Gespräch mit Jobcenter Landkreis Esslingen

01.04.2018

Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt

Manch­mal geht es bei der Agen­tur für Arbeit nicht aus­schließ­lich um die Stel­len­ver­mitt­lung für Arbeit­su­chen­de, son­dern es gilt auch inner­halb der Agen­tur Lei­tungs­stel­len neu zu beset­zen. So auch beim Job­cen­ter des Land­krei­ses Ess­lin­gen, das zur Agen­tur für Arbeit Göp­pin­gen zählt, bei der eben­falls erst kürz­lich eine neue Che­fin ein­ge­setzt wur­de.

Das Job­cen­ter wird nicht in allei­ni­ger kom­mu­na­ler Ver­ant­wor­tung, son­dern gemein­sam mit der Agen­tur für Arbeit geführt. Seit Novem­ber 2017 heißt die Che­fin Astrid Mast. Inner­halb des Arbeits­agen­tur-Bezirks, der aus den Land­krei­sen Göp­pin­gen und Ess­lin­gen besteht, gel­ten der Land­kreis Göp­pin­gen als eher klas­sisch-indus­tri­ell und der Land­kreis Ess­lin­gen als stär­ker von Dienst­leis­tun­gen und auf­stre­ben­den Bran­chen geprägt. Die offi­zi­el­le Arbeits­lo­sen­quo­te im Land­kreis Ess­lin­gen lag im ver­gan­ge­nen Jahr bei 3,1 Pro­zent, in der Stadt Lein­fel­den-Ech­ter­din­gen gar nur bei 2,6 Pro­zent.

Wäh­rend ich bereits auf dem Weg zum Gespräch mit Frau Mast war, wur­den gera­de die neu­en Arbeits­markt­da­ten der Bun­des­agen­tur ver­öf­fent­licht. Dem­nach sank die offi­zi­el­le Arbeits­quo­te bun­des­weit gegen­über dem Vor­mo­nat um 0,2 Pro­zent­punk­te auf 5,5 Pro­zent. Die Unter­be­schäf­ti­gung, die auch Per­so­nen in arbeits­markt­po­li­ti­schen Maß­nah­men berück­sich­tigt, sank um 230.000 auf 3,4 Mil­lio­nen. Und auch bei den Bezieher*innen von Arbeits­lo­sen­geld II („Hartz 4“) gab es einen Rück­gang gegen­über dem März des Vor­jah­res um knapp 170.000 auf 4,3 Mil­lio­nen Per­so­nen. Der Rück­gang ist ein­deu­tig. Und doch müs­sen wir uns fra­gen, wes­halb der Arbeits­markt trotz sei­ner gro­ßen Auf­nah­me­fä­hig­keit und sei­ner gro­ßen Arbeits­kräf­te­nach­fra­ge noch immer so vie­le Men­schen unver­sorgt zurück lässt. Auch und gera­de dar­über möch­te ich von der neu­en Agen­tur­lei­te­rin etwas hören.

Ent­wick­lun­gen im Land­kreis Ess­lin­gen

Im Gespräch ver­weist die Agen­tur­lei­te­rin zunächst auf die posi­ti­ven Ent­wick­lun­gen auch im Land­kreis Ess­lin­gen: Sowohl die Gesamt­zahl der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen (ohne Flücht­lin­ge) als auch die der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen unter 55-Jäh­ri­gen, derer ohne Berufs­aus­bil­dung und der Men­schen mit Schwer­be­hin­de­rung, gin­gen zurück. Dies ist auf die gute Arbeits­markt­la­ge, aber auch auf die deut­li­chen Auf­sto­ckun­gen bei den För­der­maß­nah­men zurück­zu­füh­ren. Hier­bei wird weni­ger auf Arbeits­ge­le­gen­hei­ten als viel­mehr auf Maß­nah­men zur Akti­vie­rung und Ein­glie­de­rung bei Arbeit­ge­bern sowie die För­de­rung der beruf­li­chen Wei­ter­bil­dung gesetzt. Deut­li­che Zunah­men ver­zeich­net die Arbeits­lo­sen­sta­tis­tik bei den Flücht­lin­gen, ins­be­son­de­re von 2016 auf 2017. Aber: Immer­hin 42 Pro­zent derer, die zu uns geflüch­tet sind, ver­fü­gen über einen Schul­ab­schluss auf dem Niveau der Mitt­le­ren Rei­fe oder des Abiturs. Weit über die Hälf­te ist unter 35 Jah­re alt. Vie­le kön­nen feh­len­de Schul- und Berufs­ab­schlüs­se hier nach­ho­len und kön­nen kurz- oder mit­tel­fris­tig freie Stel­len anneh­men. Eine Befra­gung von Betrie­ben hat ein­mal mehr die Anfor­de­run­gen sei­tens der Wirt­schaft bestä­tigt: Der Auf­ent­halts­sta­tus und die Deutsch­kennt­nis­se sind, gefolgt vom Qua­li­fi­ka­ti­ons­ni­veau, die wich­tigs­ten Vor­aus­set­zun­gen für Geflüch­te­te auf dem Arbeits­markt. Um die Geflüch­te­ten auf dem Weg in Aus­bil­dung und Berufs­tä­tig­keit unter­stüt­zen zu kön­nen, wur­de die Per­so­nal­aus­stat­tung beim Job­cen­ter ver­bes­sert.

Der Bun­des­rech­nungs­hof hat kürz­lich kri­ti­siert, dass es eine „schwa­che Bedarfs­ana­ly­se“ bei den Lang­zeit­ar­beits­lo­sen gebe und die­se in nicht ziel­ge­rich­te­te Maß­nah­men geschickt wür­den, um Quo­ten bei den Job­cen­tern zu erfül­len. Wie ist das im Land­kreis Ess­lin­gen, will ich wis­sen? „Es ist kei­ner­lei Quo­ten­druck spür­bar“, lau­tet die Ant­wort. Man arbei­te nicht für kurz­fris­ti­ge Zah­len, son­dern schaue auf die Erfolgs­quo­te, also dar­auf, wie lan­ge Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se hal­ten.

„Quer den­ken“ – Und jun­ge Men­schen gezielt errei­chen

„Die neue Job­cen­ter-Che­fin setzt auf Zuver­läs­sig­keit, die Bereit­schaft, nach vorn und durch­aus auch mal quer zu den­ken“, so zitier­te eine Lokal­zei­tung Astrid Mast. Was heißt „quer zu den­ken“ will ich wis­sen. Mir wird ein gemein­sa­mes För­der­kon­zept des Land­krei­ses, des Job­cen­ters, der Agen­tur und der fünf gro­ßen Kreis­städ­te (außer Fil­der­stadt) vor­ge­stellt. Mit nie­der­schwel­li­gen Anlauf­stel­len und auf­su­chen­den Antei­len sowie pass­ge­nau­en und bedarfs­ge­rech­ten Ange­bo­ten sol­len jun­ge Men­schen bes­ser als bis­her für ihre beruf­li­che Ori­en­tie­rung erreicht wer­den. Dafür wur­de zusätz­li­ches Per­so­nal ein­ge­stellt, das aus zwei Rechts­krei­sen, näm­lich dem SGB II und dem SGB VIII (KJHG) finan­ziert wird. Die Stand­ort­kom­mu­nen tra­gen ledig­lich die Sach­kos­ten. Erfah­run­gen lie­gen noch nicht vor. Ein wei­te­res Modell wird mit dem „fami­li­en­zen­trier­ten Ansatz“ ver­folgt, der in der Stadt Ess­lin­gen erprobt wird. Hier­bei wer­den Bedarfs­ge­mein­schaf­ten mit Kin­dern und Jugend­li­chen ab 13 Jah­ren in der Berufs­ori­en­tie­rung beson­ders geför­dert, um eine „Ver­er­bung“ des Hil­fe­be­darfs best­mög­lich zu ver­hin­dern.

Erwar­tun­gen an die neue Gro­ße Koali­ti­on

Gegen­über einer Lokal­zei­tung hat Mast erklärt, sie wol­le mög­lichst vie­len hel­fen, ihre Mög­lich­kei­ten am Arbeits­markt opti­mal zu nut­zen und künf­tig selbst für ihr Aus­kom­men sor­gen zu kön­nen. Die neue Gro­ße Koali­ti­on will „vier Mil­li­ar­den Euro zusätz­lich für neue Chan­cen in einem sozia­len Arbeits­markt“ inves­tie­ren, so heißt es im Koali­ti­ons­ver­trag. „Span­nend wird sein, wie die vier Mil­li­ar­den genau ein­ge­setzt wer­den“, so Mast.

Fach­kräf­te­man­gel

„Alle suchen“, bekom­me ich zu hören. Wäh­rend gro­ße Unter­neh­men wie Daim­ler, Bosch und auch Festo ihre Leu­te immer fän­den, sei dies für Klein- und Hand­werks­be­trie­be wesent­lich schwie­ri­ger, eben­so auch in den Berei­chen Pfle­ge und Erzie­hung.

Digi­ta­li­sie­rung

Ger­ne hät­te ich noch die Her­aus­for­de­run­gen durch den digi­ta­len Wan­del zum The­ma gemacht. Denn aus der Agen­tur Göp­pin­gen, zu der auch Ess­lin­gen gehört, ist von der Sor­ge zu hören, dass die gute Auf­trags­la­ge trä­ge machen wür­de und das ein oder ande­re Unter­neh­men die Zukunft ver­schla­fen könn­te. Was die Digi­ta­li­sie­rung mit den Unter­neh­men und den Beschäf­tig­ten in Zukunft machen wird, wird ein The­ma für mei­ne zukünf­ti­gen Gesprä­che mit Job­cen­ter und Bun­des­agen­tur für Arbeit sein.

 

 

 

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