Gespräch mit REWE

REWE

18.09.2015

 

Der Geschäfts­füh­rer des REWE-Mark­tes in Neckar­ten­z­lin­gen hat­te mich zum „Tag der Genos­sen­schaf­ten 2015“ in sei­nen Markt ein­ge­la­den. Bis ein Ter­min gefun­den wur­de ver­ging etwas Zeit. Nun aber war es so weit.

 

Ja, ich kau­fe regel­mä­ßig bei REWE ein. Weil er der nächst­ge­le­ge­ne Lebens­mit­tel­markt ist. Dies gilt für zuhau­se wie auch für Ber­lin. Er ist mir zudem irgend­wie sym­pa­thisch, weil er nicht mit “Haupt­sa­che bil­lig” wirbt und ein Voll­sor­ti­men­ter ist. Aber dass REWE als Genos­sen­schaft orga­ni­siert ist und sich der Name von “Revi­si­ons­ver­band der West­kauf-Genos­sen­schaf­ten” ablei­tet, wuss­te ich bis­her nicht.

Der Kon­zern

Die 1927 in Köln gegrün­de­te genos­sen­schaft­li­che REWE Group ist einer der füh­ren­den Han­dels- und Tou­ris­tik­kon­zer­ne in Deutsch­land und Euro­pa. Ins­ge­samt arbei­ten rund 330.000 Men­schen in 12 euro­päi­schen Län­dern für REWE. Das Unter­neh­men erziel­te im Jahr 2014 einen Umsatz von über 50 Mil­li­ar­den Euro.

1972 wur­de ein neu­es REWE-Part­ner­schafts­mo­dell geschaf­fen, das den selbst­stän­di­gen Ein­zel­han­del för­dert. In den Fol­ge­jah­ren betei­lig­te sich die REWE-Zen­tra­le an ande­ren Unter­neh­men der Lebens­mit­tel­bran­chen. 1988 steigt REWE in die Tou­ris­tik­bran­che ein. 1989 gehen die HL-und Mini­mal-Super­märk­te, PEN­NY-Dis­count­märk­te sowie die Toom-SB-Waren­häu­ser in den Besitz der REWE über. Im Jahr 2006 flagg­ten mini­Mal und HL auf die ein­heit­li­che Ver­triebs­mar­ke “REWE” um.

Das Gespräch

Beim Gespräch mit dem Geschäfts­füh­rer des REWE in Neckar­ten­z­lin­gen waren zwei Ver­tre­te­rIn­nen der GEWE Group sowie Mit­glie­der der GRÜNEN aus dem Ort dabei. Der Markt wird als oHG betrie­ben. Die 20 sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten und die 12 Mini­job­be­rIn­nen sind direkt bei der oHG beschäf­tigt. Wäh­rend REWE tarif­ge­bun­den ist, kann der REWE-Markt die Löh­ne frei aus­han­deln. In der Pra­xis ori­en­tiert er sich aber am ver.di-Tarifvertrag für den Ein­zel­han­del. Die oHG hat den Markt von REWE Group gepach­tet. Die Pacht­hö­he ist abhän­gig vom Umsatz.

The­ma fai­re Arbeit: Wir haben das The­ma „Werk­ver­trä­ge“ ange­spro­chen. Auch der Markt in Neckar­ten­z­lin­gen setzt auf Werk­ver­trä­ge und begrün­det dies damit, dass nach jeder Lie­fe­rung, die ein­mal am Tag erfolgt, schnell die Rega­le ein­ge­räumt wer­den müs­sen. Dies sei vom Stamm­per­so­nal nicht zu leis­ten. Der Markt bil­det aktu­ell fünf Azu­bis aus. Bei REWE Regi­on Süd­west konn­ten nicht alle 400 Aus­bil­dungs­stel­len besetzt wer­den. Beson­ders schwie­rig ist die Lehr­lings­su­che für die Wurst­the­ken.

The­ma Regio­na­li­tät: Lebens­mit­tel aus der Regi­on wer­den ver­stärkt nach­ge­fragt. Das Label „REWE regio­nal“ kenn­zeich­net Lebens­mit­tel, die aus dem jewei­li­gen Bun­des­land stam­men. Der Markt in Neckar­ten­z­lin­gen bie­tet zudem in Eigen­in­itia­ti­ve loka­le Pro­duk­te aus der unmit­tel­ba­ren Umge­bung an. Acht oder neun Land­wir­te lie­fern Kar­tof­feln, Eier und ande­re Erzeug­nis­se direkt an. Ver­kauft wird auch Apfel­saft aus dem Nach­bar­ort.

Ver­ant­wor­tung für die Pro­duk­te: Mit dem REWE-Label „Pro Pla­net“ wer­den Pro­duk­te gekenn­zeich­net, die nach Kon­zern­an­ga­ben Umwelt und Gesell­schaft wäh­rend ihrer Her­stel­lung, Ver­ar­bei­tung oder Ver­wen­dung weni­ger belas­ten. Papier­pro­duk­te, die damit gekenn­zeich­net sind, wur­den bei­spiels­wei­se aus Alt­pa­pier her­ge­stellt. Wirk­lich trans­pa­rent ist aber lei­der meist nicht ohne wei­te­res, was das Pro­dukt nach­hal­tig macht. Des Wei­te­ren befin­den sich auch Gepa-Pro­duk­te im Sor­ti­ment. Nach Aus­kunft des Markt­chefs läuft der Ver­kauf aber nur in Kom­bi­na­ti­on mit Bio-Zer­ti­fi­zie­rung wirk­lich gut.

The­ma Tier­schutz: REWE betei­ligt sich an der „Tier­woh­lin­itia­ti­ve“. „Ein klei­ner Schritt“, wie auch von REWE zu hören ist. Auf der Home­page des Unter­neh­mens sind übri­gens kei­ne Infor­ma­tio­nen zum Tier­schutz zu fin­den.

The­ma Müll­ver­mei­dung: Obst und Gemü­se wer­den knapp dis­po­niert, so dass nach Aus­sa­ge des Markt­chefs abends so gut wie nichts übrig bleibt. Es wird mit kei­nem Tafel­la­den koope­riert. Die Ver­ban­nung von Plas­tik­tü­ten von den Kas­sen ist in abseh­ba­rer Zeit vor­ge­se­hen.

Fazit

Es gibt bei REWE vie­le gute Ansät­ze. An einer durch­schla­gen­den Kon­se­quenz ins­be­son­de­re in Sachen Öko­lo­gie und Tier­schutz fehlt es noch. Dazu sind aber auch Kun­den erfor­der­lich, die kri­ti­scher und bewuss­ter ein­kau­fen.

 

 

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