Fernbusmarkt: DB erwacht aus Schockstarre

Busbahnhof überfüllt, Köln August 2014Pres­se­er­klä­rung vom 23.02.2015

Zur heu­ti­gen Vor­stel­lung des neu­en Fern­bus­kon­zepts der Deut­schen Bahn AG (DB) erklärt Mat­thi­as Gast­el, bahn­po­li­ti­scher Spre­cher der Bun­des­tags­frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen:

Nach­dem die DB die Fern­bus­se lan­ge Zeit unter­schätzt hat, will sie sich nun selbst stär­ker auf dem dyna­misch wach­sen­den Markt enga­gie­ren. Hier­für sol­len die ver­schie­de­nen kon­zern­ei­ge­nen Fern­bus­an­bie­ter, die der­zeit gemein­sam einen Markt­an­teil von knapp zehn Pro­zent besit­zen, zu einer ein­zel­nen Mar­ke zusam­men­ge­fasst wer­den. Zudem will die DB ihre Ange­bo­te auf dem Bus­markt bis 2016 deut­lich aus­wei­ten und neue Ver­bin­dun­gen, auch ins Aus­land, schaf­fen.

Eine Reak­ti­on der DB auf den dyna­misch wach­sen­den Fern­bus­markt war über­fäl­lig. Bei der Aus­wei­tung des Bus­an­ge­bots soll­te die DB den Fokus aber dar­auf legen, Bahn­ver­bin­dun­gen nicht durch Bus­ver­bin­dun­gen zu erset­zen, son­dern sinn­voll zu ver­knüp­fen. Die Stär­kung des eige­nen Bus­an­ge­bots allein ist kei­ne hin­rei­chen­de Ant­wort auf den wach­sen­den Fern­bus­markt. Die DB muss auch stär­ker um jeden Fahr­gast auf der Schie­ne kämp­fen. Durch güns­ti­ge und ver­ständ­li­che Prei­se, mehr Pünkt­lich­keit und bes­se­ren Ser­vice (wie WLAN und Gas­tro­no­mie) kön­nen Kun­den gebun­den und hin­zu­ge­won­nen wer­den. Vor­tei­le im Bereich der Schnel­lig­keit und des Kom­forts soll­te die Bahn in Zukunft bes­ser aus­spie­len und durch aus­rei­chen­de Inves­ti­tio­nen in die Infra­struk­tur für die Zukunft sicher­stel­len. Neben der Pla­nung von Bus­re­la­tio­nen ins Aus­land, soll­te die DB vor allem den grenz­über­schrei­ten­den Zug­ver­kehr stär­ken, wo gerin­ge Inves­ti­tio­nen häu­fig eine gro­ße Wir­kung ent­fal­ten kön­nen. Die Hoff­nun­gen auf die Rea­li­sie­rung sol­cher Ideen lie­gen im neu­en Schie­nen­fern­ver­kehrs­kon­zept der DB, das im März vor­ge­stellt wer­den soll. Um der Bahn zu ermög­li­chen, offen­si­ver mit der Fern­bus­kon­kur­renz umzu­ge­hen, muss der Gesetz­ge­ber aber auch für fai­re Wett­be­werbs­be­din­gun­gen sor­gen. Hier­zu gehört unter ande­rem die Bemau­tung von Fern­bus­sen. Zudem muss die Poli­tik Min­dest­stan­dards für Bus­sta­tio­nen fest­le­gen (u. a. Wet­ter­schutz, Sani­tär­an­la­gen und Bar­rie­re­frei­heit). An den Kos­ten des Aus­baus soll­ten die Bus­un­ter­neh­men betei­ligt wer­den.

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Kommentare zu “Fernbusmarkt: DB erwacht aus Schockstarre

  1. Wolfgang Staiger Reply

    Sehr geehr­ter Herr Gast­el,

    mir kommt es ein wenig so vor, als ob Sie und Ihre Par­tei nun dar­über erschre­cken, dass Sie die Geis­ter, die sie rie­fen, nicht mehr los wer­den. Ich hal­te es für naiv, zu glau­ben, die Bahn wer­de nun ent­ge­gen jeg­li­cher wirt­schaft­li­cher Logik ihren Ser­vice auf der Schie­ne wegen der Kon­kur­renz der Bus­se ver­bes­sern. Sie wird im Gegen­teil Züge strei­chen und wie nun ange­kün­digt ver­stärkt in eige­ne Bus­ver­keh­re inves­tie­ren, denn die poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen favo­ri­sie­ren nun ein­mal ein­deu­tig den Stra­ßen­ver­kehr und dis­kri­mi­nie­ren die Schie­ne (Tras­sen­ge­büh­ren, EEG-Umla­ge, Vor­schrif­ten für Crash, Behin­der­ten­toi­let­ten, Bar­rie­re­frei­heit, Fahr­gast­rech­te .….). Auch ein­zel­ne Kor­rek­tu­ren, wie sie Ihre Par­tei for­dert, wer­den dar­an nichts ändern, denn im Grun­de pro­fi­tiert der Bus von einer Infra­struk­tur, die für den Indi­vi­du­al­ver­kehr geschaf­fen wur­de und daher immer güns­ti­ger sein wird.

    Die Grü­nen waren zusam­men mit der FDP an vor­ders­ter Front mit dabei, als es dar­um ging, die Beschrän­kung des Par­al­lel­ver­kehrs von Fern­li­ni­en­bus­sen und Eisen­bahn auf­zu­he­ben. Dass dies zulas­ten des IC-Ver­kehrs gehen wür­de, war abzu­se­hen, wur­de jedoch von Ihrer Par­tei immer bestrit­ten. Einer aktu­el­len Ana­ly­se des Bun­des­amt für Güter­ver­kehrs (Markt­ana­ly­se des Fern­bus­li­ni­en­ver­kehrs 2014) kann man aller­dings ent­neh­men, dass immer­hin 44% der Fern­bus­pas­sa­gie­re frü­her mit dem Zug gefah­ren sind, wäh­rend nur 15% vor­her mit ihrem pri­va­ten Pkw gefah­ren sind. Nur die­se Fahr­ten wer­den wirk­lich durch eine Bus­fahrt ersetzt, denn sowohl der Zug, als auch die Fah­rer, die frü­her jemand ande­ren mit­ge­nom­men haben, fah­ren wei­ter. Damit ent­fällt auch das Argu­ment der Umwelt­freund­lich­keit weit­ge­hend, das im Vor­feld der Libe­ra­li­sie­rung immer wie­der bemüht wur­de. Das fol­gen­de Zah­len­bei­spiel soll dies ver­deut­li­chen:

    In einem Fern­li­ni­en­bus mit typi­scher­wei­se 50 Sitz­plät­zen sit­zen bei einer durch­schnitt­li­chen Aus­las­tung von 55% (lt. Stat. Bun­des­amt) im Mit­tel 27,5 Per­so­nen. Wenn 15 % davon vor­her allei­ne mit dem eige­nen Auto gefah­ren sind, ent­fal­len 4,1 Auto­fahr­ten, für die zusam­men etwa
    30 l Kraft­stoff auf 100 km ver­braucht wer­den. Dies ent­spricht ziem­lich genau dem Ver­brauch des Fern­bus­ses (ca. 25 – 30 l).

    Es wird also unter dem Strich über­haupt nichts ein­ge­spart, dafür steigt der Lärm und die Abnut­zung der Stra­ßen, das Unfall­ri­si­ko steigt und die Ren­ta­bi­li­tät der Eisen­bahn sinkt durch die feh­len­den 44% der Fern­bus­pas­sa­gie­re. Die tarif­lich ver­gü­te­ten Arbeits­plät­ze bei der Bahn ver­schwin­den nach und nach, wäh­rend im flo­rie­ren­den Fern­bus­ge­wer­be Arbeits­plät­ze ent­ste­hen, bei denen viel­fach Vor­schrif­ten nicht ein­ge­hal­ten wer­den und die schlecht bezahlt wer­den.

    Ich habe den Ein­druck, dass die Poli­tik und neu­er­dings auch die Grü­nen immer weni­ger gewillt sind, zwei teu­re par­al­le­le Infra­struk­tu­ren wei­ter zu unter­hal­ten und in Zei­ten knap­per Kas­sen nur noch die Stra­ßen aus­bau­en will, von denen dann eben auch der Fern­bus­ver­kehr pro­fi­tiert. Die Schie­ne gerät dann ins Hin­ter­tref­fen, wie es schon vor etwa 80 Jah­ren in den USA mit der Ein­füh­rung des Grey­hound-Bus­sys­tems der Fall war. Spä­ter ist dann auch die­ses weit­ge­hend ver­schwun­den, aber für eine Über­gangs­zeit bis zur Voll­mo­to­ri­sie­rung war es ein taug­li­ches Instru­ment.

    Lei­der haben die Grü­nen vor lau­ter Sor­ge dar­um, ihre wohl­si­tu­ier­ten und hoch­mo­bi­len Wäh­ler­schich­ten zu ver­schre­cken, längst Abstand von (nach­drück­li­chen) For­de­run­gen nach einer Ver­kehrs­wen­de und einer mas­si­ven Umlen­kung von Inves­ti­tio­nen hin zur Schie­ne genom­men. Dies hät­te ja auch Kon­se­quen­zen für den All­tags­kom­fort, wäh­rend etwa die Ener­gie­wen­de die All­ge­mein­heit über ein Umla­ge­sys­tem zwar viel Geld kos­tet, aber kei­ner­lei Kom­fort­ein­bu­ßen für den Ein­zel­nen mit sich bringt. Mit einem Ver­kehrs­mit­tel wie dem Fern­bus, das in Ent­wick­lungs­län­dern sehr erfolg­reich ist, wird man in Deutsch­land jeden­falls kaum vie­le Auto­fah­rer zum Umstei­gen bewe­gen kön­nen.

    Mit freund­li­chen Grü­ßen

    Wolf­gang Stai­ger

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Sehr geehr­ter Herr Stai­ger,
      wir Grü­nen ste­hen zur Libe­ra­li­sie­rung des Fern­bus­mark­tes – unter fai­ren Wett­be­werbs­be­din­gun­gen, die wir u. a. mit einer Bus­maut von vor­ne­her­ein ein­ge­for­dert haben. Dass die­se neue Kon­kur­renz zu Ser­vice­ver­bes­se­run­gen bei der Bahn führt, steht außer Zwei­fel. Zu nen­nen ist das WLAN in Zügen – mei­ne Ant­wort auf Ihren Kom­men­tar schrei­be ich gera­de vom Zug aus. Dass auch in Zukunft Züge gestri­chen wer­den kann ich lei­der nicht aus­schlie­ßen. Das gab es aber auch schon vor der Libe­ra­li­sie­rung des Fern­bus­mark­tes, da der Bahn­kon­zern bis­lang nie wirk­lich um mehr Fahr­gäs­te gekämpft hat. 100 Mil­li­ar­den Euro wur­den seit der Bahn­re­form in die Schie­ne inves­tiert, ohne dass sich der Ver­kehrs­an­teil der Schie­ne im Fern­ver­kehr erhöht hät­te. Zu dem, was erfor­der­lich ist, um mehr Fahr­gäs­te für die Schie­ne zu gewin­nen, fin­den Sie zahl­rei­che Bei­trä­ge auf mei­ner Home­page. Ihre Aus­sa­ge zur Umwelt­bi­lanz von Fern­bus­sen kann ich nicht nach­voll­zie­hen. Denn mit Sicher­heit fin­den nicht mehr alle Auto­fahr­ten statt, die bis zum Boom der Fern­bus­se durch Fahr­ge­mein­schaf­ten umla­ge­fi­nan­ziert wur­den. Daher dürf­te die Umwelt­bi­lanz der Fern­bus­se bei ent­spre­chend hoher Aus­las­tung posi­tiv aus­se­hen. Wis­sen­schaft­lich unter­leg­te Nach­wei­se dafür gibt es aber noch nicht; alle sta­tis­ti­schen Daten fußen auf frei­wil­li­gen Anga­ben der Fern­bus­an­bie­ter. Nach allem, was wir bis­her wis­sen, gehen wir davon aus, dass der Fern­bus gemein­sam mit der Bahn eine der Säu­len für eine nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät dar­stellt und damit Teil der Ver­kehrs­wen­de ist, die wir durch Mit­tel­um­schich­tun­gen im Haus­halt zuguns­ten der öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel und dem Abbau öko­lo­gisch schäd­li­cher Sub­ven­tio­nen in Ergän­zung zur Ener­gie­wen­de vor­an brin­gen wol­len.
      Mit freund­li­chen Grü­ßen
      Mat­thi­as Gast­el

      • Wolfgang Staiger Reply

        Sehr geehr­ter Herr Gast­el,

        ich gebe Ihnen Recht, dass durch die Fern­bus­li­be­ra­li­sie­rung und den damit ver­bun­de­nen Wett­be­werb kurz­fris­tig Ver­bes­se­run­gen für die Fahr­gäs­te im Fern­ver­kehr der Bahn ent­stan­den sind. Mei­ne Sor­gen bezie­hen sich aber auf die lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen und da zeigt sich schon jetzt, dass die Bahn kei­nes­wegs eine Ange­bots­of­fen­si­ve in ihrem Kern­ge­schäft, näm­lich dem Schie­nen­ver­kehr, star­tet, son­dern ihr Bus­an­ge­bot mas­siv aus­wei­tet. Gleich­zei­tig wer­den IC-Lini­en, Nacht­zug­ver­bin­dun­gen und grenz­über­schrei­ten­de Züge gestri­chen. Es fällt mir schwer, da kei­nen Zusam­men­hang her­zu­stel­len.

        Sie machen es sich ein biss­chen ein­fach, wenn Sie den aus­ge­blie­be­nen Ver­kehrs­zu­wachs der Bahn im Fern­ver­kehr anpran­gern und den Ein­druck erwe­cken, dass trotz hoher Inves­ti­tio­nen in die Schie­ne nichts erreicht wor­den sei. Ins­ge­samt hat der Ver­kehrs­an­teil der Schie­ne näm­lich durch­aus zuge­nom­men und zwar von 6,6% im Jahr 1994 auf 7,8% im Jahr 2013 (lt. Ver­kehr in Zah­len). Dass die Stei­ge­rung haupt­säch­lich im Regio­nal­ver­kehr erfolg­te, liegt u.a. auch dar­an, dass es der Fern­ver­kehr auf den Alt­stre­cken gegen­über den par­al­lel ver­keh­ren­den Regio­nal­zü­gen oft schwer hat, die als IRE kaum lang­sa­mer als ICs sind, aber mit Län­der­ti­ckets und ande­ren güns­ti­gen Nah­ver­kehrs­fahr­kar­ten nutz­bar sind.

        Auch die Aus­ga­ben für die Bahn von 100 Mil­li­ar­den Euro in den 20 Jah­ren seit der Bahn­re­form sind nicht so hoch, wie es scheint. Tat­säch­lich wur­den nach Anga­ben der Bahn 106,8 Mil­li­ar­den Euro in die Infra­struk­tur inves­tiert, wobei die DB 19,4 Mil­li­ar­den Euro an Eigen­mit­tel bei­steu­er­te. Der Anteil des Bun­des liegt damit bei 87,4 Mil­li­ar­den Euro, d.h. durch­schnitt­lich bei ca. 4,4 Mil­li­ar­den Euro pro Jahr. Ver­gli­chen mit den Stra­ßen­aus­ga­ben in Deutsch­land von ca. 20 Mil­li­ar­den Euro pro Jahr (lt. Ver­kehr in Zah­len), zu denen noch eini­ge Mil­li­ar­den an ver­deck­ten Sub­ven­tio­nen z. B. in den Gemein­de­haus­hal­ten kom­men oder den Kos­ten des EEG-Umla­ge von 23,6 Mil­li­ar­den Euro für 2014 erscheint die Sum­me für das Schie­nen­netz nicht mehr so beein­dru­ckend.

        Ande­re Län­der tun viel mehr für ihr Schie­nen­netz. Die Alli­anz pro Schie­ne ver­gleicht jedes Jahr die Inves­ti­tio­nen in das Schie­nen­netz pro Kopf der Bevöl­ke­rung und wie schon in den Vor­jah­ren ran­gier­te Deutsch­land auch 2013 mit 54 Euro weit unten in der Tabel­le, wäh­rend Län­der wie Groß­bri­tan­ni­en mit 120 Euro, Schwe­den mit 160 Euro und die Schweiz mit 366 Euro pro Kopf viel mehr aus­ge­ben.

        Im Übri­gen for­dern Sie ja auch sel­ber mehr Geld für die Schie­ne. Dass das Geld heu­te oft in die fal­schen oder gar in völ­lig unsin­ni­ge Maß­nah­men, wie z. B. Stutt­gart 21 fließt, kri­ti­sie­ren Sie m. E. völ­lig zurecht. Indem Sie die Bahn nun einer schar­fen Kon­kur­renz durch die Fern­bus­se aus­set­zen, ver­schlech­tern Sie jedoch die Lage des Bahn­net­zes, denn die Tras­sen­ge­büh­ren der gestri­che­nen Fern­zü­ge feh­len in der Kas­se. Ich wür­de es viel eher begrü­ßen, wenn Sie sich dafür ein­set­zen wür­den, dass nach Art. 87e Abs. 4 GG eine flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung im Fern­ver­kehr auf der Schie­ne sicher­ge­stellt wer­den könn­te – mög­li­cher­wei­se auch in Form von bestell­tem Fern­ver­kehr, wie in unse­rem Nach­bar­land Frank­reich, wo es die „trains d’é­qui­libre du ter­ri­toire“ (TET) gibt.

        Mit freund­li­chen Grü­ßen

        Wolf­gang Stai­ger

Mitreden.

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