Ist Logistik mit E‑Lkw nur in der Nische möglich? Eine badische Spedition zeigt, dass batterieelektrische Lastwagen voll einsatzbereit sind. Ich habe das Unternehmen besucht.
Sechs von neun Standorten der Spedition Schmitt sind bereits elektrifiziert, haben also Lade-Infrastruktur für elektrische Lkw. Über 100 Lastwagen verfügt das Unternehmen, von denen bis Jahresende 70 mit Batterie fahren werden. Der Geschäftsführer ist so sehr von Elektroantrieben überzeugt, dass er dafür sogar geleaste Dieselfahrzeuge vorzeitig ablöst. Das Geschäftsmodell ist sehr divers: Es werden Industrieunternehmen Lagerräume angeboten. Von dort aus wird bedarfsgerecht geliefert. Die Distanzen sind aber nicht immer überschaubar. Es gibt auch ein „normales“ Speditionsgeschäft. Dann geht es auch mal nach Sachsen oder gar nach Ungarn und Rumänien – auch dies gelingt elektrisch.
Ganz so Easy ist die Umstellung nicht. Einige Netzbetreiber, vor allem die kleineren, seien übervorsichtig, hätten wenig Erfahrung und würden sehr zögern, die Netze auszubauen, um die benötigten Strommengen lieferbar zu machen. Zwei der neun Standorte hätten Probleme mit den Stromnetzen. Wie steht es um Photovoltaik auf den eigenen Dächern und Stromspeicher? Sind teilweise vorhanden und werden ausgebaut. Teilweise seien die Lade- und Fahrzeiten an die Verfügbarkeit von (eigenem) Strom angepasst worden. Man lade so gut wie möglich „netzdienlich“, also dann, wenn genügend Strom verfügbar ist. Umso mehr elektrisch gefahren werde, umso mehr ließen sich die niedrigeren Betriebskosten skalieren. Kürzlich wurde ein eigener Energiemanager eingestellt, um Prozesse zu optimieren.
Überhaupt die Kosten: Die hohen Dieselpreise würden helfen, noch schneller in die Wirtschaftlichkeit zu kommen und bereits bestehende Wettbewerbsvorteile gegenüber der auf Diesel setzenden Konkurrenz noch weiter auszubauen. Die Mautbefreiung helfe überdies. Zudem würden die Anschaffungskosten elektrischer Lkw sinken. Der Erfolg könnte sich in der steigenden Beschäftigtenzahl ausdrücken. Diese dürfte bald die Marke von 400 erreichen.
Was sagt das Fahrpersonal? Mit einem älteren Fahrer konnte ich sprechen. Er sei anfangs skeptisch gewesen und hätte sich nicht vorstellen können, dass man mit der Energie aus der Batterie zuverlässig ans Ziel komme. Heute sei er davon voll überzeugt und wolle keine Diesellaster mehr fahren.
