Anhörung zur Zukunft der Nachtzüge

15.03.2017

Die Öster­rei­cher haben das Geschäft der DB über­nom­men

Im Dezem­ber 2016 ende­te bei der Deut­schen Bahn eine Ära: Das Nacht­zug­ge­schäft mit Schlaf- und Lie­ge­wa­gen wur­de nach vie­len Jahr­zehn­ten wohl end­gül­tig ein­ge­stellt. Zum Glück haben die Öster­rei­cher zumin­dest ein Teil davon geret­tet.

Unter dem Namen „ÖBB Night­jet“ betrei­ben die Öster­rei­chi­schen Bun­des­bah­nen bei­spiels­wei­se die „deut­schen“ Lini­en von Inns­bruck über Mün­chen nach Ham­burg und von Zürich nach Ber­lin. Die Deut­sche Bahn hat der­weil ihr ICE- und IC-Ange­bot in den Nacht­stun­den aus­ge­baut. Die DB sagt, sie habe in die­sen neu­en Ange­bo­ten mehr Fahr­gäs­te als frü­her in ihren Nacht­zü­gen mit den Schlaf- und Lie­ge­wa­gen. Und die ÖBB berich­ten von hohen Aus­las­tun­gen ihrer von der DB über­nom­me­nen Zügen und gehen von einem zumin­dest knapp wirt­schaft­li­chen Betrieb aus. Frü­her war das eine Ange­bot ein Minus­ge­schäft und jetzt sol­len zwei Ange­bo­te plötz­lich ren­ta­bel gefah­ren wer­den? Wie kann das sein? Bei einem Fach­ge­spräch im Bun­des­tags-Ver­kehrs­aus­schuss zum The­ma „Nacht­zü­ge“ ging es auch um die­se Fra­gen.

Sei­tens der ÖBB war zu hören, dass der Schlaf­wa­gen ein „Selbst­läu­fer“ sei, der sich einer hohen Nach­fra­ge und guter Zah­lungs­be­reit­schaft sei­tens der Fahr­gäs­te erfreue. De ÖBB mach­ten bereits vor der Über­nah­me der DB-Nacht­rei­se­zü­ge 17 Pro­zent ihres Umsat­zes im Nacht­ver­kehr. Als Begrün­dung führ­te das Unter­neh­men an, dass Wien nicht ans Hoch­ge­schwin­dig­keits­netz ange­schlos­sen sei. Rei­se­zei­ten sei­en daher län­ger als die in Deutsch­land mit dem ICE oder die in Frank­reich mit dem TGV. Dies ver­schaf­fe dem Nacht­rei­se­zug inner­halb des Sys­tems Schie­ne eine star­ke Posi­ti­on. Außer­dem lau­fe die Koope­ra­ti­on mit der DB, die u. a. als Ver­triebs­part­ner auf­tre­te und auch der Schwei­zer SBB sehr gut. Für die DB habe sich, so deren Ver­tre­ter, der Nacht­zug als Nischen­pro­dukt nicht „wirt­schaft­lich pro­du­zie­ren“ las­sen.

Es gibt auch Posi­ti­ves für die Zukunft zu berich­ten: Die ÖBB wer­den ab Dezem­ber 2017 ver­mut­lich die Abfahrts- und Ankunfts­zei­ten ihrer Nacht­zü­ge ver­än­dern (die Ankunft um 6 Uhr in Ber­lin kommt gera­de für die meis­ten Geschäfts­rei­sen­den zu früh). Außer­dem bestä­tig­ten die ÖBB ent­spre­chen­de Pres­se­be­rich­te, wonach Inves­ti­tio­nen in drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he vor­ge­se­hen sind. So wol­len die Öster­rei­cher die DB-Stu­die für den Ein­bau von „Mini-Suits“ in Angriff neh­men. Denn die Lie­ge­wa­gen sto­ßen zuneh­mend (so war es auch schon bei der DB) auf Akzep­tanz­pro­ble­me, da sich die Fahr­gäs­te immer sel­te­ner gemein­sam mit frem­den Per­so­nen im Abteil zur Ruhe legen wol­len.

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