Gespräch mit Claus Weselsky (GDL)

Hinweis: Dieser Beitrag ist schon älter und wurde möglicherweise noch nicht in das neue Format umgewandelt.

Weselsky

27.02.2016

Kürz­lich war der Vor­sit­zen­de der Gewerk­schaft Deut­scher Lok­füh­rer (GDL), Claus Weselsky, zum Gespräch in mei­nem Büro. Mit dem streit­ba­ren Mann habe ich mich zu einer gan­zen Rei­he von The­men aus­ge­tauscht.

Für den Tarif­plu­ra­lis­mus

Der Ein­satz für den Erhalt der Tarif­plu­ra­li­tät ist ein poli­ti­sches Anlie­gen, das Gewerk­schaf­ten wie die GDL und uns Grü­ne mit­ein­an­der ver­bin­det. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat die gro­ße Koali­ti­on ein Gesetz aus dem Hau­se von Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Nah­les durchs Par­la­ment gepeitscht, das die Rech­te weni­ger mit­glie­der­star­ker Gewerk­schaf­ten ein­schränkt. Meh­re­re Kla­gen u. a. von der GDL, dem Mar­bur­ger Bund und Cock­pit sind seit­her vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt anhän­gig. Das höchs­te Gericht, so Weselsky, hat sein Urteil für Dezem­ber 2016 ange­kün­digt. Der Tarif­ver­trag zwi­schen Deut­scher Bahn (DB) und der GDL endet jedoch schon frü­her, näm­lich zum 30. Sep­tem­ber. Die GDL muss die neue Geset­zes­la­ge aber zunächst nicht fürch­ten, da tarif­ver­trag­lich ver­ein­bart wor­den war, dass die­se bis zum Jahr 2020 nicht zur Anwen­dung kommt.

Aus­bil­dung und Qua­li­fi­zie­rung bei den Bahn­un­ter­neh­men

Für die Tätig­kei­ten im Bahn­be­reich gibt es kei­ne gesetz­lich defi­nier­ten Aus­bil­dungs­in­hal­te; auch nicht für Lok­füh­rer und die Fahr­dienst­lei­ter in den Stell­wer­ken. In wel­chem Umfang das dort ein­ge­setz­te Per­so­nal qua­li­fi­ziert wird, ist den Eisen­bahn­ver­kehr- bzw. ‑infra­struk­tur­un­ter­neh­men sel­ber über­las­sen. Weselsky hält den Qua­li­fi­zie­rungs­le­vel ins­ge­samt für gut, er ver­weist aber auf schwar­ze Scha­fe in der Bran­che, die nicht bereit sind, aus­rei­chend zu inves­tie­ren und des­halb zu knapp qua­li­fi­zie­ren. Letzt­lich müss­te das Eisen­bahn­bun­des­amt (EBA) oder eine vom EBA beauf­trag­te Stel­le Prü­fun­gen von den­je­ni­gen abneh­men, die an sicher­heits­re­le­van­ten Stel­len zum Ein­satz kom­men. Aber selbst das ist bis­lang nicht durch­setz­bar.

Sicher­heit und Funk ent­lang den Stre­cken

Nach Bad Aib­ling hat Claus Weselsky für man­che über­ra­schend deut­lich die bekann­ten Funk­t­lö­cher ent­lang vie­ler Bahn­stre­cken kri­ti­siert. Lok­füh­rer sind dort für Not­ru­fe aus den Stell­wer­ken nicht erreich­bar. Im Zusam­men­hang mit den Kata­stro­phen­fahr­ten von Bad Aib­ling wur­de die­se Pro­ble­ma­tik öffent­lich. Weselsky in der Stutt­gar­ter Zei­tung: “Des­halb müs­sen der Zug­funk und sein Not­ruf­sys­tem obers­te Prio­ri­tät und Vor­rang vor allen ande­ren Funk­net­zen haben, immer und über­all. (…) Die Ver­kehrs­po­li­tik und die Bun­des­re­gie­rung dul­den her seit Jah­ren ein Wirr­warr an Zustän­dig­kei­ten und offen­bar auch Nach­läs­sig­kei­ten (…).” Auch dies war Gegen­stand unse­res Gesprächs.