E‑Tretroller & Co: Cool und praktisch, aber nicht legal

28.06.2018

Besuch bei einem Vertriebsunternehmen von Elektrokleinstfahrzeugen

Gemein­sam mit mei­nem Frak­ti­ons­kol­le­gen Chris Kühn habe ich die Fir­ma Ham­mer Inter­na­tio­nal in Ammer­buch bei Tübin­gen besucht. Das 2014 gegrün­de­te Unter­neh­men han­delt mit Elek­tro­kleinst­fahr­zeu­gen, zum Bei­spiel Seg­ways und elek­tri­schen Ein­rä­dern. Wir haben uns mit Geschäfts­füh­rer Andre­as Ham­mer über die recht­li­che Situa­ti­on der Fahr­zeu­ge unter­hal­ten und uns von ihm über die unter­schied­li­chen Model­le infor­mie­ren las­sen. Denn E‑Mobilität ist für uns nicht nur das E‑Auto. Auch klei­ne­re Fahr­zeu­ge kön­nen, nach per­sön­li­chen Prä­fe­ren­zen gege­be­nen­falls elek­trisch ange­trie­ben, eine nach­hal­ti­ge­re Mobi­li­tät ermög­li­chen.

Für die meis­ten Elek­tro­kleinst­fahr­zeu­ge gibt es in Deutsch­land aller­dings kei­ne Zulas­sungs­mög­lich­keit. Mit Aus­nah­me von Seg­ways ist die recht­li­che Situa­ti­on nicht geklärt, und somit besteht weder auf Geh- noch auf Rad­we­gen oder Fahr­bah­nen die Mög­lich­keit, die­se Fahr­zeu­ge legal zu nut­zen. Nur auf Pri­vat­ge­län­de ist eine Nut­zung zuläs­sig. Trotz­dem wer­den elek­tri­sche Ein­rä­der und Tret­rol­ler von den Men­schen immer häu­fi­ger genutzt, da sie für kur­ze und mitt­le­re Stre­cken und in Kom­bi­na­ti­on mit dem öffent­li­chen Ver­kehr prak­tisch und umwelt­freund­lich sind.

Andre­as Ham­mer hat uns das Pro­dukt­port­fo­lio sei­nes Unter­neh­mens vor­ge­stellt. Es ver­treibt Seg­ways, elek­tri­sche Tret­rol­ler und Ein­rä­der. Ein sol­ches E‑Einrad bei­spiels­wei­se wiegt etwa zwölf Kilo­gramm, erreicht bis zu 25 km/h und eine Reich­wei­te von 30 Kilo­me­tern. Laut Geschäfts­füh­rer Ham­mer kann man mit dem Ein­rad pro­blem­los mit dem Ver­kehr auf einem Rad­weg mit­schwim­men. Auch zwei regel­mä­ßi­ge Nut­zer eines Ein­ra­des konn­ten bestä­ti­gen, dass bei einer vor­aus­schau­en­den Fahr­wei­se kei­ne Pro­ble­me mit ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mern auf­tre­ten. Mit einer Fin­ger­klin­gel kann man sich bei­spiels­wei­se bei Fuß­gän­gern bemerk­bar machen. Ham­mer Inter­na­tio­nal bie­tet den Käu­fern eines Ein­ra­des einen Ein­füh­rungs­kurs für das Fahr­zeug an. Die Idee des Geschäfts­füh­rers ist ein klei­ner Füh­rer­schein, der zur siche­ren Nut­zung sol­cher Gefähr­te befä­higt. Außer­dem wün­schen sich Ham­mer und sei­ne Kun­den, dass die­se Fahr­zeu­ge bald legal in Deutsch­land gefah­ren wer­den dür­fen.

Außer­dem ver­kauft Ham­mer neben E‑Motorrädern einen klapp­ba­ren Elek­tro-Scoo­ter. Die­se Eigen­ent­wick­lung des Unter­neh­mens hat eine Stra­ßen­zu­las­sung in der Mofa-Kate­go­rie und eine Maxi­mal­ge­schwin­dig­keit von 25 km/h. Bei einer Lade­zeit an der Steck­do­se von zwei bis vier Stun­den hat er eine Reich­wei­te von 30 bis 40 Kilo­me­tern.

Auf die Fra­ge, wie vie­le Fahr­zeu­ge im Bereich der Mikro­elek­tro­mo­bi­li­tät in Deutsch­land unter­wegs sei­en, schätz­te Ham­mer die Zahl auf 5000 bis 7000 Fahr­zeu­ge. Sein Unter­neh­men ver­kau­fe jähr­lich etwa 800 Stück. Zum Ver­gleich nann­te er Frank­reich, wo pro Monat über 1000 sol­cher Fahr­zeu­ge bestellt wer­den. In Frank­reich ist ihre Nut­zung, wie auch in Polen, Nie­der­lan­de, der Schweiz und zahl­rei­chen ande­ren Län­dern gesetz­lich zuge­las­sen und gere­gelt.

Die Vor­tei­le die­ser Fahr­zeu­ge sind gerin­ge Grö­ße und Gewicht. Dadurch eig­nen sie sich für die Nut­zung in der Stadt, wo sie platz­spa­rend „geparkt“ und gela­den wer­den kön­nen. Sie kön­nen im Kurz­stre­cken­be­reich so man­che Auto­fahrt erset­zen und als Zubrin­ger zu Bus und Bahn nütz­lich sein. Für den Ein-Per­so­nen-Trans­port sind sie deut­lich effi­zi­en­ter und nach­hal­ti­ger als ein ton­nen­schwe­res Auto. Im Rah­men neu­er Mobi­li­täts­for­men mit zuneh­mend ver­kehrs­trä­ger­über­grei­fen­den Wege­ket­ten kön­nen Elek­tro­kleinst­fahr­zeu­ge eine Rol­le spie­len.

Wir möch­ten im Sin­ne aller Ver­kehrs­teil­neh­men­den, dass ihre Nut­zung unter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­si­cher­heit ermög­licht und recht­lich gere­gelt wird. Wir wol­len die Klä­rung, durch wen sie wo und unter wel­chen Bedin­gun­gen genutzt wer­den dür­fen.

Des­halb habe ich zusam­men mit Frak­ti­ons­kol­le­gen eine Klei­ne Anfra­ge an die Bun­des­re­gie­rung gerich­tet, um zu erfra­gen, wie sich der Bereich der Elek­tro­kleinst­fahr­zeu­ge ent­wi­ckelt und wie die Regie­rung die recht­li­che Rege­lung der Nut­zung von Elek­tro­kleinst­fahr­zeu­gen ange­hen will, auch mit Blick auf eine Stu­die der Bun­des­an­stalt für Stra­ßen­we­sen (BASt) zum The­ma, die bereits 2014 durch die Bun­des­re­gie­rung in Auf­trag gege­ben wor­den war und die­ser seit Mai 2017 vor­liegt, aber uns noch nicht zugäng­lich ist.

Des Wei­te­ren habe ich den Wis­sen­schaft­li­chen Dienst des Bun­des­ta­ges beauf­tragt, die Rechts­la­ge in Deutsch­land sowie die Rechts­la­gen in einer Rei­he euro­päi­scher und außer­eu­ro­päi­scher Län­der dar­zu­stel­len.

Zum Abschluss unse­res Besu­ches konn­ten wir die ver­schie­de­nen Model­le erpro­ben und uns vom Fahr­spaß, der dazu gehö­ren darf, über­zeu­gen.

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Kommentare zu “E‑Tretroller & Co: Cool und praktisch, aber nicht legal

  1. Gilbert Mathieu Reply

    Das wird so nix, oft sind die­se Tei­le sehr gefähr­lich; klei­ne Red­un­danz, zu gerin­ge Ver­zö­ge­rung, kei­ne EMV, oder gar brand­ge­fähr­li­che Akkus…
    gewis­se Min­dest­si­cher­heits­stan­darts müs­sen erfüllt sein und auch geprüft. Dazu gehört eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung.
    Er sol­len die Nut­zen­den und auch ande­re Ver­kehrs­teil­neh­men­de oder Fuss­gän­ger geschützt wer­den.

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Genau über die­se Aspek­te haben wir heu­te in einem sehr inten­si­ven Fach­ge­spräch mit Ver­tre­tern der Ver­kehrs­si­cher­heit, des Rad- und Fuß­ver­kehrs und aus der E‑Kleinst­fahr­zeug-Sze­ne dis­ku­tiert. Das “sehr gefähr­lich” tei­le ich nicht. Es bedarf aber einer Nor­mie­rung auf EU-Ebe­ne (Brem­sen, begrenz­te Beschleu­ni­gung, elek­tro­ma­gne­ti­sche Anfor­de­run­gen etc.). Da ist man eben­so dran wie an einer natio­na­len Ver­ord­nung, mit der Nut­zung des öffent­li­chen Ver­kehrs­raums gere­gelt wird. Das ist der rich­ti­ge Weg.

  2. Andreas Reply

    Hal­lo Mat­thi­as,
    super Sache und sowas von über­fäl­lig! Das man mit sei­nem e‑board neben einem Pedel­ec fährt und dabei eine Straf­tat begeht ist unfass­bar. Weißt Du schon wie die Res­sort­ab­stim­mung vor­an­geht, oder habt Ihr da vom Ver­kehrs­aus­schuss kei­ne Infos? Ham­burg als Bun­des­land soll ja auch gro­ßes Inter­es­se haben.
    Lei­der kennt die Poli­zei der­zeit wenig Spaß, wenn man mit einem Hover­board oder e‑board unter­wegs ist. Wur­de bei Euch mal dar­über nach­ge­dacht, dass mit Zulas­sung der elek­tri­schen Kleinst­fahr­zeu­ge auch die bis dahin erteil­ten Straf­zet­tel und Ver­fah­ren ein­ge­stellt wer­den? Oder ent­fal­tet die Zulas­sung grund­sätz­lich eine rück­wir­ken­de Wir­kung?
    Inter­es­sant wäre auch die Fra­ge, wie mit der der­zei­ti­gen Leis­tung der e‑boards und Rol­ler umge­gan­gen wird, da ein Groß­teil deut­lich über 20 km/h fah­ren kann (bau­art­be­dingt) und die Ent­wick­lung von Moto­ren hier auch eher mehr Leis­tung her­gibt.
    Wäre toll wenn Du uns regel­mä­ßig mit updates aus dem lau­fen­den Pro­zess ver­sorgst.
    Vie­le Grü­ße
    Andre­as

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Lie­ber Andre­as,
      dan­ke für Dei­nen Kom­men­tar.
      Mir ist nichts Neu­es bekannt, ich wer­de dem­nächst aber wie­der nach­fra­gen.
      Ich kann mir kaum vor­stel­len, dass eine Rege­lung nach­träg­li­che Aus­wir­kun­gen hat. Denn ent­schei­dend dürf­te die Rechts­la­ge zum jewei­li­gen Zeit­punkt sein.
      Zu den Geschwin­dig­kei­ten wird es nach mei­ner Ein­schät­zung eine ein­deu­ti­ge Rege­lung geben, was ich auch für sinn­voll hal­te.
      Vie­le Grü­ße
      Mat­thi­as Gast­el

  3. Volker Reply

    Sehr geehr­ter Herr Gast­el,

    Zunächst ein­mal vie­len Dank für Ihren Ein­satz und das Vor­an­brin­gen einer Ver­ord­nung für Klein­s­telek­tro­fahr­zeu­ge.

    Ich inter­es­sie­re mich schon seit meh­re­ren Jah­ren für elek­tri­sche Skate­boards, jedoch hat mich die aktu­el­le Rechts­la­ge bis­lang von einem Kauf abge­hal­ten. Laut der aktu­el­len Ant­wort auf Ihre Klei­ne Anfra­gen zu die­sem The­ma kommt womög­lich bald schon ein wenig Bewe­gung in die Sache. Gene­rell befür­wor­te ich Rege­lun­gen, wie z.B. Helm­pflicht und Nut­zung von Fahr­rad­we­gen, habe aber zum The­ma Höchst­ge­schwin­dig­kei­ten eine kur­ze Anmer­kung.

    Die Ant­wort auf Fra­ge 19 spricht von einer „bau­art­be­ding­ten Höchst­ge­schwin­dig­keit“ bis max 20km/h. Dies wür­de im Bereich der e‑Skateboards vie­le Pro­duk­te der Markt­füh­rer aus­schlie­ßen, da die­se bau­arts­be­dingt höhe­re Geschwin­dig­kei­ten ermög­li­chen. Man müss­te also zwangs­läu­fig auf Bil­lig­pro­duk­te, die in der Regel mit schwä­che­ren Moto­ren aus­ge­stat­tet sind, aus­wei­chen. Vie­le die­ser Anbie­ter ver­wen­den jedoch ins­ge­samt min­der­wer­ti­ge Mate­ria­li­en und Tech­nik, sodass sich die Unfall­ge­fahr dadurch letzt­end­lich erhöht (Mate­ri­al­ver­sa­gen, Ver­bin­dungs­ab­brü­che mit sofor­ti­gem Still­stand etc.).

    Auf Nach­fra­ge beim Markt­füh­rer teil­te man mir mit, dass es auf­grund der vie­len unter­schied­li­chen Rege­lun­gen eben­falls nicht mög­lich ist spe­zi­el­le Ver­sio­nen für ein­zel­ne Regio­nen her­zu­stel­len. Vie­le die­ser Her­stel­ler bie­ten jedoch die soft­ware­ba­sier­te Ein­stel­lung der Maxi­mal­ge­schwin­dig­keit an. Die­se Mög­lich­keit soll­te eben­falls erlaubt wer­den, damit auch qua­li­ta­tiv höher­wer­ti­ge und damit siche­re­re Pro­duk­te genutzt wer­den kön­nen.

    Vie­len Dank und vie­le Grü­ße
    Vol­ker

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Sehr geehr­ter Herr Riehl,
      vie­len Dank für Ihre Rück­mel­dung.
      In der Ver­ord­nung wird eine zulä­si­ge Höchst­ge­schwin­dig­keit defi­niert wer­den müs­sen und die Her­stel­ler wer­den ihre Pro­duk­te dar­an anpas­sen müs­sen. Denn es geht ja nicht dar­um, die Kleinst­fahr­zeu­ge “ein­fach nur” zuzu­las­sen, son­dern es geht auch um die Sicher­heit der Nut­zen­den und ande­rer Ver­kehrs­teil­neh­men­den.
      Bei einem Fach­ge­spräch, das ich für mei­ne Frak­ti­on mit Her­stel­lern und Händ­lern orga­ni­siert hat­te, wur­de in Sachen Höchst­ge­schwin­dig­keit für E‑Skateboards teil­wei­se für gerin­ge­re Geschwin­dig­kei­ten als 20 km/h plä­diert. Inwie­fern die Bun­des­re­gie­rung in ihrer Ver­ord­nung, deren Ent­wurf ich nicht ken­ne, auf die ein­zel­nen Fahr­zeu­ge ein­ge­hen wird und dif­fe­ren­ziert Zulas­sungs­be­din­gun­gen defi­nie­ren wird, ist mir nicht bekannt.
      Zum The­ma “Ver­bin­dungs­ab­brü­che mit sofor­ti­gem Still­stand” kann ich sagen, dass sich ein sol­cher lt. Her­stel­ler­an­ga­be in jedem Gerät, unab­hän­gig von des­sen Leis­tung, ver­hin­dern lässt. Viel­leicht müss­te die­ser Aspekt in der EU-wei­ten tech­ni­schen Anfor­de­rung geklärt wer­den.
      Mit freund­li­chen Grü­ßen
      Mat­thi­as Gast­el

  4. Thomas Schrewe Reply

    Hal­lo Herr Gast­el,

    ein in diver­sen Online­fo­ren akti­ver E‑Skateboarder hat sich beim Tag der offe­nen Tür des BMVI am letz­ten Wochen­en­de aus ers­ter Hand über die geplan­te Umset­zung der Zulas­sung von Elek­tro­kleinst­fahr­zeu­gen infor­miert (https://monissen.wordpress.com/2018/08/26/schlechte-nachrichten-fur-e-sk8er-in-deutschland/). Dem­nach steht zu erwar­ten, dass alle nicht “selbst­ge­lenk­ten” Fahr­zeu­ge, sprich sol­che ohne Lenk­stan­ge NICHT als Kleinst­fahr­zeu­ge i.S. der Ver­ord­nung ein­grup­piert wer­den sol­len. Das hie­ße, dass alle E‑Skateboards, Hover­boards und One-Wheels wei­ter­hin im Stra­ßen­ver­kehr nicht legal bewegt wer­den dürf­ten und ledig­lich E‑Scooter o.ä. eine Zulas­sung bekä­men. Grund sei­en Erkennt­nis­se aus der Stu­die des BASt (Sicher­heits­be­den­ken). Haben Sie hier­zu schon nähe­re Erkennt­nis­se und sehen Sie einen gang­ba­ren Weg, wie die Gemein­de von Elek­tro­ska­tern hier noch auf das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren Ein­fluss neh­men könn­te? Die geplan­te Rege­lung wür­de Deutsch­land in Euro­pa in die­sem Bereich ziem­lich weit nach hin­ten beför­dern…
    Vie­le Grü­ße
    Tho­mas Schrewe

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Sehr geehr­ter Herr Schrewe,
      ich ken­ne den von Ihnen ange­spro­che­nen Bericht, kann aber lei­der nichts dazu sagen, da mir weder die Bast-Stu­die noch der Ver­ord­nungs­ent­wurf (kein Gesetz!) bekannt ist. Das wäre eine Ent­täu­schung.
      Mit freund­li­chen Grü­ßen
      Mat­thi­as Gast­el

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