Besuch in der Vesperkirche Nürtingen

24.01.2018

Gespräche über Armut

Auch mei­nen dies­jäh­ri­gen Besuch in der Ves­per­kir­che habe ich dazu genutzt, um mich mit Hel­fen­den und Betrof­fe­nen über das The­ma „Armut“ aus­zu­tau­schen.

Die Nür­tin­ger Luther­kir­che ist gut gefüllt. Und das schon vor 12 Uhr und damit noch vor der Essens­aus­ga­be. Es sind vie­le jun­ge Leu­te, über­wie­gend jedoch Per­so­nen mitt­le­ren Alters und Älte­re zu sehen. Als es 12 Uhr wird schwär­men die 45 frei­wil­li­gen Hel­fe­rin­nen und Hel­fer, dar­un­ter die Schü­le­rin­nen und Schü­ler einer Son­der­schu­le, aus, um Bestel­lun­gen ent­ge­gen zu neh­men und die Essen an die Plät­ze zu brin­gen. Jeden Tag wer­den min­des­tens 200 Essen aus­ge­ge­ben. Am Sonn­tag gab es einen neu­en Rekord – über 400 Essen mach­ten eine Nach­be­stel­lung bei den bei­den Cate­rern erfor­der­lich.

Ich tau­sche mich zunächst mit der Pfar­re­rin der Kir­chen­ge­mein­de, spä­ter mit der Dia­ko­nin, die die Ves­per­kir­che lei­tet, über die Orga­ni­sa­ti­on, die Ange­bo­te und Ent­wick­lun­gen aus. „Die Men­schen, die zu uns kom­men, haben es nötig“, wird mir erklärt. Und: „Für eini­ge ist dies hier ihr erwei­ter­tes Wohn­zim­mer.“ Dies des­halb, weil vie­le viel Zeit in der Ves­per­kir­che ver­brin­gen und nicht nur zum Essen kom­men. Die Nür­tin­ger Ves­per­kir­che fin­det nun zum elf­ten Mal statt. Das Essen ist das zen­tra­le, aber kei­nes­wegs das ein­zi­ge Ange­bot. Es gibt Pup­pen­thea­ter, Haar­schnit­te bei einer Fri­sö­rin, Fuß­pfle­ge, Seel­sor­ge, Bera­tung (Woh­nung, Schul­den) und vie­les mehr. An dem Tag, an dem ich die Ves­per­kir­che besucht habe, stand ein Arzt für Bera­tungs­ge­sprä­che und klei­ne Unter­su­chun­gen bereit. Auch mit ihm konn­te ich spre­chen. Nach sei­ner Erfah­rung kom­men die meis­ten um sich eine Zweit­mei­nung ein­zu­ho­len und sich bera­ten zu las­sen – oder weil sie einen ver­trau­li­chen Gesprächs­part­ner suchen. Zu mei­ner Lin­ken nimmt eine Mut­ter mit ihrem Sohn, der die sechs­te Klas­se eines Gym­na­si­ums besucht, Platz. Auf der ande­ren Sei­te bestel­len sich der Lei­ter des dia­ko­ni­schen Möbel­la­gers und einer sei­ner Mit­ar­bei­ter ihre Essen. Der Mit­ar­bei­ter ist mit sei­nem 1,50 Euro-Job sehr zufrie­den, weil er mit sei­nen Auf­ga­ben, zu denen auch die Haus­post der dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen in der Stadt gehört, einen gere­gel­ten Arbeits­tag hat. Unse­re Gesprä­che, zu denen sich auch der Dekan des Kir­chen­be­zirks gesellt, dre­hen sich rund um den geteil­ten Arbeits­markt: Hohe Beschäf­ti­gung, deut­lich gesun­ke­ne Arbeits­lo­sig­keit – aber noch immer viel zu vie­le Lang­zeit­ar­beits­lo­se, für die zu wenig getan wird. Die­ses The­ma wer­de ich in nächs­ter Zeit wie­der mit dem Job­cen­ter erör­tern.

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