Einblicke in die Gemeinschaftsschule

29.11.2017

Nach dem Schul­be­such in Fri­cken­hau­sen ging es ins Jugend­haus Neuffen

Im Jahr 2014 wur­de aus der Grund- und Werk­re­al­schu­le die Gemein­schafts­schu­le Fri­cken­hau­sen. Vor Ort habe ich mich bei Leh­rern, Schü­lern und Eltern erkun­digt, wie sie sich seit­her ent­wi­ckelt hat.

Auf der Home­page der Schu­le mit 500 Schü­le­rin­nen und Schü­lern (270 davon ganz­tags) wird der päd­ago­gi­sche Ansatz wie folgt beschrie­ben: „Als Gemein­schafts­schu­le möch­ten wir allen Kin­dern und Jugend­li­chen eine Lern­um­ge­bung bie­ten, in der sie Leis­tun­gen zei­gen und indi­vi­du­el­le Best­leis­tun­gen erzie­len kön­nen. Die kon­ti­nu­ier­li­che Refle­xi­on des eige­nen Ler­nens und die schritt­wei­se Hin­füh­rung zum selb­stän­di­gen Arbei­ten sind zwei wich­ti­ge Ele­men­te unse­rer Schu­le.“

Mein Besuch begann in der pro­vi­so­ri­schen Men­sa in der Sport­hal­le. Beim Mit­tag­essen gin­gen Bür­ger­meis­ter Bles­sing und Schul­lei­ter Hens­ler auf die Vor­ge­schich­te ein und erklär­ten mir die lau­fen­den und die geplan­ten Erwei­te­rungs­bau­ten auf dem Schul­ge­län­de. Und natür­lich ging es beim Essen auch um das Essen: 200 Mahl­zei­ten wer­den pro Tag von einem haupt­amt­li­chen Küchen­team zube­rei­tet – der­zeit in der Hal­len­kü­che, künf­tig in der neu­en Schul­kü­che. Umge­rech­net drei Voll­zeit­stel­len wur­den dafür geschaf­fen. Es wird so viel wie mög­lich frisch zube­rei­tet, dies­mal bei­spiels­wei­se das Gemü­se und der Kar­tof­fel­brei. Dass es nahe­zu jeden Tag Fleisch gibt, sorgt bei Eltern immer wie­der für Kri­tik – die Eltern bestel­len wider­sprüch­li­cher­wei­se aber gera­de die­se Menüs ger­ne für ihre Kin­der. Der Bür­ger­meis­ter nutz­te die Gele­gen­heit, um eine bes­se­re Inter­net­ver­sor­gung anzu­mah­nen. Ich ver­wies dar­auf, dass mit „Jamai­ka“ die Chan­ce dafür bestan­den hät­te, statt wei­ter auf Kup­fer zu set­zen end­lich bun­des­weit mas­siv in Glas­fa­ser zu inves­tie­ren. Auch Mit­tel für die Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len waren Kon­sens zwi­schen den vier Par­tei­en. Mal sehen, was jetzt geschieht …

Der Schul­lei­ter beglei­te­te mich anschlie­ßend in die 8. Klas­se. Sie ist die „ältes­te“ Gemein­schafts­schul­klas­se, da die 9. Klas­se noch nach dem Kon­zept der Werk­re­al­schu­le Unter­rich­tet und zum Schul­ab­schluss geführt wird. Hier bekom­me ich von den Schü­le­rin­nen und Schü­lern die Berichts­bö­gen vor­ge­stellt und eini­ge exem­pla­ri­sche Auf­ga­ben­blät­ter gezeigt, die es alle nach den drei Anspruchs­gra­den „Haupt­schu­le“, „Real­schu­le“ und „Gym­na­si­um“ gibt. Jede Schü­le­rin, jeder Schü­ler kann sich immer wie­der neu sel­ber ein­schät­zen. Auf mei­ne Fra­ge, wer für sich meist die ein­fa­che­re Vari­an­te wählt, mel­de­te sich nie­mand. Hin­ge­gen gin­gen alle Hän­de hoch, als ich frag­te, wer meist das Niveau wählt, mit dem man an die eige­nen Gren­zen kommt. Wir spra­chen noch über Berufs­vor­be­rei­tung und ‑prak­ti­ka, dann ging es für mich wei­ter in eine Run­de mit Schü­le­rin­nen und Schü­lern, Lehr­kräf­ten und Eltern.

Ein Vater mit zwei Kin­dern in der Gemein­schafts­schu­le berich­te­te davon, dass die Kin­der unbe­dingt auf die­se Schu­le woll­ten und er posi­ti­ve Erfah­run­gen gemacht habe. Die Mit­ter eines Sechst­kläss­lers führ­te aus, dass sie ihr Kind nicht in das drei­glied­ri­ge Schul­sys­tem ein­sor­tie­ren woll­te und sich die Kin­der an der Gemein­schafts­schu­le aus­pro­bie­ren und ori­en­tie­ren könn­ten. Sie bemän­gel­te aller­dings die Ihrer Ansicht nach unzu­rei­chen­de Leh­rer­ver­sor­gung. Eine Leh­re­rin bestä­tig­te die­se Ein­schät­zung und wies auf Über­stun­den und Eng­päs­se vor allem bei Krank­heits­aus­fäl­len hin. Eine ande­re Leh­re­rin kri­ti­sier­te die Klas­sen­grö­ße von häu­fig 28 Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Hin­ge­gen sei die Schul­grö­ße mit ihrer Zwei- und zuneh­men­den Drei­zü­gig­keit opti­mal. Die Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin ant­wor­te­te auf mei­ne Fra­ge, wie denn die 70 Minu­ten lan­ge Mit­tags­pau­se gestal­tet wird, dass zwar die Auf­sicht gesi­chert sei und auch ein­zel­ne betreu­te Ange­bo­te wie Ten­nis und Fuß­ball mög­lich sei­en, dies aber nicht aus­rei­che. Und ein Schü­ler der 6. Klas­se lobt: „Wenn man beim Ler­nen Pro­ble­me hat, kann man sei­ne Mit­schü­ler fra­gen.“ Und das Lern­coa­ching durch die Leh­re­rin­nen und Leh­rer sei „rich­tig gut“.

Zumin­dest für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler war nach der Gesprächs­run­de „Fei­er­abend“. Mich brach­te die Täles­bahn noch nach Neuffen.

Im Jugend­haus in Neuffen

Das Jugend­haus wur­de gera­de neu in ehe­ma­li­gen Schul­räu­men auf­ge­baut. Der Jugend­haus­lei­ter David Homo­la hat mir das Kon­zept vor­ge­stellt. Anschlie­ßend habe ich mit Jugend­li­chen über Schu­le und Schul­po­li­tik, Natur­schutz und die schwie­ri­ge Regie­rungs­bil­dung in Ber­lin dis­ku­tiert.

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