Bestes Wahlergebnis, aber unter unserem Potential

04.10.2021

Aufarbeitung nötig – Jetzt aber Blick auf Koalitionsbildung

Kaum etwas ist rela­ti­ver als unser Wahl­er­geb­nis bei der Bun­des­tags­wahl. Im Ver­hält­nis zu 2017 konn­ten wir uns deut­lich stei­gern. Wir haben den stärks­ten Zuwachs aller Par­tei­en und unse­ren bes­ten jemals erziel­ten Wert erreicht. Die SPD hin­ge­gen hat ihr dritt­schlech­tes­tes Ergeb­nis seit 1949 ein­ge­fah­ren – und gilt doch als Wahlgewinnerin.

Der Maß­stab ist eben immer auch die Erwar­tung. Und die lag bei uns Grü­nen beson­ders hoch. Für einen Zustim­mungs­wert von 14,7 Pro­zent hat­ten wir kei­ne Kanz­ler­kan­di­da­tin auf­ge­stellt. Das tat­säch­li­che Ergeb­nis hat auch so man­che Wahlkämpfer*in über­rascht. Gefühlt waren die Stim­mung so gut und die Ableh­nung grü­ner Posi­ti­on so gering wie nie zuvor. Ob an Info­stän­den oder Über­ra­schungs­be­su­chen an den Haus­tü­ren: Es gab neben der ein oder ande­ren Belei­di­gung vor allem viel Zuspruch, Ermun­te­rung und Opti­mis­mus. Unge­wöhn­lich häu­fig war auch zu hören: „Sie haben mei­ne Stim­me“. Dass die­ser Ein­druck nicht falsch gewe­sen sein muss zeigt der Blick auf die Brief­wahl­er­geb­nis­se: Die­se fie­len höher aus als die der am eigent­li­chen Wahl­tag abge­ge­be­nen Stim­men. Kurz vor knapp müs­sen also noch Stim­men zur SPD, aus Angst vor „R2G“ manch­mal auch zu den Uni­ons­par­tei­en, gewan­dert sein. Letz­te Umfra­gen vor dem Wahl­sonn­tag hat­ten bereits dar­auf hin­ge­deu­tet. Dies alles kann aber nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass es schon zuvor – durch eige­ne Feh­ler – zu einer Selbst­schwä­chung gekom­men war. Unser Wahl­kampf gehört selbst­kri­tisch auf­ge­ar­bei­tet, um dar­aus für die Zukunft zu ler­nen. Dies habe (nicht nur) ich mehr­fach in der neu­en Frak­ti­on eingefordert.

Zunächst ein­mal steht aber die Bil­dung einer neu­en Bun­des­re­gie­rung im Vor­der­grund. Eine „Ampel“ wird nicht ein­fach zum Leuch­ten zu brin­gen sein. Sie stellt aber zugleich auch eine gro­ße Chan­ce dar, den Gro­Ko-Still­stand im Land end­lich zu been­den und in vie­len Poli­tik­be­rei­chen neue Wege zu beschrei­ten. Ich freue mich, gemein­sam mit dem hes­si­schen Wirt­schafts- und Ver­kehrs­mi­nis­ter Tarek Al-Wazir die Vor­be­rei­tungs-Grup­pe für die Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen im Ver­kehrs­be­reich lei­ten zu dür­fen. Span­nend wird sein, inwie­fern es gelingt, aus Gegen­sät­zen krea­ti­ve Ver­stän­di­gun­gen für die Lösung gro­ßer Her­aus­for­de­run­gen zu entwickeln.

Hin­ter­grund: Zah­len, Daten Fak­ten aus „mei­nem“ Wahl­kreis Nürtingen

Hier das Ergeb­nis aus dem Wahl­kreis Nür­tin­gen (Erst-/Zweit­stim­men, Ver­gleich zu 2017): 18 Pro­zent (+3,25)/16,8 (2,63). Damit zeigt sich auch in die­sem Wahl­kreis, dass den Kandidat*innen häu­fig ein grö­ße­res Ver­trau­en ent­ge­gen gebracht wur­de als der grü­nen Par­tei. Beson­ders gute Ergeb­nis­se bei den Erst­stim­men waren in Lein­fel­den-Ech­ter­din­gen (22,3%), in Fil­der­stadt (21,3%) sowie in Bis­sin­gen (19,2%) zu ver­zeich­nen. Bei den Zweit­stim­men konn­ten wir in L‑E die 20-Pro­zent-Schwel­le über­sprin­gen (20,2%).

Ich bedan­ke mich bei allen Wähler*innen und eben­so bei allen Helfer*innen, die mich im Wahl­kampf auf viel­fäl­tigs­te Wei­se unter­stützt haben!

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Kommentare zu “Bestes Wahlergebnis, aber unter unserem Potential

  1. Walter Raible Reply

    Hal­lo Herr Gastl,
    zunächst recht herz­li­chen Glück­wunsch zu Ihrer Wahl. Und jetzt ist es span­nend was dar­aus wird. Ich wün­sche mir vor allem mal einen grü­nen Ver­kehrs­mi­nis­ter in Ber­lin, denn was ein grü­ner Ver­kehrs­mi­nis­ter leis­ten kann sehen wir in BW! In meh­rern Dis­kusio­nen habe ich immer wie­der gehört, daß es ideo­lo­gisch falsch sei, gegen das Auto zu sein, aber ist es ideo­lo­gisch rich­tig, für das Auto zu sein?
    Ich wün­sche Ihnen viel Kraft und gute Ner­ven und Erfolg für eine kli­ma­freund­li­che Politik.

    Mit freund­li­chem Gruß
    Wal­ter Raible

    • Matthias Gastel Reply

      Vie­len Dank Herr Raible.

  2. Jürgen Freisinger Reply

    “Bes­tes Wahl­er­geb­nis, aber unter unse­rem Potential”

    Sel­ber schuld, die Grü­nen haben bei der Kan­di­da­ten­fra­ge falsch gewählt und damit eine ein­ma­li­ge Chan­ce leicht­fer­tig verspielt.

    • Matthias Gastel Reply

      Das ist eine doch sehr unter­kom­ple­xe Ana­ly­se. Dafür, dass das Poten­ti­al nur teil­wei­se aus­ge­schöpft wur­de, gibt es vie­le Grün­de. Ich drän­ge intern dar­auf, die­se Grün­de zu ana­ly­sie­ren und dar­aus zu lernen.

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