Bundesregierung holt Nordostring aus der Mottenkiste

09.10.2015, Pres­se­er­klä­rung

Eigent­lich waren die Plä­ne für den Bau einer auto­bahn­ähn­li­chen Ver­bin­dung im Nord­os­ten von Stutt­gart längst beer­digt wor­den. Zu mas­siv die öko­lo­gi­schen Ein­grif­fe, zu viel Land­ver­brauch, zu deut­lich die Ableh­nung der betrof­fe­nen Kom­mu­nen, zu vie­le wich­ti­ge­re ande­re Pro­jek­te, für die das Geld fehlt – Argu­men­te, die auch heu­te noch ange­führt wer­den. Auf eine Anfra­ge des Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mat­thi­as Gast­el aus Fil­der­stadt ant­wor­te­te die Bun­des­re­gie­rung nun aber, dass sie aktu­ell den Bau des Nord­ostrings prü­fen lässt. Im Zuge der Auf­stel­lung des neu­en Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans wer­de, so eine Staats­se­kre­tä­rin des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums, eine gesamt­wirt­schaft­li­che Bewer­tung für den Nord­ost­ring durch­ge­führt. Dies über­rascht aus zwei Grün­den: Ers­tens wur­de das Vor­ha­ben schon mit dem letz­ten, aus dem Jahr 2003 stam­men­den, Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan fak­tisch beer­digt. Und Baden-Würt­tem­berg hat das Pro­jekt für den neu­en Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan bewusst nicht ange­mel­det. Zwei­tens hat­te die Bun­des­re­gie­rung auf meh­re­re frü­he­re Anfra­gen der Grü­nen im Bun­des­tag den Nord­ost­ring nicht auf­ge­führt. Die Grü­nen hat­ten wis­sen wol­len, wel­che Pro­jek­te unter­sucht wer­den, für die es sei­tens der Bun­des­län­der kei­ne Anmel­dun­gen gege­ben hat­te. Auf einen zwei­ten Teil der jüngs­ten Anfra­ge hat die Bun­des­re­gie­rung eben­falls nicht geant­wor­tet. Mat­thi­as Gast­el woll­te wis­sen, inwie­fern die Bun­des­re­gie­rung den Sach­ver­halt einer Über­prü­fung des Nord­ostrings der Öffent­lich­keit mit­zu­tei­len gedenkt. Dar­auf erhielt er kei­ne Ant­wort aus dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um. Die Tat­sa­che, dass der Bau des Nord­ostrings um Stutt­gart der­zeit über­prüft wird, befin­det sich – anders als ande­re Pro­jek­te – auf kei­ner öffent­lich zugäng­li­chen Lis­te. Für Mat­thi­as Gast­el, der Mit­glied im Bun­des­tags-Ver­kehrs­aus­schus­ses ist, stellt all dies einen unglaub­li­chen Vor­gang dar: „Statt viel Zeit und Geld mit öko­lo­gisch nicht ver­tret­ba­ren Stra­ßen­groß­pro­jek­ten aus der Mot­ten­kis­te zu ver­plem­pern, soll­ten Bund und Regi­on Stutt­gart bes­ser kon­se­quent auf den Aus­bau des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs set­zen. In Sachen Zuver­läs­sig­keit, Zustand der Infra­struk­tur der Deut­schen Bahn und der Anbin­dung des Stutt­gar­ter Umlan­des gibt es hier noch viel zu tun. Mit Ideen aus den 1960er-Jah­ren las­sen sich die Ver­kehrs­pro­ble­me der heu­ti­gen Zeit jeden­falls nicht lösen.“ Die Bun­des­tags­frak­ti­on der Grü­nen wird die Vor­gän­ge beim Bun­des-Ver­kehrs­min­site­ri­um nicht auf sich beru­hen las­sen, son­dern erneut tätig wer­den.

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