Bahnstrecke Tübingen – Stuttgart ausbauen!

29.03.2021

Brief an Bundesverkehrsminister und DB-Chef

Sehr geehr­ter Herr Minis­ter Scheuer,

sehr geehr­ter Herr Dr. Lutz,

die Bahn­stre­cke zwi­schen Tübin­gen und Stutt­gart zählt zu den am stärks­ten belas­te­ten Stre­cken. Die hohe Nach­fra­ge nach Ver­kehrs­leis­tun­gen auf die­ser Bahn­stre­cke ist einer­seits sehr erfreu­lich. Die Ver­kehrs­an­ge­bo­te wie auch die Fahr­gast­zah­len sind in den letz­ten Jah­ren deut­lich gestie­gen. So stieg die Zahl der Ver­kehrshal­te im Regio­nal­ver­kehr in Tübin­gen seit dem Jahr 2013 von 177 auf 324 Züge pro Tag an. Es zei­gen sich zugleich aber auch immer mehr die Gren­zen der Kapa­zi­tät. Dies schlägt sich bei der Zuver­läs­sig­keit der Züge nie­der. Uns als Abge­ord­ne­te mit Wahl­krei­sen ent­lang der Stre­cke errei­chen seit Jah­ren – unab­hän­gig vom jewei­li­gen Ver­kehrs­un­ter­neh­men im Regio­nal­ver­kehr – ent­spre­chend vie­le Beschwer­den von Fahr­gäs­ten. Zu den infra­struk­tu­rel­len Män­geln kommt hin­zu, dass wegen der begrenz­ten Kapa­zi­tät im zukünf­ti­gen Tief­bahn­hof in Stutt­gart dort kei­ne Züge mehr begin­nen und enden kön­nen. Die sich dar­aus erge­ben­den Durch­bin­dun­gen von Regio­nal­zü­gen sor­gen zwar für mehr umstei­ge­freie Ver­bin­dun­gen, sind aber zugleich auch verspätungsanfälliger.

In einer gemein­sa­men Ver­an­stal­tung mit Fach­leu­ten aus der Ange­bots­pla­nung, der betrieb­li­chen Pra­xis und der Infra­struk­tur haben wir eini­ge infra­struk­tu­rel­len Hand­lungs­be­dar­fe her­aus­ge­ar­bei­tet. Die­se stel­len wir Ihnen hier vor:

Auf dem 13,4 Kilo­me­ter lan­gen Abschnitt zwi­schen Tübin­gen und Reut­lin­gen gibt es kei­ne Über­leit­stel­len. So ist bei Stö­run­gen, bei­spiels­wei­se lie­gen geblie­be­nen Zügen, die betrieb­li­che not­wen­di­ge Fle­xi­bli­tät stark ein­ge­schränkt. Eine Über­leit­mög­lich­keit etwa auf Höhe Wannweil/Kirchentellinsfurt wür­de für eine Ent­span­nung sor­gen. Wir kön­nen ange­sichts die­ser bestehen­den Ein­schrän­kun­gen nicht nach­voll­zie­hen, dass die Bun­des­re­gie­rung hier „kei­nen ver­kehr­li­chen oder betrieb­li­chen Bedarf“ sieht, wie sie in ihrer Ant­wort auf unse­re Klei­ne Anfra­ge (Bun­des­tags-Drs. 19/22040) geschrie­ben hat­te. Die Schie­nen­in­fra­struk­tur darf nicht nur auf pünkt­li­che Züge aus­ge­legt sein, son­dern muss auch bei Stö­run­gen funk­ti­ons­fä­hig sein.

Auf dem fast 14 Kilo­me­ter lan­gen Abschnitt zwi­schen Met­zin­gen und Nür­tin­gen gibt es nur ein Block­si­gnal, das sich in etwa in der Stre­cken­mit­te befin­det. Dies führt zu lan­gen Block­ab­schnit­ten und schränkt dadurch die Kapa­zi­tät der Stre­cke ein. Im Fal­le einer Signal­stö­rung muss im bis zum nächs­ten Signal, im Extrem­fall bis zu sie­ben Kilo­me­ter, auf Sicht gefah­ren wer­den, tags­über mit maxi­mal 40 Stun­den­ki­lo­me­ter, nachts mit nur 15 Stun­den­ki­lo­me­ter. Wir bit­ten, dass der Ein­bau von zwei wei­te­ren Block­si­gna­len geplant wird.

Die maxi­mal fahr­ba­re Stre­cken­ge­schwin­dig­keit zwi­schen Tübin­gen und Stutt­gart wech­selt zwi­schen 110 und 120 Stun­den­ki­lo­me­ter, an bestimm­ten Stel­len wie rund um die Bahn­hö­fe in Met­zin­gen, Nür­tin­gen und Ess­lin­gen bricht sie teils deut­lich ein. Die Tras­sie­rung soll­te mehr erlau­ben, wenn die Kur­ven­über­hö­hung ange­passt wird, wodurch die Fahr­sta­bi­li­tät bei höhe­ren Geschwin­dig­kei­ten gesi­chert wird. Höhe­re Geschwin­dig­kei­ten soll­ten teil­wei­se für Rei­se­zeit­re­du­zie­run­gen und teil­wei­se für eine höhe­re Fahr­plan­sta­bi­li­tät genutzt wer­den. Die ein­ge­setz­ten Fahr­zeu­ge sind auf Höchst­ge­schwin­dig­kei­ten von bis zu 160 Stun­den­ki­lo­me­ter aus­ge­legt. Wir bit­ten zu prü­fen, wie die fahr­ba­re Stre­cken­ge­schwin­dig­keit auf mög­lichst vie­len Abschnit­ten erhöht wer­den kann.

Ein beson­de­res Pro­blem stellt der Bahn­kno­ten Plochin­gen dar. Er ist geprägt durch

lang­sa­me Ein- und Aus­fahr­ten. Die­se lie­gen im Regel­fall bei 60, teil­wei­se auch nur bei 40 Stun­den­ki­lo­me­ter. Dies hat mit den Wei­chen und niveau­glei­chen Gleis­que­run­gen zu tun. So kann bei­spiels­wei­se nicht gleich­zei­tig ein Zug aus Tübin­gen kom­mend ein- und ein Zug in Rich­tung Ulm aus­fah­ren. Wir bit­ten den Ein­bau schnel­ler befahr­ba­rer Wei­chen zu pla­nen und den Bau von Über­wer­fungs­bau­wer­ken zu prüfen.

Im Inter­es­se der Fahr­gäs­te und der aus Kli­ma­schutz­grün­den erfor­der­li­chen Ver­kehrs­ver­la­ge­run­gen auf die Schie­ne sehen wir drin­gen­de Handlungsbedarfe.

Daher bit­ten wir, not­wen­di­ge infra­struk­tu­rel­le Anpas­sun­gen nicht hin­aus zu zögern, son­dern zügig in Angriff zu nehmen.

Mit freund­li­chen Grüßen

Mat­thi­as Gast­el MdB (Wahl­kreis Nürtingen)

Bea­te Mül­ler-Gemme­ke (Wahl­kreis Reutlingen)

Chris Kühn (Wahl­kreis Tübingen)

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