Besuch bei Audi in Neckarsulm

Der Audi-SUV e‑tron ist zwar elek­trisch, aber groß und schwer. Auch dar­über haben wir beim Audi-Besuch leb­haft dis­ku­tiert.

27.04.2019

Der neue e‑tron: Elektrisch, aber groß und schwer

Immer­hin: Gleich auf der Start­sei­te bewirbt Audi nicht irgend­ei­nes sei­ner Fahr­zeu­ge, son­dern mit dem e‑tron sein Elek­tro­au­to. Man muss aber gleich ein­schrän­ken: Das Fahr­zeug ist groß, mit 2,6 Ton­nen Leer­ge­wicht schwer und mit einem Preis ab 80.000 Euro sehr teu­er.

Das ers­te E‑Auto, ein in Brüs­sel gebau­ter SUV aus dem Hau­se Audi, des­sen Aus­lie­fe­rung im März begon­nen hat, hat es in sich: Der Strom­ver­brauch ist mit etwa 24 Kilo­watt­stun­den pro 100 Kilo­me­ter extrem hoch (zum Ver­gleich: Der BMW i3 weist einen Strom­ver­brauch von 13 kWh/100 km aus). Die max. Geschwin­dig­keit wird mit 200 km/h und die Brei­te des Fahr­zeugs mit 1,94 Meter (ohne Außen­spie­gel) ange­ge­ben. Um den­noch auf die ange­ge­be­ne Reich­wei­te von 358–417 Kilo­me­ter zu kom­men, ist der Akku ent­spre­chend schwer. Dem­nächst soll ein „sport­li­cher“ e‑tron fol­gen, der in Neckar­sulm gebaut wird.

Gemein­sam mit Mit­glie­dern der bei­den grü­nen Lan­des­ar­beits­ge­mein­schaf­ten „Ver­kehr“ und „Wirt­schaft“ habe ich das Audi-Werk in Neckar­sulm (17.000 Beschäf­tig­te inkl. in der Außen­stel­le Böl­lin­ger Höfe in Heil­bronn; Pro­duk­ti­on von jähr­lich 190.000 Autos) besucht und aus­gie­big mit Werk­lei­ter Hel­mut Stett­ner sowie den Ver­ant­wort­li­chen für die Ent­wick­lung des bat­te­rie­elek­tri­schen und des Brenn­stoff­zel­len-Autos gespro­chen.

Auf kri­ti­sche Fra­gen wur­de auf die Rol­len­tei­lung inner­halb des Volks­wa­gen-Kon­zerns ver­wie­sen: Audi erschlie­ße die E‑Mobilität von „oben“, VW erschlie­ße sie von „unten“. Audi decke also die Ober­klas­se ab, wäh­rend VW auch die klei­ne­ren Fahr­zeug­ty­pen mit elek­tri­schen Antrie­ben anbie­ten wer­de. Allein die Bat­te­rie des E‑SUV, mit der man grö­ße­re Reich­wei­ten als bei der Mar­ke VW errei­chen wol­le, wie­ge 700 Kilo­gramm. Der Strom­ver­brauch wür­de sich dadurch ver­rin­gern, dass die Mas­se zu einer stär­ke­ren Reku­pera­ti­on füh­ren wür­de. Wie auch immer: Es ist der Ein­stieg in die E‑Mobilität im Auto­mo­bil­be­reich. Der Bedarf ist offen­bar vor­han­den. Es lie­gen bereits über 20.000 Vor­be­stel­lun­gen für den e‑tron vor. Rund ein Drit­tel davon kommt aus Nor­we­gen, wo der Markt für E‑Autos Dank ent­spre­chend attrak­ti­ver För­de­rung boomt. Im zwei­ten Halb­jahr soll die Aus­lie­fe­rung nach Chi­na star­ten. Im Inter­view mit einer deut­schen Zei­tung sprach der neue Audi-Chef Bram Schot vom „Über­gang vom Ver­bren­ner zum Elek­tro­an­trieb.“ Bestä­tigt wird uns, dass Chi­na den Takt für die Elek­tro­mo­bi­li­tät vor­gibt und die Hybrid­tech­no­lo­gie als Über­gangs­tech­no­lo­gie gese­hen wird. Das „Ende des fos­si­len Antriebs“ sei nicht mehr arg weit weg. Auf eine Jah­res­zahl woll­te man sich bei Audi auf unse­re Nach­fra­ge hin aber nicht fest­le­gen.

Zunächst ein­mal hat­te aber auch Audi mit Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen bei den in Neckar­sulm pro­du­zier­ten Model­len zu kämp­fen. Hin­ter­grund war die Umstel­lung auf das WLTP-Ver­fah­ren. Die nächs­te WLTP-Umstel­lung, die noch in die­sem Jahr ansteht, wer­de man bes­ser schaf­fen als die ers­te, bekom­men wir zu hören.

Neben der E‑Mobilität in Form bat­te­rie­elek­tri­scher Autos dreht sich in Neckar­sulm vie­les um die Brenn­stoff­zel­le, die gemein­sam mit Hyun­dai ver­folgt wird. Hier­für sol­len die Kapa­zi­tät und die Zahl der Arbeits­plät­ze in Neckar­sulm aus­ge­baut wer­den. Neckar­sulm, so der Audi-Chef, soll in Sachen Brenn­stoff­zel­le „ein­mal der Schritt­ma­cher sein.“ „Nach 2020“ ist die ers­te Klein­se­rie in drei­stel­li­ger Stück­zahl vor­ge­se­hen.

Wo sieht Audi die Vor­tei­le einer­seits der bat­te­rie­elek­tri­schen und ande­rer­seits der Brenn­stoff­zel­len-Fahr­zeu­ge? Fürs bat­te­rie­elek­tri­sche Auto spre­che der hohe Wir­kungs­grad, die viel­fach mög­li­che Nut­zung pri­va­ter Ladein­fra­struk­tur. Geeig­net sei die­ser Antrieb für klei­ne und mit­tel­gro­ße Autos. Für die Brenn­stoff­zel­le hin­ge­gen wür­den die hohe Ener­gie­dich­te von Was­ser­stoff, das gerin­ge Gewicht, die gerin­ge Tank­dau­er und die hohe Reich­wei­te (600 Kilo­me­ter) spre­chen. Geeig­net sei das Brenn­stoff­zel­len­au­to für SUV und Nutz­fahr­zeu­ge. Die weit­ge­hend feh­len­de Tank­in­fra­struk­tur für Was­ser­stoff und die Her­kunft die­ses Ener­gie­trä­gers haben wir eben­falls dis­ku­tiert. „Grau­er Was­ser­stoff“, also sol­cher, der auf Erd­gas­ba­sis erzeugt wird, mache auch aus Sicht von Audi kei­nen Sinn. Da sich Was­ser­stoff jedoch als Spei­cher von über­schüs­si­gem Öko­strom eig­ne, sei er per­spek­ti­visch – Audi spricht vom Jahr 2040 – in aus­rei­chen­der Men­ge auf erneu­er­ba­rer Grund­la­ge ver­füg­bar. Die Tank-Infra­struk­tur wer­de vom Staat geför­dert wer­den müs­sen.

Vor­dring­lich, so Audi, sei die Ände­rung des Miet­woh­nungs­rechts, um den Auf­bau pri­va­ter Ladein­fra­struk­tur für bat­te­rie­elek­tri­sche Autos vor­an­zu­brin­gen. Hier sind wir uns genau­so einig wie dar­in, dass die Erzeu­gung von Was­ser­stoff aus über­schüs­si­gem Öko­strom tech­no­lo­gisch vor­an­ge­bracht wer­den muss.

Der Infor­ma­ti­ons- und Dis­kus­si­ons­run­de schloss sich ein Rund­gang durch die moder­nen Pro­duk­ti­ons­hal­len an.

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