Besuch im Altenheim: Pflegequalität und Personalsituation waren die Themen

20.12.2017

Fachkräftemangel zwingt zu unkonventionellen Wegen

In zen­tra­ler Lage der Stadt Nür­tin­gen, einen Stein­wurf vom Bahn­hof und der Stadt­hal­le ent­fernt, liegt das Alten­pfle­ge­heim Haus Chris­to­phe­rus. Ich habe mich mit der Pfle­ge­dienst­lei­te­rin zum Gespräch getrof­fen und mir das Haus zei­gen las­sen.

Das Haus mit sei­nen 84 Ein­zel- und 18 Dop­pel­zim­mern ver­fügt über eine eige­ne Küche, einen Spei­se-/Mehr­zweck­saal, einen Fri­seur und auf jeder Eta­ge über Gemein­schafts­räu­me. Die Zim­mer der Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner kön­nen weit­ge­hend nach eige­nem Geschmack und mit eige­nen Möbeln ein­ge­rich­tet wer­den. In einem spe­zi­el­len Wohn­be­reich für Men­schen mit Demenz wird eine behü­te­te, siche­re Umge­bung gebo­ten. Zu die­sem Bereich gehört ein klei­ner Gar­ten. Fol­gen­de Ange­bo­te für die alten Men­schen gibt es (Aus­wahl): Krea­tiv-Ange­bo­te (bas­teln, hand­wer­ken, malen), Fes­ti­vi­tä­ten, Aus­flü­ge sowie Besu­che von Chö­ren und Kin­der­gär­ten.

Ich habe im Gespräch mit der Pfle­ge­dienst­lei­te­rin Frau Förs­ter vor allem zwei The­men­kom­ple­xe ange­spro­chen: Die Siche­rung und Ent­wick­lung der Pfle­ge­qua­li­tät sowie die Fach­kräf­te­si­tua­ti­on.

Die Bewer­tun­gen von Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, wie sie vom Medi­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­kas­sen durch­ge­führt und ver­öf­fent­licht wer­den, wer­den für rela­tiv aus­sa­ge­kräf­tig gehal­ten, nach­dem sie stär­ker aus­dif­fe­ren­ziert wur­den. Die Prü­fung der Häu­ser erfolgt unan­ge­kün­digt, indem – nach Zustim­mung der Angehörigen/Betreuer – stich­pro­ben­ar­tig die Doku­men­ta­ti­on und die tat­säch­li­che Ver­fas­sung von Bewohner/innen betrach­tet wer­den. Dem fol­gen eine Nach­be­spre­chung mit kon­struk­ti­ven Feed­backs fürs Haus und ein Prüf­be­richt. Dazu habe ich mich auch nach der ärzt­li­chen Ver­sor­gung erkun­digt. Das Haus hat, so bekom­me ich zur Ant­wort, durch sei­ne zen­tra­le Lage Glück mit Haus- und Fach­ärz­ten. Die Erfah­rung ist jedoch auch, dass Ärz­te mit etwas län­ge­ren Anfahrts­we­gen nicht mehr wegen eines Pati­en­ten kom­men. Für eini­ge der Bewohner/innen heißt dies, dass sie mit ihrem Umzug ins Heim ihren Arzt wech­seln müs­sen.

Die Per­so­nal­si­tua­ti­on zwingt „zu unkon­ven­tio­nel­len Wegen. Der Markt ist leer“. Im Haus wer­den der­zeit zehn Men­schen in der Alten­pfle­ge aus­ge­bil­det, vier davon sind Geflüch­te­te, die zunächst die Hel­fer­aus­bil­dung absol­vie­re und dann die Opti­on auf die voll­stän­di­ge Aus­bil­dung bekom­men. Zuneh­mend bemüht man sich auch dar­um, im Aus­land erwor­be­ne Aus­bil­dungs­ab­schlüs­se in Deutsch­land aner­ken­nen zu las­sen. Jüngs­tes Bei­spiel: Zwei Per­so­nen aus Ser­bi­en. Es wird damit gerech­net, dass das Regie­rungs­prä­si­di­um bin­nen drei Mona­ten die Aner­ken­nung aus­spricht. Wie sieht es mit der Bezah­lung der Fach­kräf­te aus, woll­te ich noch wis­sen. Neu aus­ge­bil­de­te Fach­kräf­te erhal­ten dem­nach 2.600 Euro. Eine brei­te Aus­wahl an Qua­li­fi­ka­ti­ons­maß­nah­men (z. B. Wundfachbeauftragte/r, Wohn­be­reichs­lei­tung) ermög­licht eben­so eine bes­se­re Bezah­lung wie die Bewäh­rung in der all­täg­li­chen Arbeit. Über Gehalts­er­hö­hun­gen kann die Haus­lei­tung inner­halb eines Bud­gets, das vom Trä­ger, der Duss­mann-Grup­pe, vor­ge­ge­ben ist, ent­schei­den.

Dem Gespräch schloss sich ein Rund­gang durch den Demenz- und meh­re­re Wohn­be­rei­che an.

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