DB untersucht Reaktivierung von Bahnstrecken

21.05.2020

30 Strecken im Ländle

Dass die Deut­sche Bahn von sich aus ihr Netz auf reak­ti­vie­rungs­wür­di­ge Stre­cken unter­sucht, begrü­ßen wir aus­drück­lich. Es geht um ins­ge­samt etwas mehr als 300 Stre­cken, 30 mit einer Gesamt­län­ge von 420 Kilo­me­tern befin­den sich in Baden-Würt­tem­berg. Dar­un­ter fal­len die Stre­cken von Göp­pin­gen nach Bad Boll und von Weilheim/Teck nach Kirch­heim unter Teck sowie Schorn­dorf – Welz­heim. Aus Lan­des­sicht birgt die Lis­te jedoch kei­ne gro­ßen Über­ra­schun­gen. Mit dem im Früh­jahr 2019 ange­sto­ße­nen Pro­gramm zur Unter­su­chung von 41 Eisen­bahn­stre­cken treibt das Land Baden-Würt­tem­berg den Pro­zess zur Erwei­te­rung des Stre­cken­net­zes aktiv vor­an. Bereits Ende des Jah­res steht die Aus­wahl der zu reak­ti­vie­ren­den Stre­cken fest. Damit ist Baden-Würt­tem­berg unter den Flä­chen­län­dern bei der Reak­ti­vie­rung von Eisen­bahn­stre­cken an der Spit­ze. Kein ande­res Land hat sein Stre­cken­netz so plan­mä­ßig und umfas­send unter­sucht und ist gleich­zei­tig bereit, so vie­le Stre­cken wie­der­zu­be­le­ben.

So begrü­ßens­wert die Initia­ti­ve der Deut­schen Bahn ist, so unver­ständ­lich ist jedoch die pas­si­ve Hal­tung der Bun­des­re­gie­rung zu die­sem The­ma. Statt die Reak­ti­vie­rung von Tei­len des Eisen­bahn­net­zes pro­ak­tiv zu ver­fol­gen, ver­zich­tet die Regie­rung auf jeg­li­che Vor­ga­ben und eine ziel­ge­rich­te­te, ver­kehrs­po­li­ti­sche Steue­rung des jetzt begon­ne­nen Pro­zes­ses. Die Eisen­bahn­in­fra­struk­tur ist der größ­te Aktiv­pos­ten bei der Orga­ni­sa­ti­on der Ver­kehrs­wen­de. Der Bund als Eigen­tü­mer die­ser Infra­struk­tur ist bei der künf­ti­gen Netz­ent­wick­lung also direkt gefor­dert, ent­spre­chend Ein­fluss zu neh­men. Unklar bleibt auch, wie lan­ge das Still­le­gungs­mo­ra­to­ri­um gel­ten soll, denn auch dies lässt der Bund unge­re­gelt. Es wäre fatal, wenn jetzt über einen kur­zen Zeit­raum Still­le­gun­gen aus­ge­setzt wer­den und es spä­ter im alten Stil wei­ter­gin­ge. Dabei geht es nicht nur um Stre­cken­in­fra­struk­tur son­dern auch um eher unschein­ba­re aber für die Leis­tungs­fä­hig­keit und den Betriebs­ab­lauf im Netz unver­zicht­ba­re Anla­gen wie Abstell- und Über­hol­glei­se oder Gleis­an­schlüs­se.

Die Reak­ti­vie­rung von Stre­cken ist für uns ein zen­tra­les Instru­ment der Ver­kehrs­wen­de, denn damit kommt die Bahn wie­der stär­ker in die Flä­che. Gan­ze Regio­nen wur­den durch die ver­fehl­te Still­le­gungs­po­li­tik ver­gan­ge­ner Deka­den ihres Bahn­an­schlus­ses beraubt. Die­ser Trend muss umge­kehrt wer­den. Mit der Reak­ti­vie­rung still­ge­leg­ter Eisen­bahn­stre­cken kön­nen auch in länd­li­chen Regio­nen und im Umland von Bal­lungs­ge­bie­ten sowie Städ­ten attrak­ti­ve Alter­na­ti­ven zum Auto­ver­kehr ange­bo­ten wer­den.

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Kommentare zu “DB untersucht Reaktivierung von Bahnstrecken

  1. Ulrich Köpfler Reply

    Ja, da gäbe es noch viel Poten­ti­al.
    Zum Bei­spiel die Stre­cke Men­gen – Stock­ach – Radolfs­zell und Aulen­dorf – Alt­shau­sen – Pful­len­dorf – Schwa­cken­reu­te – Stock­ach.
    Bei­de Stre­cken hät­ten das Zeug, u. a. die Boden­see­gür­tel­bahn zu ent­las­ten. Auch trotz deren geplan­ten stre­cken­wei­sen Aus­bau wird sie eine Schwach­stel­le blei­ben.

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      So ist es. Auch die genann­te ist eine inter­es­san­te Stre­cke.

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