Gespräch mit Polizeileitung in Kirchheim unter Teck

09.01.2018

„Hohes Sicherheitsgefühl in Stadt und Umland“

Mit dem Lei­tungs­duo des Kirch­hei­mer Poli­zei­re­viers habe ich mich über die Arbeits­schwer­punk­te, die Kri­mi­na­li­täts­ent­wick­lung und die Per­so­nal­aus­stat­tung unter­hal­ten.

Das Revier Kirch­hei­mer unter Teck genießt inner­halb der Poli­zei den Ruf, eine der schöns­ten Unter­künf­te zu besit­zen: Die 108 Köp­fe zäh­len­de Ein­heit durf­te vor 20 Jah­ren eine hun­dert­jäh­ri­ge Vil­la bezie­hen. Zum Revier, das dem Poli­zei­prä­si­di­um Reut­lin­gen zuge­ord­net ist, gehö­ren die drei Poli­zei­pos­ten in Len­nin­gen, Weil­heim und Wernau.

Auf mei­ne Fra­ge, wor­auf die Poli­zei in Kirch­heim und Umge­bung in letz­ter Zeit die größ­te Auf­merk­sam­keit gelenkt hat, wur­den mir vier Schwer­punk­te genannt, von denen ich hier zwei näher aus­füh­re: Ver­kehrs­über­wa­chung, Woh­nungs­ein­brü­che, Flücht­lin­ge und Maß­nah­men gegen Van­da­lis­mus und ande­re Ord­nungs­stö­run­gen auf öffent­li­chen Plät­zen. Nach einer kom­ple­xen, zeit­auf­wän­di­gen Anfangs­pha­se hat sich die Flücht­lings­the­ma­tik durch die ver­mehr­te dezen­tra­le Unter­brin­gung beru­higt, beschäf­tigt die Poli­zei aber noch immer. Etwa zwei Beam­te sind allein für die Stadt Kirch­heim mit Flücht­lin­gen, von Kon­flik­ten in den gro­ßen Unter­künf­ten über Straf­ta­ten (häu­fig eben­falls in den gro­ßen Unter­künf­ten) bis hin zu Abschie­bun­gen, befasst. Zum The­ma „Woh­nungs­ein­brü­che“ hat­te eine Zeit-Redak­teu­rin in einer Kolum­ne geschrie­ben: „Die Ein­bre­cher­indus­trie setzt in Deutsch­land im Jahr 500 Mil­lio­nen Euro um. Das ist nicht schlecht für ein Gewer­be, das fast nur aus Klein­un­ter­neh­mern besteht und dazu voll auf Hand­ar­beit setzt“. Wer schon ein­mal Erfah­rung mit einem Ein­bruch im eige­nen Haus gemacht oder gar einem Ein­bre­cher in den eige­nen vier Wän­den gegen­über gestan­den hat, wird dar­über nicht lachen kön­nen. Sol­che Situa­tio­nen wer­den viel­mehr als sehr per­sön­li­che Bedro­hung wahr­ge­nom­men und erschüt­tern das Sicher­heits­emp­fin­den der Men­schen. Umso erfreu­li­cher ist, dass es der Kirch­hei­mer Poli­zei Anfang 2017 gelun­gen ist, eine sehr akti­ve Ein­bre­cher­ban­de zu fas­sen und die Anzahl der Woh­nungs­ein­brü­che wie­der deut­lich auf ein „nied­ri­ges Niveau“ zu sen­ken. Prä­senz und Kon­trol­len wer­den – auch in der hel­len Jah­res­zeit – aber auf­recht­erhal­ten, zumal die Stadt durch ihre Auto­bahn­nä­he jeder­zeit wie­der in den Fokus von Ein­bre­chern gera­ten kann.

Mit dem Schutz von Weih­nachts­märk­ten und der enor­men Ein­satz­stär­ke an Sil­ves­ter, die es frü­her nicht gege­ben hat­te, muss­te die Poli­zei vie­ler­orts neue Maß­stä­be set­zen. Wie steht es bei der Kirch­hei­mer Poli­zei um die Per­so­nal­aus­stat­tung, um ihren Auf­ga­ben gerecht wer­den zu kön­nen? Der Stel­len­plan gibt 97 Voll­zeit­stel­len im Poli­zei­voll­zugs­dienst her, von denen aktu­ell 84 besetzt sind. Das Revier ist inner­halb des Prä­si­di­ums das mit dem höchs­ten Alters­durch­schnitt im Strei­fen­dienst, doch „die Ver­jün­gung setzt ein“ und die Alters­mi­schung, wird mir berich­tet, bringt durch die Wei­ter­ga­be von Erfah­rung auch deut­li­che Vor­tei­le. Bis in zwei bis drei Jah­ren, so lau­tet die Hoff­nung, dürf­ten eini­ge der frei­en Stel­len besetzt sein. Groß­ein­sät­ze und beson­de­re Ein­satz­la­gen wie Sil­ves­ter oder auch Fasching füh­ren dazu, dass man mit dem Arbeits­zeit-Poten­ti­al am Limit agie­re. Dank zusätz­li­cher Lan­des­mit­tel hät­ten wenigs­tens ein Teil der Über­stun­den zum Jah­res­en­de 2017 aus­be­zahlt wer­den kön­nen. Im Ver­gleich zur frei­en Wirt­schaft sind die Schicht­zu­la­gen für Sonn­tags- und Nacht­ar­beit nicht son­der­lich hoch. Berich­te, wonach vie­le Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten Neben­jobs aus­üben, tref­fen dem­nach auch auf Kirch­heim zu – vor allem auf den Nach­wuchs, der sich eine Exis­tenz auf­bau­en möch­te. Trotz allen Wid­rig­kei­ten ist die Poli­zei, auch mit Blick auf die Sta­tis­ti­ken, über­zeugt: „Das Sicher­heits­emp­fin­den der Men­schen in der Stadt und noch mehr in den umlie­gen­den Kom­mu­nen ist hoch.“

Der Poli­zei­prä­si­dent hat­te bei der Amts­ein­füh­rung des Revier­lei­ters vor knapp einem Jahr dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es in prak­tisch allen gesell­schaft­li­chen Berei­chen einen alar­mie­ren­den Ver­fall tra­di­tio­nel­ler Wer­te wie Anstand, Geset­zes­treue und Respekt vor dem Mit­men­schen gebe. Rein sta­tis­tisch sei im Prä­si­di­um Reut­lin­gen in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren jeder drit­te Poli­zist im Ein­satz ver­letzt wor­den. Mir wird im Gespräch von einer zuneh­men­den Anzahl an Wider­stands­hand­lun­gen, sin­ken­dem Respekt und weni­ger Wert­schät­zung gegen­über den Beam­tin­nen und Beam­ten berich­tet. Neu sei, dass sich mehr oder weni­ger Unbe­tei­lig­te ein­mi­schen und mit Tat­ver­däch­ti­gen, die mit aufs Revier genom­men wer­den sol­len, gegen die Poli­zei soli­da­ri­sie­ren.

Als Aus­druck des Danks für die geleis­te­te Arbeit, ver­bun­den mit dem Wunsch, dass die Beam­tin­nen und Beam­te im neu­en Jahr unbe­scha­det von ihren Ein­sät­zen zurück­keh­ren, hat­te ich für die Beleg­schaft Glücks­kä­fer mit­ge­bracht.

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