Daimler ist mit seiner Lkw- und Bussparte einer der weltweit größten Nutzfahrzeug-Hersteller. Nachdem ich Daimler Bus schon mehrfach am Produktionsstandort in Mannheim und am neuen Servicestandort in Stuttgart besucht habe, war ich diesmal am Hauptsitz des Unternehmens, in Leinfelden-Echterdingen.
Das Unternehmen beschäftigt rund 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 35 Hauptstandorten in Nordamerika, Europa, Asien und Lateinamerika und zahlreichen Vertriebs- und Servicepunkten in den meisten Ländern dieser Welt. Daimler Bus ist ein Segment von Truck, das wiederum die Bus- und Service-Marken Mercedes-Benz, Setra, OMNIplus und BusStore umfasst. Das Bemühen um die Transformation zum CO₂-freien Fahren umfasst die Lkw- wie die Bussparte.
Die Entwicklungen am Hauptsitz in Leinfelden-Echterdingen, das Teil meines Wahlkreises ist, verläuft trotz der Konzentration von Funktionen am Standort analog zum aktuellen Trend des Unternehmens: Es werden Stellen abgebaut. Allerdings gibt es Umstrukturierungen und infolgedessen Verlagerungen von Verwaltungseinheiten an den Hauptsitz. Absatz und Umsatz (minus neun Prozent auf knapp 50 Milliarden Euro in 2025) sowie Gewinn (minus 34 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro) sind rückläufig. In 2025 wurden weltweit 422.000 Fahrzeuge ausgeliefert (minus neun Prozent). Davon waren lt. Konzernangaben 6.700 Fahrzeuge emissionsfrei (plus 67 Prozent).
Im ersten Quartal verkaufte Daimler Truck weltweit fast 70.000 Fahrzeuge und damit neun Prozent weniger. Der Hauptgrund liegt in der Zollpolitik der USA. Dort befinden sich zwar Produktionsstandorte. Diese sind jedoch auf Importe beispielsweise aus Deutschland angewiesen. Die Zölle können nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden, was die wirtschaftliche Lage verschärft.
Allerdings zeigt sich in den letzten Wochen ein steigender Auftragseingang, auch und vor allem in den USA.
Um sich wettbewerbsfähiger aufzustellen, will das Unternehmen bis zum Jahr 2030 eine Milliarde Euro einsparen. Davon sollen 600 Millionen auf Materialkosten entfallen. Dies bedeutet nichts anderes, als dass der Druck auf die Zulieferer verschärft wird. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis zum Jahr 2034 nicht möglich. Der Betriebsrat möchte, dass möglichst viele Beschäftigte, deren Stellen perspektivisch wegfallen, für die Übernahmen anderer Aufgaben im Konzern qualifiziert werden.
Ich sprach mit den Betriebsratsmitgliedern über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, die Entwicklung bei der Beschäftigung und die Transformation hin zu alternativen Antrieben. Letztere wird eher als Chance gesehen. Es brauche aber verlässliche Rahmenbedingungen seitens der Politik (Lade-Infrastruktur, niedrigere Strompreise, kürzere Genehmigungsverfahren). Anders als in früheren Jahren wird kein Fachkräftemangel mehr gesehen. Insgesamt wird die Beschäftigung zurückgehen. Einige wenige Geschäftsbereiche werden wachsen, so der Bereich der Sonderfahrzeuge (Militär, Unimog, Kehrmaschinen usw.) und in kleinem Umfang auch der Vertrieb. Obwohl am Standort Leinfelden verschiedene Funktionen zusammengezogen wurden (Hauptquartier, Vertrieb und Entwicklung), findet auch hier Stellenabbau statt. In Neuhausen auf den Fildern entstand auf dem früheren Thyssen-Gelände ein Standort für die Entwicklung „Zero Emission“.
Quellen für diesen Beitrag (in Ergänzung zum persönlichen Gespräch):
Geschäftsbericht Daimler Truck 2025
Stuttgarter Zeitung 07. März 2026
Stuttgarter Zeitung 13. März 2026
Stuttgarter Zeitung 07. Mai 2026
Magazin der IG Metall-Betriebsratsgruppe
Südkurier 16. Mai 2026
