Einzelwagenverkehr in der Krise

28.11.2019

Schienengüterverkehr verlangt nach politischem Handeln

Nur ein knap­pes Fünf­tel des Güter­ver­kehrs wird auf der Schie­ne abge­wi­ckelt. Der Last­wa­gen domi­niert mit einem Anteil von rund 70 Pro­zent den Güter­ver­kehr. Ins­be­son­de­re der sog. „Ein­zel­wa­gen­ver­kehr“ ist in der Kri­se.

Hin­ter die­sem Fach­be­griff ver­ber­gen sich Güter­wa­gen, die von ver­schie­de­nen Orten/Kunden stam­men, in einem Ran­gier­bahn­hof (bspw. in Maschen, Mann­heim und Korn­west­heim) mit ande­ren Wagen gekup­pelt und gemein­sam in ihre Ziel­re­gi­on gefah­ren wer­den. Die­ses Sam­mel- und Ver­teil­sys­tem ist in der Orga­ni­sa­ti­on und vom Per­so­nal­auf­wand her gese­hen sehr auf­wän­dig. Die Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf unse­re Anfra­ge offen­bart die Pro­ble­me des Ein­zel­wa­gen­ver­kehrs in aller Deut­lich­keit. Das anstei­gen­de Durch­schnitts­al­ter der Güter­wa­gen auf inzwi­schen 32 Jah­re und das hohe Alter der Ran­gier­loks (im Durch­schnitt 42 Jah­re alt) zei­gen exem­pla­risch, dass die Deut­sche Bahn über vie­le Jah­re zu wenig inves­tiert hat. Stei­gen­de Instand­hal­tungs­kos­ten legen den Spar­kurs der Ver­gan­gen­heit scho­nungs­los offen. Auch der Schrumpf­kurs, dem bis in die heu­ti­ge Zeit Gleis­an­schlüs­se zum Opfer fal­len (2012: 1.520 von der DB bedien­te Güter­ver­kehrs­stel­len, 2018: 1.400), hat nicht zur Gesun­dung des Ein­zel­wa­gen­ver­kehrs bei­getra­gen. Im Gegen­teil: Das stän­di­ge Weg­bre­chen von Güter­men­gen sorgt in einem fix­kos­ten­ge­trie­be­nen Sys­tem für stei­gen­de Kos­ten je Wag­gon.

Für die Ver­kehrs­wen­de und die Ver­la­ge­rung von Güter­ver­kehr auf die Schie­ne benö­ti­gen wir ein moder­nes und leis­tungs­fä­hi­ges Ein­zel­wa­gen­sys­tem. Des­halb brau­chen wir umge­hend ein Inves­ti­ti­ons­pro­gramm zur kon­se­quen­ten Moder­ni­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung die­ses wich­ti­gen Seg­ments des Güter­ver­kehrs auf der Schie­ne. Der Bund muss mit einem neu­en Gleis­an­schluss­pro­gramm dafür sor­gen, dass dem Sys­tem zusätz­li­che Men­gen zuge­führt wer­den kön­nen.

Über­fäl­lig ist die euro­pa­wei­te Ein­füh­rung einer auto­ma­ti­schen Kupp­lung, mit der Betriebs­ab­läu­fe im Güter­ver­kehr weit­ge­hend auto­ma­ti­siert wer­den kön­nen. Dies wür­de dem Ein­zel­wa­gen­ver­kehr einen enor­men Schub in der Wirt­schaft­lich­keit ver­lei­hen. Hier brau­chen wir eine Anschub­fi­nan­zie­rung durch den Bund, damit der Güter­ver­kehr der Zukunft end­lich ins Rol­len kommt. Und schließ­lich braucht die Ver­kehrs­wen­de fai­re Wett­be­werbs­be­din­gun­gen zwi­schen den Güter­bah­nen und dem Lkw: Es ist ein Unding, dass wir jähr­lich noch Mil­li­ar­den­be­trä­ge für die Sub­ven­tio­nie­rung von Die­sel­kraft­stoff aus­ge­ben.

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