Interview: “Cannabis entkriminalisieren!”

green marijuana in hand

30.05.2015

Der Teck­bo­te (Kirch­heim unter Teck, Land­kreis Ess­lin­gen) ver­öf­fent­lich­te heu­te ein Inter­view mit mir zur Dro­gen­po­li­tik und der For­de­rung der Grü­nen im Bun­des­tag nach einer Ent­kri­mi­na­li­sie­rung des Can­na­bis-Kon­sums.

Teck­bo­te: Was genau erhof­fen Sie sich vom Can­na­bis­kon­troll­ge­setz?

GASTEL: Ziel des Geset­zes ist zum einen die Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von Can­na­bis­kon­su­men­ten und das Her­aus­ho­len der Sub­stanz aus den Hän­den der Orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät. Gleich­zei­tig soll ein regu­lier­tes und über­wach­tes Sys­tem für Anbau, Han­del und Abga­be geschaf­fen wer­den, bei dem – im Gegen­satz zu heu­te – Ver­brau­cher- und Jugend­schutz sowie Sucht­prä­ven­ti­on grei­fen. Das Gesetz schützt damit end­lich die, die Schutz brau­chen: näm­lich Kin­der und Jugend­li­che. Es gibt denen Frei­heit, die mün­dig Ver­ant­wor­tung für sich über­neh­men kön­nen müs­sen: Erwach­se­nen.

Teck­bo­te: Ver­mit­telt man mit einer Lega­li­sie­rung nicht den Ein­druck, dass der Kon­sum der Dro­ge harm­los ist?

GASTEL: Can­na­bis ist nicht harm­los. Er ist ein Stoff, der bei sehr häu­fi­gem und über­mä­ßi­gem Gebrauch zu gesund­heit­li­chen Schä­den füh­ren kann. Die gesund­heit­li­chen Risi­ken des Can­na­bis­ge­brauchs sind abhän­gig davon, in wel­chem Alter, auf wel­che Wei­se und in wel­cher Fre­quenz kon­su­miert wird. Es gibt Anzei­chen dafür, dass ris­kan­ter (also hoch­fre­quen­ter) Kon­sum von Can­na­bis zu einer psy­chi­schen Abhän­gig­keit füh­ren kann. Daher wol­len wir kei­ne Lega­li­sie­rung, son­dern die Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von Kon­su­men­ten und ein bes­ser kon­trol­lier­ba­res Ver­kaufs­sys­tem als das heu­ti­ge.

Teck­bo­te: Den­ken Sie, dass die bis­he­ri­ge Dro­gen­po­li­tik all­ge­mein geschei­tert ist?

Der bis­he­ri­ge straf­recht­li­che Umgang im Bereich des Can­na­bis ist ver­lo­gen und geschei­tert. Es ist ein rie­si­ger, unbe­herrsch­ba­rer Schwarz­markt ent­stan­den. Er hat ins­be­son­de­re sehr jun­ge Men­schen nicht vom Can­na­bis­kon­sum abge­hal­ten, son­dern sie viel­mehr in die Arme zwie­lich­ti­ger Händ­ler getrie­ben. Eini­ge die­ser Händ­ler wol­len ger­ne auch noch här­te­re Dro­gen abset­zen.

Teck­bo­te: Was muss man in Zukunft bes­ser machen?

GASTEL: Was wir brau­chen ist mehr Auf­klä­rung in Zusam­men­hang mit Sucht­mit­teln und ins­be­son­de­re auch gegen­über den häu­fig ver­harm­los­ten Dro­gen Tabak und Alko­hol. Dar­an ster­ben jähr­lich allei­ne in Deutsch­land 100.000 bzw. 70.000 Men­schen. Und für die­se Dro­gen darf sogar noch gewor­ben wer­den! Wir müs­sen uns in Sachen Dro­gen ehr­lich machen: Pro­hi­bi­ti­on hat hier und in kei­nem Land jemals Men­schen vom Kon­sum abge­hal­ten. Wir brau­chen Auf­klä­rung, Wer­be­ver­bo­te, den Aus­bau der Sucht­be­ra­tung, die kon­se­quen­te Durch­set­zung des Jugend­schut­zes und Vor­bil­der, die dafür ste­hen, dass Dro­gen alles ande­re als cool sind.

Teck­bo­te: Letz­tes Jahr hat Cem Özde­mir der Debat­te mit einem klei­nen „poli­ti­schen State­ment“ bei sei­ner Ice-Bucket-Chal­len­ge etwas auf die Sprün­ge gehol­fen – Wie fin­den Sie sol­che Aktio­nen?

GASTEL: Cem hat damit erfolg­reich auf den Unsinn auf­merk­sam gemacht, der bereits beim Anbau eini­ger weni­ger Hanf­pflan­zen ein­setzt: Poli­zei und Jus­tiz ver­geu­den Res­sour­cen, die sie bes­ser für die Ver­fol­gung der orga­ni­sier­ten Dro­gen­kri­mi­na­li­tät ein­set­zen soll­ten.

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