Bahn kommt schrittchenweise heraus aus Schattendasein

01.11.2019Mit Thomas Gehring MdL auf der Baustelle für den neuen Bahnhof in Lindau-Reutin

Unterwegs im östlichen Bodenseeraum und im Allgäu

Der Bodenseeraum und das Allgäu sind starke Tourismus- und Wirtschaftsregionen. Während die Regionen gut mit Straßen erschlossen sind und diese sogar noch aus- und neugebaut (siehe B 31) werden, fristet die Bahn überwiegend ein trauriges Dasein. Viele Bahnstrecken sind nur eingleisig und nicht elektrifiziert. Doch es tut sich etwas (wenngleich noch viel zu wenig):

Die Südbahn von Ulm über Friedrichshafen nach Lindau wird gerade elektrifiziert (Fertigstellung Ende 2021), Stellwerke und Bahnübergänge werden modernisiert. Auch die Bahnstrecke (München -) Geltendorf – Lindau wird derzeit elektrifiziert und für den Einsatz von (schweizer) Neigetechnikzügen ausgebaut. In Lindau-Reutin entsteht ein neuer Festland-Bahnhof mit vier Bahnsteigkanten, von denen die längste 400 Meter messen wird. Die Herstellung des neuen Knotens wird 160 Millionen Euro kosten. Gemeinsam mit Thomas Gehring MdL aus Bayern habe ich die Baustelle besichtigt und mich von Vertretern der Deutschen Bahn (DB) informieren lassen. Im Dezember 2020 soll der neue Bahnknoten in Betrieb gehen. Erwartet werden täglich 5.000 ein- und umsteigende Fahrgäste. Die Fahrzeit des EC von München über Lindau nach Zürich wird sich von heute 4:40 auf 3:30 Stunden deutlich reduzieren und die Verbindung wird häufiger angeboten werden. Für die Fahrgäste mehr als bedauerlich ist, dass sie sich über Jahre hinweg mit einem für einen Bahnhof unzureichenden Umfeld werden begnügen müssen. Die DB hat lediglich schlichte Wetterhäuschen vorgesehen. Dienstleistungen wie Kiosk oder Bäcker können erst später, wenn die Stadt das Umfeld überplant hat, entstehen. Lindaus Oberbürgermeister bemängelte im Gespräch denn auch, die mache nicht mehr als sie muss. Eine Abstellanlage für Züge soll vermutlich im 3. Quartal 2021 kommen.

Leider sollen am Bodensee und im Allgäu eingleisige Strecken eingleisig und ohne zusätzliche Kreuzungspunkte bleiben und es sollen „Diesellöcher“ verbleiben, weil der Bund sich aus seiner Verantwortung für „seine Bundesschienenwege“ davonstiehlt.

Später haben wir den Bahnhof in Immenstadt besichtigt und uns dort mit Vertreter*innen von Behindertenverbänden getroffen. Der Bahnhof ist leider nicht barrierefrei – und dennoch gibt es noch nicht einmal Umbaupläne. Das vom Bund angekündigte Bahnhofs-Sanierungsprogramm, das mit lediglich 20 bis 30 Millionen Euro ausgestattet sein soll, wird für die vielen Bahnhöfe wie diesen keine Lösung bringen können. Hier muss ein ausreichend ausgestattetes Programm für die barrierefreie Sanierung von Bahnhöfen aufgelegt werden, um allen Mobilität ermöglichen zu können!

Das könnte auch interessant sein:

Related Posts

Mitreden.

Die Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Angaben, die benötigt werden, sind mit * markiert.


Die Regeln für Diskussionsbeiträge sind verpflichtend.

*