„Abellio“ verabschiedet sich aus der Region

23.11.2021

Ein (Rück)Blick auf den Bahnverkehr Tübingen-Stuttgart

Das Land Baden-Würt­tem­berg hat den regio­na­len Bahn­ver­kehr mas­siv aus­ge­baut. Heu­te fah­ren rund 20 Pro­zent mehr Züge als vor 10 Jah­ren. Die Anbie­ter­land­schaft ist bun­ter gewor­den. So fah­ren bei­spiels­wei­se auf der Stre­cke zwi­schen Tübin­gen und Stutt­gart, die durch mei­nen Wahl­kreis führt, die Deut­sche Bahn (DB Regio) und Abel­lio. Abel­lio wird sich auf­grund wirt­schaft­li­cher Pro­ble­me aus dem Markt zurück­zie­hen. Ich sage „lei­der“, denn ich habe mit Abel­lio genau­so eng und gut zusam­men gear­bei­tet wie mit der DB. Der Wett­be­werb hat sich ins­ge­samt bewährt. Zugleich haben sich Gren­zen gezeigt und Auf­ga­ben­trä­ger sehen, wor­auf bei zukünf­ti­gen Aus­schrei­bun­gen zu ach­ten ist.[1] Für mich als Wahl­kreis­ab­ge­ord­ne­ter war und ist es so: Ich bekam frü­her vie­le Fahr­gast-Beschwer­den, als die DB auf der genann­ten Stre­cke noch allei­ne unter­wegs war und ich bekom­me die­se Beschwer­den nach wie vor, seit zwei Unter­neh­men unter­wegs sind. Dass „frü­her alles bes­ser“ war, wie eini­ge im Rück­blick mei­nen, lässt sich nicht bele­gen (wor­auf auch die Gra­fik nicht hin­deu­tet). Die Pünkt­lich­keits­wer­te waren und sind bei kei­nem Unter­neh­men zufrie­den­stel­lend. Dies zeigt: Zu oft sind die Ver­kehrs­un­ter­neh­men von Stö­run­gen an den Fahr­zeu­gen und an der Infra­struk­tur sowie unzu­rei­chen­den Kapa­zi­tä­ten der Stre­cken betrof­fen. Denn wäh­rend die Bahn­an­ge­bo­te in den letz­ten Jah­ren stark ange­wach­sen sind, ist die Infra­struk­tur nicht mit­ge­wach­sen. Wir benö­ti­gen drin­gend den Aus­bau der Stre­cke, um mehr Zuver­läs­sig­keit zu bie­ten und Wei­ter­ent­wick­lun­gen der Ange­bo­te im Inter­es­se der Fahr­gäs­te ermög­li­chen zu können.

[1] Im Posi­ti­ons­pa­pier von Dezem­ber 2020 schrieb die Bun­des­tags­frak­ti­on der Grü­nen zu die­sem The­ma (stark gekürzt): Wir Grü­ne im Bun­des­tag ver­ste­hen uns als Garan­ten eines guten und attrak­ti­ven Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehrs und wol­len an dem Bestel­ler-Erstel­ler-Prin­zip mit Aus­schrei­bun­gen fest­hal­ten. Aller­dings muss die aktu­ell aus­ge­üb­te Pra­xis eva­lu­iert und wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Ins­be­son­de­re benö­tigt es eine Reform der in man­chen Bun­des­län­dern zu klei­nen Auf­ga­ben­trä­ger. (..) Zudem müs­sen bei den Anschaf­fun­gen die gesam­ten Life-Cycle-Cos­ts der Fahr­zeu­ge berück­sich­tigt wer­den. (..) Der Wett­be­werb hat zu einer Redu­zie­rung der Kos­ten pro Zug­ki­lo­me­ter geführt. Die­ser Preis­kampf darf jedoch nicht auf dem Rücken der Beschäf­tig­ten erfol­gen. Daher ist für uns die Tarif­bin­dung in den Aus­schrei­bun­gen eine zwin­gen­de Vor­aus­set­zung, wie es bei den letz­ten Aus­schrei­bun­gen inzwi­schen zurecht Stan­dard ist. Vor einer Ver­ga­be ist die wirt­schaft­li­che Aus­kömm­lich­keit der Ange­bo­te inten­siv zu prü­fen. Weder auf Ebe­ne der Län­der noch auf Ebe­ne des Bun­des dür­fen Aus­schrei­bungs­mo­del­le zu Las­ten der Beschäf­tig­ten aus­ge­stal­tet wer­den. (..) Auch “bahn­be­trieb­li­che” Kri­te­ri­en soll­ten beach­tet wer­den. Hier­zu gehö­ren tech­ni­sche Aus­stat­tungs­merk­ma­le, mit denen sich Fahr­plä­ne best­mög­lich ein­hal­ten las­sen wie die auto­ma­ti­sche Fahr- und Brems­steue­rung, um die zuläs­si­ge Maxi­mal­ge­schwin­dig­keit opti­mal aus­fah­ren zu kön­nen oder auch Türen in aus­rei­chen­der Anzahl und Brei­te für einen zügi­gen Fahr­gast­wech­sel und kur­ze Stand­zei­ten in den Sta­tio­nen. (..) Bei den Aus­schrei­bun­gen von Ver­kehrs­leis­tun­gen wol­len wir neben dem Preis auch Qua­li­täts­aspek­te als Ver­ga­be­kri­te­ri­en ein­füh­ren. So kön­nen auch inno­va­ti­ve Ange­bo­te bes­ser berück­sich­tigt wer­den. Hier­zu gehö­ren bei­spiels­wei­se Vor­ga­ben für per­so­nel­le Reser­ven und ver­bind­li­che Bereit­schafts­diens­te für einen ver­läss­li­chen Betrieb. (..) Zudem müs­sen die Ver­trags­stra­fen für Ver­spä­tun­gen ver­ur­sa­cher­ge­recht aus­ge­legt werden.

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