Auf der IAA: Wie weit ist die E‑Mobilität?

27.09.2016

Busse und Lkw im Fokus

Auf der Inter­na­tio­na­len Auto­mo­bil­aus­stel­lung (IAA) stan­den in die­sem Jahr die Nutz­fahr­zeu­ge im Mit­tel­punkt. Bei mei­nem Rund­gang habe ich mich vor allem über E‑Antriebe bei Bus­sen und Lkw sowie die Bar­rie­re­frei­heit bei Bus­sen infor­miert.

Bei Iveco habe ich mir einen mit LNG (auf minus 130 bis 150 Grad her­un­ter­ge­kühl­tes Flüs­sig­erd­gas) Lkw ange­schaut. Er hat eine Reich­wei­te von 1.500 Kilo­me­ter. Vor­tei­le: Um 5 dB(A) weni­ger Lärm, kein Ruß und weni­ger CO2. Nach­teil: Erd­gas ist ein fos­si­ler, end­li­cher Roh­stoff. Er kann zwar durch Bio­me­than ersetzt wer­den. Dann wird er aber aus Mais, Raps oder auch aus Holz­ab­fäl­len her­ge­stellt und steht in Kon­kur­renz zur Lebens­mit­tel­er­zeu­gung oder zur Strom- und Wär­me­ge­win­nung. Außer­dem gibt es zu weni­ge Tank­stel­len. Nach Ein­schät­zung des Her­stel­lers wür­den (zunächst) rund 10 Tank­stel­len im Bun­des­ge­biet aus­rei­chen, um eine ent­spre­chen­de Nach­fra­ge­stei­ge­rung zu errei­chen.

Daim­ler bot mal wie­der die flä­chen­mä­ßig größ­te, aber auch eine der optisch anspre­chends­ten Prä­sen­ta­tio­nen. Ich konn­te mir einen mit­tel­gro­ßen Elek­tro-Lkw anschau­en, der im Jahr 2020 in Serie gehen soll. Sei­ne Reich­wei­te wird aus heu­ti­ger Sicht bei etwa 200 Kilo­me­ter lie­gen. Auch ein selbst­fah­ren­der Bus wur­de mir vor­ge­stellt, der momen­tan in den Nie­der­lan­den (zur Sicher­heit noch mit Fah­rer) erprobt wird. Ins­ge­samt ist Daim­ler, was die E‑Mobilität bei Nutz­fahr­zeu­gen angeht, nicht unter den Pio­nie­ren zu fin­den. So gibt es lei­der noch kei­nen bat­te­rie­elek­tri­schen E‑Bus die­ses Her­stel­lers. Ich fin­de es bedau­er­lich, dass Daim­ler die­sen Markt pol­ni­schen, tsche­chi­schen und tür­ki­schen Her­stel­lern über­lässt und sich nicht über die Hybrid­tech­nik hin­aus wagt.

e-bus-2Etwas wei­ter ist hier MAN – zumin­dest mit einem Test­fahr­zeug. Ich konn­te mir einen rei­nen E‑Bus mit knapp 70 Sitz­plät­zen anschau­en und sel­ber die „Betan­kung“ über­neh­men. Der Bus mit einer Reich­wei­te von 200 Kilo­me­tern soll 2018 in Serie gehen. Bei MAN habe ich mir auch die tech­ni­schen Lösun­gen für bar­rie­re­freie Rei­se­bus­se ange­schaut. Ein Hoch­flur-Rei­se­bus ver­fügt über einen Lift für Men­schen im Roll­stuhl, aller­dings nur als Son­der­an­fer­ti­gung für einen Auf­preis von 20–25.000 Euro. Auch hier wur­de ich auf die feh­len­de Nor­mie­rung von Roll­stüh­len ange­spro­chen. Im Fern­ver­kehr gilt die Anschnall­pflicht. Der Bus­fah­rer kann aber nicht erken­nen, wel­cher Roll­stuhl über ent­spre­chen­de Kraft­kno­ten ver­fügt, um am Bus gesi­chert wer­den zu kön­nen. Ein ande­rer Rei­se­bus, ein Dop­pel­de­cker­mo­dell, ist nie­der­flu­rig gebaut. Hier kann der Mensch im Roll­stuhl über eine ein­fa­che Faltram­pe ein­fah­ren.

Beson­ders gespannt war ich auf den Mes­se­be­such bei Streets­coo­ter. Das Unter­neh­men wur­de 2011 gegrün­det und streetscooter-e-lieferfahrzeug-12013 von der Post auf­ge­kauft. Es baut in Aachen für die Post klei­ne Elek­tro-Lie­fer­fahr­zeu­ge. Es sagt von sich sel­ber, dass die Fahr­zeu­ge nicht mit den Qua­li­täts­an­sprü­chen ande­rer Her­stel­ler ver­gleich­bar sei­en. Dafür wur­den die Post­fahr­zeu­ge gemein­sam mit den Nut­zern ent­wi­ckelt und für den spe­zi­el­len Ein­satz­zeck kon­zi­piert. So erleich­tern die Türen und Sit­ze das schnel­le und kom­for­ta­ble Ein- und Aus­stei­gen. Der Lade­raum ist ergo­no­misch ange­legt, so dass man sich weder bücken noch in den Lade­raum hin­ein krie­chen muss. „So etwas Cle­ve­res haben die ande­ren Fahr­zeug­bau­er nicht im Sor­ti­ment“, heißt es bei Streets­coo­ter. Die Dritt­ver­mark­tung wird aktu­ell geprüft. Über 1.000 Fahr­zeu­ge wur­den bereits aus­ge­lie­fert. Die Fabri­ka­ti­ons­ka­pa­zi­tät wur­de ver­fünf­facht. Im kom­men­den Jahr sol­len 10.000 der klei­nen Lie­fer­fahr­zeu­ge pro­du­ziert wer­den. Sie sind, so die Aache­ner, „abso­lut kon­kur­renz­fä­hig“, weil wenig war­tungs­an­fäl­lig. Und die Kunst­stoff­ver­klei­dung kann, wenn sie bei Unfäl­len beschä­digt wur­de, pro­blem­los aus­ge­tauscht wer­den. Auch das The­ma Sicher­heit haben wir dis­ku­tiert. Laut Her­stel­ler wur­den hier kei­ne Abstri­che gemacht, im Gegen­teil: Bei Crash­tests hät­ten sich die Fahr­zeu­ge als ver­gleich­bar sicher mit ande­ren erwie­sen. Außer­dem sei­en „typi­sche Post­un­fäl­le“ simu­liert wor­den. Streets­coo­ter stellt übri­gens auch Las­ten-Pedel­ecs her. Das ein­spu­ri­ge Modell kann bis zu 50 Kilo­gramm zula­den, das zwei­spu­ri­ge („E‑Trike“) ent­spre­chend mehr. Lei­der habe ich Las­ten­rä­der auf der Mes­se nicht gese­hen.

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