 2030 für den Deutschland-Takt lässt sich erahnen, wie die Züge im Jahr 2030 und danach fahren könnten. Es lässt sich erkennen, in welchen Bahnhöfen die Vertaktungen der Züge funktionieren können und wo vielleicht häufiger keine guten Anschlüsse bestehen zu erwarten sind.

Ich habe mir den Fahrplan für Stuttgart mit zukünftig nur noch acht Gleisen im geplanten neuen Tiefbahnhof mal genauer angeschaut und einige der Feststellungen grafisch dargestellt:

Man sieht: Es zeichnen sich teilweise äußerst ungünstige, weil viel zu lange Umsteigezeiten ab. So muss, wer von Tübingen kommt und in Stuttgart nach Karlsruhe umsteigen möchte, 26 Minuten auf den Anschlusszug warten. Von Zürich nach Heilbronn muss nach derzeitigem Stand von einer Umsteigezeit von 33 Minuten ausgegangen werden.

Auch wenn man ausschließlich den Nahverkehr betrachtet, von dem viel mehr Fahrgäste abhängig sind als vom Fernverkehr, ergibt sich ein Bild mit vielen kritischen Verbindungen:

Fazit: Der neue Tiefbahnhof mit nur acht Gleisen weist keine ausreichende Kapazität für einen zukunftsfähigen Bahnverkehr auf. Weder sind die notwendigen – und selbst von der Bundesregierung angestrebten – Zuwächse realisierbar. Noch können Züge mal einige wenige Minuten auf die Fahrgäste anderer (vielleicht verspäteter) Züge warten. Die geringe Anzahl an Bahnsteiggleisen erfordert einen Bahnverkehr nach der Devise “schnell rein, kurz stehen, schnell wieder raus”. Der Zielfahrplan stellt zwar noch keinen endgültigen Fahrplan dar. Er stellt aber bundesweit die Grundlage für Investitionsentscheidungen dar. Denn auf Basis dieses Fahrplans, der sich nicht an der vorhandenen Infrastruktur, sondern an den Bedürfnissen der Fahrtgäste orientiert, werden Bedarfe für Investitionen in die Infrastruktur ermittelt. Insofern ist er als Entwurf durchaus ernst zu nehmen.

Man kann nur hoffen, dass noch ein Wunder geschieht und die Projektbefürworter endlich Verantwortung für ihr Projekt übernehmen. Verantwortung heißt: Stuttgart 21 als ein Projekt der 1990er-Jahre zu begreifen und für die Zukunft weiterzuentwickeln. Dazu gehören zusätzliche Gleise, die als Kopfgleise rechtwinklig auf den Tiefbahnhof zulaufen, zu bauen. Um die Überbaubarkeit des bisherigen Gleisvorfeldes zu ermöglichen, können diese Gleise (ich gehe von vier Bahnsteiggleisen aus) in Tieflage, beispielsweise auf Höhe des Zwischengeschosses des Tiefbahnhofs, errichtet werden. Die Zuführung sollte über die Gäubahnstrecke erfolgen, die es zu erhalten gilt. Außerdem braucht es im  Bereich Zuffenhausen/Feuerbach zwei zusätzliche Gleise, um eine leistungsfähige Zuführung aus Richtung Norden kommend zu erhalten.

 

 

 

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Kommentare zu “S 21: Nix mit integralem Taktverkehr

  1. Philip Gohl Reply

    Genau dieses Verständnis scheint Ihren Parteikollegen aus der Stuttgarter Lokalpolitik zu fehlen. Hier wird nur aus städtebaulicher Sicht gedacht.
    Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie dieses Wissen an die Stuttgarter Kollegen weitergeben würden! Dankeschön!

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Hallo Herr Gohl,
      die Stuttgarter Grünen sind sich der Gäubahnthematik durchaus bewusst. Es gibt aber Verträge und klare Gemeinderatsbeschlüsse, die eine Bebauung der freiwerdenden Flächen vorsehen. Bürgermeister haben diese Beschlüsse/Aufträge umzusetzen. Wir befinden uns in Gesprächen in der Hoffnung, dass sich städteplanerische und bahnverkehrliche Aspekte zusammenbringen lassen. Ich fände es fatal, wenn die Panormabahnanbindung des Hauptbahnhofs dauerhaft gekappt werden würde.
      Mit freundlichen Grüßen
      Matthias Gastel

  2. Julia Monheim Reply

    Ich bin komplett ihrer Meinung! Allerdings wäre es noch besser, wenn endlich innerhalb der Grünen Einigkeit über einen weiteren Ausbau des Stuttgarter Bahnhofs herrschen würde. Es wäre optimal, wenn Fritz Kuhn mit im Boot wäre.

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Guten Tag Frau Monheim,
      die Stuttgarter Grünen sind sich der Gäubahnthematik durchaus bewusst. Es gibt aber Verträge und klare Gemeinderatsbeschlüsse, die eine Bebauung der freiwerdenden Flächen vorsehen. Bürgermeister haben diese Beschlüsse/Aufträge umzusetzen. Wir befinden uns in Gesprächen in der Hoffnung, dass sich städteplanerische und bahnverkehrliche Aspekte zusammenbringen lassen. Ich fände es fatal, wenn die Panormabahnanbindung des Hauptbahnhofs dauerhaft gekappt werden würde.
      Mit freundlichen Grüßen
      Matthias Gastel

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