Deutsche Bahn: Im Regionalverkehr unpünktlicher

30.04.2020

Weniger Verspätung im Güterverkehr

Die Pünkt­lich­keit bei der Deut­schen Bahn ent­wi­ckel­te sich im ver­gan­ge­nen Jahr sehr wider­sprüch­lich: Im Fern­ver­kehr kann man von „Seit­wärts­be­we­gun­gen“ spre­chen, im Regio­nal­ver­kehr nahm das Aus­maß der Unpünkt­lich­keit deut­lich zu und bei Car­go gab es deut­li­che Fort­schrit­te. Wenn man genau­er hin­schaut, sieht man vie­le inter­es­san­te Details.

Fern­ver­kehr

Der Anteil pünkt­li­cher Züge nahm im ver­gan­ge­nen Jahr leicht um einen Punkt auf 75,9 Pro­zent zu. In den bei­den Vor­jah­ren 2016 und 2017 wur­den jedoch bes­se­re Wer­te erzielt.

Posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen gab es bei den netz- und bau­stel­len­be­ding­ten Ursa­chen. Auch das „War­ten auf Anschluss­zü­ge“ war sel­te­ner Ursa­che für ver­spä­te­te ICE und IC. Nega­tiv auf die Ent­wick­lun­gen wirk­ten sich aus die Stö­run­gen an Fahr­zeu­gen, die unpünkt­li­che Bereit­stel­lung der Züge, das War­ten auf Per­so­nal sowie die Hal­te­zeit­über­schrei­tung in den Bahn­hö­fen.

Dies zeigt, dass es in hohem Maße an den Fahr­zeu­gen liegt, wenn sich Züge ver­spä­ten. Deut­lich fest­ma­chen lässt sich dies an der Ent­wick­lung der durch­schnitt­li­chen Stand­zeit der ICE-Züge in den Werk­stät­ten. Lag die­se im Jahr 2015 noch bei 17,1 Stun­den, stieg die Zeit kon­ti­nu­ier­lich auf inzwi­schen 23,5 Stun­den. Die Züge, die so lan­ge in den Werk­stät­ten ste­hen, feh­len auf der Stre­cke.

Der Anteil voll­stän­dig oder auf Teil­ab­schnit­ten aus­ge­fal­le­ner Züge lag in den letz­ten bei­den Jah­ren mit 5,4 bzw. 5,3% auf­fäl­lig hoch. In den Jah­ren zuvor waren es zwi­schen 1,3 und 3,7 Pro­zent. Der Anteil voll­stän­dig ent­fal­le­ner Fern­zü­ge lag in all den Jah­ren zwi­schen 0,2 und 1,4 Pro­zent, zuletzt bei 1,2 Pro­zent.

Regio­nal­ver­kehr

DB Regio fuhr zuletzt sie­ben Pro­zent weni­ger Tras­sen­ki­lo­me­ter als noch im Jahr 2014. Dies lässt sich auf ver­lo­re­ne Aus­schrei­bun­gen zurück­füh­ren. Das Unter­neh­men fuhr zugleich aber 54 Pro­zent mehr an Ver­spä­tungs­mi­nu­ten ein! In Baden-Würt­tem­berg und Bay­ern waren es bei nahe­zu unver­än­der­ter Ver­kehrs­lei­tung (-2% bzw. +0,3%) je 52 Pro­zent mehr Ver­spä­tungs­mi­nu­ten.

Da sich der Anteil ver­spä­te­ter Züge bei DB Regio mit 5,7% ins­ge­samt nicht ver­än­dert hat, muss das Aus­maß an Ver­spä­tung in Minu­ten pro ver­spä­te­tem Zug erheb­lich zuge­nom­men haben. Also: Der Anteil ver­spä­te­ter Züge blieb unver­än­dert, aber wenn sie ver­spä­tet waren, dann waren sie deut­lich stär­ker ver­spä­tet.

S‑Bahnen

Bei der 2:59-Minuten-Pünktlichkeit der S‑Bahnen weist Ber­lin die höchs­te Pünkt­lich­keits­ra­te auf (94%), gefolgt von Ham­burg (92,4%), Dres­den (92,1%), Mit­tel­deutsch­land (92%), Mag­de­burg (88,1%), NRW (85,6%), Stutt­gart (84,4%), Han­no­ver (84,2%), Rhein-Main (81,2%), Mün­chen (80,5%) und Rhein-Neckar (78,8%).

Es muss aller­dings dazu gesagt wer­den, dass sich die S‑Bahnen nur sehr bedingt ver­glei­chen las­sen, da eini­ge auf durch­ge­hend eige­nen Tras­sen fah­ren, wäh­rend ande­re auch im Misch­ver­kehr unter­wegs sind.

DB Car­go (Güter­ver­kehr)

DB Car­go fuhr in 2019 rund 22 Pro­zent weni­ger Zug­ki­lo­me­ter, die Ver­spä­tungs­mi­nu­ten san­ken jedoch um 31 Pro­zent. Dies bedeu­tet: Die Güter­bahn der DB wur­de pünkt­li­cher.

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Kommentare zu “Deutsche Bahn: Im Regionalverkehr unpünktlicher

  1. Christine Reply

    wenn es doch in hohem Maß an den Fahr­zeu­gen liegt dass die Züge sich ver­spä­ten, wäre es da nicht sinn­voll in Deutsch­land wie­der mehr Fahr­zeu­ge für den Bahn­ver­kehr selbst her­zu­stel­len anstatt nur Autos?
    Es müss­te doch mög­lich sein hier wie­der “auto­nom” zu wer­den und nicht auf Lie­fe­run­gen aus dem Aus­land zu set­zen, was ja lei­der oft nicht funk­tio­niert.

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Es gibt eine im Grun­de star­ke Bahn­in­dus­trie in Deutsch­land, die rund 50.000 Arbeits­plät­ze bie­tet. Der Fach­kräf­te­man­gel, die momen­tan hohe Auf­trags­la­ge und Orga­ni­sa­ti­ons­pro­ble­me sor­gen jedoch dafür, dass nicht pünkt­lich und nicht in der erwar­te­ten Qua­li­tät aus­ge­lie­fert wird. Der Staat kann jedoch kei­ne Unter­neh­men zwin­gen, in die Pro­duk­ti­on von Zügen ein­zu­stei­gen, zumal dafür viel Erfah­rung und ein extrem hoher Inves­ti­ti­ons­be­darf erfor­der­lich sind. Hin­zu kommt der zuneh­men­de Wett­be­werb mit Her­stel­lern aus ande­ren euro­päi­schen Län­dern und abseh­bar auch aus Chi­na.

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