Aus dem Alltag eines Polizisten

03.09.2017

„Der Umgang ist rup­pi­ger gewor­den“

“Aus dem All­tag eines Poli­zis­ten” war der Titel einer Ver­an­stal­tung, zu der ich nach Weil­heim unter Teck ein­ge­la­den hat­te. Es ging um die Attrak­ti­vi­tät des Poli­zei­diens­tes, um den gesell­schaft­li­chen Respekt den Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten gegen­über, um den Ein­satz beim G20-Gip­fel in Ham­burg sowie die per­so­nel­le und sach­li­che Aus­stat­tung der Poli­zei.

Zunächst habe ich aus der Arbeit der Bun­des­tags­frak­ti­on und von unse­ren sicher­heits­po­li­ti­schen Vor­stel­lun­gen berich­tet: Wir müs­sen sehen, dass offe­ne und demo­kra­ti­sche Gesell­schaf­ten wie die unse­re immer ver­wund­bar sein wer­den. Sicher­heit und Frei­heit wer­den immer wie­der aufs Neue mit­ein­an­der abge­wo­gen wer­den müs­sen. Aktio­nis­mus ohne Nut­zen für die Sicher­heit der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger leh­nen wir ab. Wir kri­ti­sie­ren, dass allei­ne zwi­schen den Jah­ren 2009 und 2015 über 1.000 Stel­len bei der Bun­des­po­li­zei abge­baut wur­den und for­dern, dies rück­gän­gig zu machen. Die Poli­zei wol­len wir per­so­nell und sach­lich gut aus­stat­ten. Die Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung wol­len wir ver­bes­sern, indem Defi­zi­te bei der Iden­ti­täts­fest­stel­lung von Ein­rei­sen­den beho­ben wer­den und in der EU der auto­ma­ti­sche Daten­ab­tausch bes­ser orga­ni­siert wird. Wir Grü­ne wol­len aber auch die Prä­ven­ti­on gegen men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gien ver­bes­sern, wozu eine gute Bil­dung in Kitas und Schu­len, die Erhö­hung der Demo­kra­tie- und Medi­en­kom­pe­tenz sowie die Stär­kung von Bera­tungs­stel­len zäh­len.

Mein Gesprächs­part­ner war Frank-Ulrich See­man, Poli­zist und am Ende sei­ner Poli­zei­lauf­bahn Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar. Sei­ne eige­ne Lauf­bahn, die ihn von der Aus­bil­dung und der Schutz­po­li­zei über die Aus­bil­dung bei der Kri­po zum Stu­di­um an der Poli­zei­hoch­schu­le führ­te, bezeich­ne­te er sel­ber als „nicht ganz typisch“. Dafür hat er reich­lich Erfah­run­gen sam­meln kön­nen: Im Groß­stadt­re­vier genau­so wie auf dem Land, bei der Bekämp­fung der Dro­gen- wie auch der Rocker­kri­mi­na­li­tät und vie­les mehr. Der Poli­zei­dienst bie­te eben eine „gro­ße Viel­falt an Mög­lich­kei­ten“.

Aus 40 Jah­ren Dienst­er­fah­rung kön­ne er fest­stel­len, dass der Umgang ins­be­son­de­re bestimm­ter groß­städ­ti­scher Milieus gegen­über den Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten rup­pi­ger gewor­den ist („Man­che mei­nen, ihnen gehört die Welt“). Auf mei­ne Fra­ge, wie es beim Groß­ein­satz beim G 20-Gip­fel in Ham­burg zu der­art hef­ti­gen Aus­schrei­tun­gen mit vie­len Ver­letz­ten auf bei­den Sei­ten kom­men konn­te, ant­wor­te­te See­mann, dass es trotz einer lan­gen Vor­be­rei­tungs­zeit zu vie­len poli­zei­li­chen Fehl­ein­schät­zun­gen und womög­lich auch nicht hilf­rei­chen poli­ti­schen Ein­fluss­nah­men gekom­men sei. Immer wie­der kom­me es vor, dass die Poli­tik von der Poli­zei erwar­te, dass die Staats­gäs­te mög­lichst nichts von den Pro­tes­ten mit­be­kom­men. Umso grö­ßer wird der Auf­wand, die Ver­an­stal­tung abzu­si­chern. Der Gip­fel hät­te aber auch nie in Ham­burg statt­fin­de dür­fen, warf ein im Publi­kum anwe­sen­der Poli­zist ein. Denn zu den gewalt­be­rei­ten Demons­tran­ten aus der Han­se­stadt könn­te pro­blem­los zusätz­lich eine gro­ße Anzahl wei­te­rer Gewalt­be­rei­ter anrei­sen. Die Aus­stat­tung der Poli­zei (zumin­dest in Baden-Würt­tem­berg) ist aus See­manns Sicht gut, manch­mal sogar über­zo­gen. Wor­an es hape­re sei­en ein guter Digi­tal­funkt und Hel­fer für die Bewäl­ti­gung des büro­kra­ti­schen Auf­wan­des wie Dik­tier­ge­rä­te. Hier­zu wäre es auch gut, wenn es das Berufs­bild eines „Poli­zei­fach­an­ge­stell­ten“ für die Erle­di­gung von Schreib­ar­bei­ten gebe, so dass die Poli­zei mehr Prä­senz „drau­ßen“ zei­gen kön­ne. Genau­so, wie die Auf­nah­me von Frau­en in den Poli­zei­dienst gut gewe­sen sei, genau­so brin­ge auch die zuneh­men­de Auf­nah­me von Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund bei der Poli­zei Vor­tei­le. Sie könn­ten sich bes­ser in Men­schen aus ande­ren Kul­tur­krei­sen hin­ein­den­ken und sich häu­fig bes­ser mit ihnen ver­stän­di­gen.

Was „Poli­zei­Grün“, der Ver­band in dem Frank-Ulrich See­mann Mit­glied ist, genau ist, woll­te ich zum Ende der Ver­an­stal­tung noch erfah­ren. Ant­wort: Ein klei­ner e. V. von grü­nen und grün­na­hen Poli­zei­an­ge­hö­ri­gen, die sich über ihre Vor­stel­lun­gen von Poli­zei­ar­beit aus­tau­schen. Zu den Auf­ga­ben zähl­ten die Bera­tung der Frak­tio­nen und poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger in poli­zei­spe­zi­fi­schen Fra­gen sowie die Mit­wir­kung bei der Aus­ge­stal­tung einer noch moder­ne­ren und bür­ger­freund­li­che­ren Poli­zei.

Fazit: Das Publi­kum und ich beka­men sach­kun­di­ge Ant­wor­ten und Erzäh­lun­gen aus 40 Jah­ren Poli­zei­ar­beit gebo­te. Dass aus dem Publi­kum der Wunsch kam, die­ses neue Ein­bli­cke ermög­li­chen­de Ver­an­stal­tungs­for­mat an einem ande­ren Ort zu wie­der­ho­len, freut mich beson­ders.

 

 

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