Aus dem Alltag eines Polizisten

31.07.2020

Öffentliche Veranstaltung verschaffte Einblicke

Was waren die Grün­de, den Poli­zei­be­ruf gewählt zu haben? Wie wird man auf kniff­li­ge Situa­tio­nen vor­be­rei­tet? Wie sieht es mit dem Respekt aus, den ein Poli­zist im Ein­satz erfährt? Aber auch: Wie weit ver­brei­tet ist der aktu­ell dis­ku­tier­te Ras­sis­mus bei der Poli­zei wirk­lich?

Die­se und vie­le wei­te­re Fra­gen stell­te ich Alex­an­der Buhl, dem stell­ver­tre­ten­den Lan­des­ju­gend­vor­stand der Gewerk­schaft der Poli­zei (GdP), Poli­zei­be­am­ter im Revier Ess­lin­gen und regel­mä­ßig zwi­schen Ess­lin­gen, Plochingen/Reichenbach und dem Schur­wald auf Strei­fe. Herr Buhl trat in sei­ner Rol­le als Mit­glied im Vor­stand der Gewerk­schaft GdP auf.

Ich sel­ber war in den Jah­ren als Abge­ord­ne­ter sel­ber oft zu Gesprä­chen bei ver­schie­de­nen Poli­zei­stel­len und bin auch schon zwei­mal nächt­li­che Strei­fen mit­ge­fah­ren. Ein­bli­cke in Poli­zei­ar­beit woll­te ich auch inter­es­sier­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­gern ermög­li­chen.

Herr Buhl berich­te­te erst aus sei­nem Wer­de­gang und sei­nen Moti­ven für die Berufs­wahl: Er hat­te schon als Kind den Wunsch, zur Poli­zei zu gehen. Weil er aber nach dem Schul­ab­schluss zu jung war, um direkt in die Aus­bil­dung zu star­ten, ging er zunächst zum Zoll und schloss dann die Aus­bil­dung bei der Poli­zei an. Bereut, so ver­si­cher­te er, habe er sei­ne Ent­schei­dung nie. In den meis­ten All­tags­si­tua­tio­nen emp­fin­det er die Akzep­tanz der Poli­zei als hoch, die Poli­zei wer­de meist als hel­fend wahr­ge­nom­men.

Bei den Gewalt­ex­zes­sen in Stutt­gart vor eini­gen Wochen, bei denen er sel­ber nicht im Ein­satz war, war hin­ge­gen alles anders. Die betei­lig­ten Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen sei­en über das Aus­maß an Aggres­si­on geschockt gewe­sen. Es habe jedoch ein gutes poli­zei­li­ches Kon­zept für die Nach­be­treu­ung gege­ben und die Poli­zei habe im Nach­gang auch gute poli­ti­sche Unter­stüt­zung erhal­ten. In die Diens­te nach den Kra­wal­len sei­en vie­le der Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen den­noch mit belas­ten­den Gedan­ken gegan­gen. An sich sei­en die Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten durch ihre Aus­bil­dung heu­te weit­aus bes­ser als frü­her auf heik­le Ein­sät­ze vor­be­rei­tet.

Ich ließ auch die aktu­el­le Debat­te um „Racial Pro­filing“ ein­flie­ßen. Dabei geht es dar­um, dass Per­so­nen mit beson­de­ren äuße­ren Merk­ma­len wie der Haut­far­be, häu­fi­ger kon­trol­liert wer­den. Mein State­ment: Dafür kann es Grün­de geben. Wich­tig ist, dass es die­se Grün­de tat­säch­lich und nach­weis­lich gibt und sen­si­bel mit die­sen Kon­trol­len umge­gan­gen wird. Es darf nicht der Ein­druck ent­ste­hen, dass äuße­re Merk­ma­le auto­ma­tisch für Kon­flik­te mit dem Gesetz ste­hen.

Wir spra­chen anschlie­ßend über den Arbeits­auf­wand für die „Büro­kra­tie“ („Den Groß­teil unse­rer Arbeits­zeit sind wir drau­ßen auf der Stra­ße“) und die Rei­ze des Berufs („viel­fäl­tig und abwechs­lungs­reich“) sowie die Aus­stat­tung der Poli­zei („Wir sind grund­sätz­lich gut und ein­satz­taug­lich aus­ge­stat­tet, teil­wei­se sind wir im Land damit sogar bun­des­weit füh­rend“).

Mit der aktu­ell lau­fen­den Debat­te um Ras­sis­mus bei der Poli­zei sprach ich ein wei­te­res sen­si­bles The­ma an. Herr Buhl sprach davon, dass die Poli­zei ver­mut­lich einen Quer­schnitt durch die Gesell­schaft dar­stel­le, wobei sie in beson­de­rer Wei­se den Ver­fas­sungs­prin­zi­pi­en ver­pflich­tet sei. Er sel­ber habe bis­lang kei­ne ras­sis­ti­schen Vor­fäl­le in der Poli­zei regis­triert und ver­wies auf Fort­bil­dun­gen, in denen immer wie­der auf die kla­ren Erwar­tun­gen an die Poli­zei­ar­beit hin­ge­wie­sen wer­de.

Ich erin­ner­te an die Debat­te um eine mög­li­che Stu­die über Ras­sis­mus bei der Poli­zei, die vom Bun­des­in­nen­mi­nis­ter abge­lehnt wird. Das wird von man­chen Sei­ten, so auch von uns Grü­nen, kri­ti­siert. Inner­halb der GdP gibt es ein­zel­ne Stim­men, die in einer sol­chen Stu­die – wie auch ich – eine Chan­ce sehen. So ver­weist die GdP-Lan­des­vor­sit­zen­de aus Rhein­land-Pfalz auf eine ähn­li­che Stu­die aus den 1990er-Jah­ren, die hilf­reich gewe­sen sei, weil sie gewis­se Schwä­chen und Hand­lungs­be­dar­fe bei der Poli­zei auf­ge­deckt habe. Außer­dem wies sie dar­auf hin, dass auch Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund immer wie­der mal intern dis­kri­mi­niert wur­den und auch dies Gegen­stand einer Stu­die sein kön­ne.

Wo lie­gen die Gefah­ren einer aus­ge­präg­ten Kame­rad­schaft, lau­te­te eine wei­te­re Fra­ge mei­ner­seits an den Poli­zei­be­am­ten und Gewerk­schafts­ver­tre­ter. Einer­seits, so Buhl, sei ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis wich­tig und man müs­se Erleb­nis­se unter­ein­an­der offen bespre­chen kön­nen. Zugleich müs­se Kame­rad­schaft in einer pro­fes­sio­nel­len Arbeits­wei­se auch Gren­zen haben, um Raum für berech­tig­te Kri­tik zu las­sen und Trans­pa­renz nach Innen und Außen zu ermög­li­chen. Vor­ge­setz­te wür­den dar­auf ach­ten.

Wie wich­tig und hilf­reich sind inter­kul­tu­rel­le Kom­pe­ten­zen bei der Poli­zei gewor­den und inwie­fern kön­nen Polizist*innen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund die Arbeit der Poli­zei unter­stüt­zen? „Es ist gut, Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus ande­ren Kul­tur­krei­sen unter uns zu haben. Man lernt von ihnen über ande­re Kul­tur­krei­se und sie kön­nen auch mal dol­met­schen und ver­mit­teln“, so Buhl.

Mei­ne Abschluss­fra­ge: Was wünscht sich ein Poli­zist von der nächs­ten Land­tags- und Bun­des­tags­wahl? „Eine bes­se­re Bezah­lung“ war kei­nes­wegs die ein­zi­ge Ant­wort. Viel­mehr nann­te Alex­an­der Buhl auch: Die Poli­tik dürf­te ger­ne häu­fi­ger an die „Poli­zei­ba­sis“ kom­men und Ein­bli­cke in die Arbeit neh­men sowie zei­gen, dass sie hin­ter der Poli­zei­ar­beit ste­he.

Gut, den­ke ich. Dann weiß ich, was ich mir für die nahe Zukunft wie­der mal vor­neh­me. Es gibt ja noch Poli­zei­pos­ten in mei­nem Wahl­kreis, die ich noch nicht besucht habe …

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