Den regionalen Schienenverkehr stärken

18.05.2021

Im „Bahngespräch“ ging es um die Qualität der Angebote und den Wettbewerb

Mei­ne digi­ta­le Bahn­ge­sprächs­rei­he ging in die zwei­te Run­de. The­ma war die­ses Mal der Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehr (SPNV). Hier­zu konn­te ich Mar­tin Bur­kert (EVG), Susan­ne Hen­kel (BAG-SPNV, VBB), Jost Kne­bel (Neti­ne­ra) und Joerg Sand­voss (DB Regio) für eine Dis­kus­si­on gewin­nen. Nach einer kur­zen Begrü­ßung der Gäs­te und Zuhörer*innen habe ich kurz die Rol­le des Bun­des in Bezug auf den SPNV ein­ge­ord­net. Obwohl der Nah­ver­kehr von den regio­na­len Auf­ga­ben­trä­gern bestellt wird und nicht vom Bund, hat die­ser trotz­dem zum Bei­spiel über die Infra­struk­tur, das Gemein­de­fi­nan­zie­rungs­ge­setz und die Höhe der Regio­na­li­sie­rungs­mit­tel einen maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die Qua­li­tät im SPNV.

Auf mei­ne eröff­nen­de Fra­ge, wie mei­ne Gäs­te die Ent­wick­lun­gen im SPNV in den letz­ten Jah­ren beur­tei­len wür­den, ant­wor­te­ten alle, dass der zuneh­men­de Wett­be­werb das Ange­bot und die Qua­li­tät mas­siv ver­bes­sert hät­te. An wel­chen Stel­len man jedoch aus der Ver­gan­gen­heit ler­nen müs­se, wie Aus­schrei­bun­gen zukünf­tig für mehr Inno­va­ti­on auf der Schie­ne sor­gen könn­ten und was die Bran­che im Hin­blick auf den Deutsch­land­takt erwar­te, beant­wor­te­ten mei­ne Gäs­te wie folgt:

Mit Aktua­li­täts­be­zug lei­te­te Jörg Sand­voss ein, indem er sich hoch­er­freut über die Coro­na-Hil­fen vom Bund zeigt. Anschlie­ßend ging er auf den Wett­be­werb der letz­ten 20 Jah­re ein, wel­cher aus sei­ner Sicht eine „Erfolgs­ge­schich­te“ sei. Auch, weil die Aus­schrei­bun­gen zu fal­len­den Prei­sen geführt hät­ten. Nun sei man jedoch an einem Punkt, an dem die Prei­se wie­der stei­gen wür­den. Gera­de jetzt müs­se gesi­chert wer­den, dass kein Preis­dum­ping auf Kos­ten der Ange­bots­qua­li­tät statt­fän­de. Hier sei der Bund mit regu­la­to­ri­schen Maß­nah­men gefor­dert. Außer­dem sei es drin­gend not­wen­dig ein Ziel­bild zu zeich­nen, wel­ches kapa­zi­täts­ori­en­tier­ten Aus­bau von Infra­struk­tur beinhal­te. Um wie­der mehr Men­schen in die Züge zu holen, müs­se ein robus­te­res Sys­tem geschaf­fen wer­den und Inno­va­ti­on für die Fahr­gäs­te geschaf­fen werden.

Jost Kne­bel sieht die posi­ti­ven Ent­wick­lun­gen der letz­ten Jah­re dadurch bedroht, dass man infra­struk­tur­sei­tig bereits an Kapa­zi­täts­gren­zen sto­ßen wür­de. Um das Ange­bot aus­zu­wei­ten und somit stär­ker im inter­mo­da­len Wett­be­werb zu wer­den, müs­se drin­gend in die Infra­struk­tur inves­tiert wer­den. Posi­ti­ve Bilanz zog er in Bezug auf den Wett­be­werb auf der Schie­ne. Die abge­ge­be­nen Ange­bo­te bei Aus­schrei­bun­gen sei­en immer wie­der sehr nah bei­ein­an­der. Dies zei­ge, dass sich mitt­ler­wei­le ein funk­tio­nie­ren­der Wett­be­werbs­markt eta­bliert hät­te. Um wei­ter­hin gute Ange­bo­te abge­ben zu kön­nen, müss­ten bei den Aus­schrei­bun­gen ver­stärkt auf Stan­dar­di­sie­rung gesetzt wer­den. Eine Fahr­zeug­flot­te mit zu spe­zi­el­len Anfor­de­run­gen sei­tens des Auf­ga­ben­trä­gers lie­ße sich nach dem Aus­lau­fen des Ver­kehrs­ver­tra­ges nur schwer in einem ande­ren Netzt nutzen.

Susan­ne Hen­kel sieht Coro­na und das aktu­ell schlech­te Bild von vol­len Zügen als gro­ße Her­aus­for­de­rung. Die­ses Bild gel­te es so schnell wie mög­lich wie­der zu ändern. Beim The­ma Aus­schrei­bun­gen sieht Hen­kel den rei­nen Preis­wett­be­werb kri­tisch. Wich­ti­ger sei es, mit­tels umfang­rei­cher Anfor­de­run­gen für ste­ti­ge Inno­va­ti­on zu sor­gen. Die­se sei not­wen­dig um die Qua­li­tät und Kapa­zi­tät zu stei­gern. Für die Umset­zung des Deutsch­land­tak­tes for­dert Hen­kel, dass alle Betei­lig­ten mit ein­be­zo­gen wer­den müss­ten. Kei­nes­falls dürf­te dies allein der Deut­schen Bahn über­las­sen werden.

Für Mar­tin Bur­kert ste­hen beim The­ma Wett­be­werb vor allem die Mit­ar­bei­ten­den im Mit­tel­punkt. Die Vor­zü­ge des Wett­be­werbs sei­en nicht zu ver­nach­läs­si­gen, trotz­dem müs­se auf die Beschäf­tig­ten geach­tet wer­den. Bei­spiels­wei­se sei eine Über­nah­me­pflicht bei einem Betrei­ber­wech­sel anzu­stre­ben. Außer­dem mahn­te er an, den Fach­kräf­te­man­gel im Blick zu hal­ten. Alle Eisen­ver­kehrs­un­ter­neh­men sei­en in der Ver­ant­wor­tung, die­sem ent­ge­gen­zu­wir­ken. Um ein geschlos­se­nes Netz nicht zu klein­tei­lig Aus­zu­schrei­ben, brach­te Bur­kert das Instru­ment der Direkt­ver­ga­be ins Spiel.

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