Für Taxis ist Innovation nötig

17.02.2017

(Auf Basis einer Pres­se­er­klä­rung)

Taxigewerbe sollte auf Innovationen und mehr Fahrgäste statt höhere Preise setzen

Zur Ankün­di­gung des Taxi­ge­wer­bes in Stutt­gart, die Prei­se deut­lich erhö­hen zu wol­len, erklärt Mat­thi­as Gast­el, MdB aus Fil­der­stadt und Mit­glied des Ver­kehrs­aus­schus­ses:

„Nur immer wei­ter an der Preis­schrau­be zu dre­hen, bringt das Taxi­ge­wer­be lang­fris­tig nicht auf einen grü­nen Zweig. Das Gewer­be befin­det sich in einem Teu­fels­kreis von sin­ken­den Ein­nah­men und schlech­ter Aus­las­tung von nur 25 Pro­zent. Der Fahr­gast bezahlt aktu­ell nur zu einem gerin­gen Teil für sei­ne eige­ne Fahrt. Zum Groß­teil zahlt er für Leer­fahr­ten und die lan­gen War­te­zei­ten der Taxi­fah­rer zwi­schen den Fahr­ten. Nicht Preis­stei­ge­run­gen, son­dern Maß­nah­men im Inter­es­se der Kun­den sind nötig, um den Teu­fels­kreis des Taxi­ge­wer­bes zu durch­bre­chen. Obers­tes Ziel müs­sen Effi­zi­enz­stei­ge­run­gen, höhe­re Aus­las­tung und mehr Fahr­gäs­te sein. Um lang­fris­tig erfolg­reich zu sein, muss sich das Taxi­ge­wer­be wei­ter­ent­wi­ckeln und sich für Ver­än­de­run­gen im Inter­es­se der Fahr­gäs­te öff­nen. Die Gesetz­ge­ber müs­sen für fai­re und zeit­ge­mä­ße Rah­men­be­din­gen sor­gen und die Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung zum Zuge kom­men las­sen. Die Taxi­nut­zung muss für die Fahr­gäs­te ein­fa­cher wer­den. Dies gilt bei­spiels­wei­se für die Bezah­lung mit EC-Kar­ten. In eini­gen Städ­ten wie Ber­lin ist dies längst üblich, in Stutt­gart aber nicht mög­lich. Hier­für einen Zuschlag zu ver­lan­gen ist aus der Stein­zeit und schreckt Kun­den ab. Das seit Jahr­zehn­ten für die Regu­lie­rung des Taxi­mark­tes prak­tisch unver­än­der­te Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz muss wei­ter­ent­wi­ckelt und an die Mobi­li­täts­be­dürf­nis­se der Men­schen sowie den aktu­el­len Stand der Tech­nik ange­passt wer­den. Um neue Beför­de­rungs­an­ge­bo­te leich­ter zu ermög­li­chen, soll­te die Expe­ri­men­tier­klau­sel des Geset­zes aus­ge­wei­tet und kon­kre­ti­siert wer­den. So soll­te bei­spiels­wei­se Taxi-Sharing erleich­tert wer­den. Dabei kön­nen ver­schie­de­ne Fahr­gäs­te, die in die­sel­be Rich­tung wol­len, gemein­sam fah­ren. Für den Ein­zel­nen ver­rin­gern sich die Fahr­kos­ten um bis zu 40 Pro­zent, wie Erfah­run­gen in Test­städ­ten zei­gen. Ich bin über­zeugt davon: Mit neu­en Ide­en las­sen sich neue Fahr­gäs­te für das öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel Taxi gewin­nen und bes­se­re Ein­kom­mens­per­spek­ti­ven für vie­le Taxi­fah­rer eröff­nen.“

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen

  1. Bezah­lung:

Die Bezah­lungs­mo­da­li­tä­ten unter­schei­den sich zwi­schen den Städ­ten. Man­cher­orts ist Kar­ten­zah­lung gene­rell mög­lich, andern­orts nicht oder nur in man­chen Taxis. Für Kun­den, die häu­fig nicht orts­an­säs­sig sind, ist das ein Pro­blem. Zuschlä­ge für EC-Kar­ten­zah­lung zu ver­lan­gen ist nicht zeit­ge­mäß. Hier­zu die Schil­de­rung eines eige­nen Erleb­nis­ses: Ich habe in Wend­lin­gen den S‑Bahn-Anschluss ver­passt und, um noch pünkt­lich anzu­kom­men, ein Taxi genom­men. Pünkt­lich am Ziel­ort ange­kom­men will ich in bar bezah­len. Der Taxi­fah­rer erklärt mir, ich sei sein ers­ter Kun­de und er habe noch kein Wech­sel­geld. Dann ist er mit mir auf dem Bei­fah­rer­sitz wie­der vom Ziel­ort weg zu meh­re­ren Hotels und Restau­rants gefah­ren, um mei­nen 50-Euro-Schein zu wech­seln. Doch über­all war geschlos­sen. Kar­ten­zah­lung war im Taxi nicht mög­lich und auf mein Ange­bot, per Über­wei­sung zu bezah­len, ließ sich der Taxi­fah­rer erst ein, nach­dem die Bemü­hun­gen, das Geld zu wech­seln, geschei­tert waren. Als ich end­lich am Ziel­ort aus­stei­gen konn­te war es bereits fast so spät wie ich mit der nächs­ten S‑Bahn ange­kom­men wäre.

  1. Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz:

Die im PBefG ent­hal­te­ne Expe­ri­men­tier­klau­sel ermög­licht vier Jah­re lan­ge Test­pha­sen. Im Anschluss ist jedoch weder eine Eva­lua­ti­on des Expe­ri­ments noch eine Mög­lich­keit der Ver­län­ge­rung bzw. Dau­er­an­wen­dung von Modell­ver­su­chen vor­ge­se­hen. Dies soll­te drin­gend geän­dert wer­den, um Inno­va­tio­nen zu för­dern und die Anrei­ze Neu­es aus­zu­pro­bie­ren zu erhö­hen.

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